Bundesebene Geistlicher Impuls

Eine Zeit der Bewährung, der Reife, des Wachsens

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum 3. Fastensonntag

Täglich werden wir mit schlimmen Nachrichten konfrontiert. Menschen fügen einander viel Leid zu, Ungerechtigkeiten in der Welt schreien zum Himmel. Der Blick in das Evangelium zeigt uns, dass schon zur Zeit Jesu die Menschen mit all ihren drängenden Fragen zu ihm kamen.

Was ist die Botschaft für uns? Es ist gut, wenn wir über die schlimmen Nachrichten nachdenken, doch dieses Nachdenken sollte vor allem uns selbst zum Gegenstand haben. Natürlich müssen wir uns damit auseinandersetzen, was durch Politik und Wirtschaft bei der Gestaltung unserer Umwelt und Gesellschaft falsch gemacht wird. Da gäbe es viele, die man als Verursacher von Schaden und Not in der nahen und fernen Welt benennen könnte. Aber ist das manchmal nicht auch ein Ausweichmanöver, mit dem wir unsere ganz persönliche Verantwortung umgehen wollen? Jesus will, dass wir uns mit der viel direkteren, allerdings auch unbequemeren Frage befassen: Was mache ich falsch? Ist dort, wo ich Einfluss ausüben kann, wo ich mich einsetzen und engagieren kann — in meiner Familie, an meinem Arbeitsplatz, in meiner Nachbarschaft und Umgebung – alles so, wie es sein sollte?

So direkt angesprochen, mag mancher sagen: „Ich weiß, dass das nicht alles so ist, wie es sein sollte. Aber es ist nun mal so, daran kann ich nichts ändern.“ Dem widerspricht Jesus. Er verweist darauf, dass wir genauso wie ein Feigenbaum dazu da sind, Früchte hervorzubringen. Das wird einfach erwartet.

So könnte ich mich in dieser österlichen Bußzeit, dieser Fastenzeit, fragen: Wie viele Chancen habe ich schon ungenützt und wie viele Talente brachliegen lassen? Wie oft bin ich meinem eigenen Kopf gefolgt statt dem Willen Gottes? Häufig habe ich gemeint, es ginge alles auch ohne mein Zutun ganz gut. Gemessen an dem, was ich von meinen Begabungen und meinen Möglichkeiten her an Früchten bringen könnte, ist die Bilanz überschaubar.

Zu einem fruchtlosen Feigenbaum wird im Evangelium gesagt: „Hau ihn ab!“

„Hau ihn ab“?? Das sind harte und bedrohliche Worte im Evangelium. Doch es widerspricht ganz dem Anliegen Jesu, uns durch Drohungen kleinzumachen. So heißt es weiter: „Lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte.“

Das sagt mir: Jesus hat mich nicht aufgegeben, obwohl meine Lebensbilanzen oft alles andere als berauschend sind. Er glaubt an meine Fähigkeiten, die ich kaum selbst noch entdecken kann. Er glaubt auch an meine Kraft, meinem Denken und Handeln eine neue Richtung zu geben. Was bisher war, ist für ihn unwichtig, vielmehr setzt er seine ganze Hoffnung in eine bessere Zukunft. Und er will mir dabei helfen. Das ist doch ungemein tröstlich und auch ermutigend. Er ist wie ein guter Gärtner, der sich selbst noch um solche ‚Feigenbäume’ wie mich kümmert.

Die österliche Bußzeit ist eine Einladung, uns selbst zu prüfen und dann die richtigen Schlüsse daraus ziehen. „Umkehr“ steht auf dem Wegweiser, der von einer fruchtlosen Vergangenheit in eine Zukunft mit besseren Erfahrungen zeigt. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Bewährung, der Reife, des Wachsens. Christus, unser Gärtner, traut uns das alles zu.


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Bild: pixabay.com