Geistlicher Impuls

Er ist der Messias

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Ein junger Mann namens Jesus tritt aus der Menge hervor und stellt sich auf das erhöhte Podest in der Synagoge, damit alle ihn hören und sehen können. Er sagt etwas Außergewöhnliches, das alle Anwesenden geradezu schockiert: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ (Lk 4, 21) Das heißt mit anderen Worten: „Ich bin der von Gott gesandte Messias!“

Zunächst sind alle wie gebannt. „Er redet wie einer, der Macht hat.“ Und dann verwandelt sich das Staunen in Ablehnung und Wut. Ja, es entsteht ein Tumult, der sich schließlich so steigert, dass sie ihn hinausdrängen. Wer eine solche Blasphemie ausspricht, muss beseitigt werden. Jesus hat wohl genau gewusst, was sie dachten: ... tue auch hier, in deiner Vaterstadt, die Wunder, die du in Kafarnaum getan hast! ... beweise durch Wunder, dass du der Sohn des Allerhöchsten bist! ... Jesus ahnt ihr Ansinnen und lehnt es ab. Wo er keinen Glauben findet, wirkt er auch keine Wunder!

Das Wort „Wunder“ im Sinne unserer christlichen Überzeugung steht heutzutage nicht hoch im Kurs. Wunder sind Märchen für Kinder, Geschichten für alte Leute, abseitige Vorstellungen für Spinner, aber nicht Tatsachen für aufgeklärte, gebildete Zeitgenossen. Wunder sind schön, Wunder sind seltsame phantasievolle Erzählungen, die in Märchenbücher gehören.

Aber: Ist nicht alles um uns und alles in unseren Lebensvorgängen auch ein einzigartiges, großes Wunder Gottes?

Christus hat Wunder gewirkt, damit die Menschen ihm und seiner Sendung glaubten. Man könnte fast sagen: Der Christus der Bibel, so, wie ihn uns das Neue Testament schildert, ist ohne Wunder nicht denkbar.

Was ist ein Wunder? Es ist nach christlichem Verständnis das machtvolle Eingreifen Gottes in den normalen Ablauf der Natur. Wenn also Jesus von Nazaret Kranke und Besessene wieder gesund macht, wenn er Tote erweckt, wenn er dem Sturm des Meeres Einhalt gebietet, wenn er über die Oberfläche des Sees Gennesaret wandelt, als hätte er festen Boden unter sich, dann greift er machtvoll in den Ablauf der Natur ein. Dann muss er göttliche Kraft in sich tragen. Dann muss er der Sohn dessen sein, der Himmel und Erde geschaffen hat. Natürlich wird der kritische Mensch von heute fragen: Kann man die Wunder Christi überhaupt als historisch fassbar erklären? Sie sind nicht genau nach Zeiten einzuordnen, denn die Evangelisten waren keine Verfasser von Tagebüchern. Ihr grundlegendes Anliegen bestand darin, die Botschaft des Herrn und den Glauben an ihn zu verbreiten. In diesem Zusammenhang wurden die äußeren Abläufe in der Zeitfolge unwichtig. Aber doch sind die Taten Christi, seine Wunder, eingebettet in das religiöse, politische und gesellschaftliche Leben des damaligen Palästina. Wir begegnen Personen, die mit Namen genannt werden, Orte, an denen das Wirken Christi geschehen ist, und die nur aus dem Zusammenhang der damaligen Kultur zu erklären sind. Wunder sind nicht alles. Sie sind nur ein Teil des Wirkens Jesu. Er stellt sich uns in ihnen vor.

Er ist der Messias. Wie antworten wir in unserem Glauben?


Weitere geistliche Impulse zum Nachlesen und Stöbern findest Du hier

 

Bild: pixabay.com