Geistlicher Impuls Bundesebene

Eine bessere Welt?

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum heutigen Sonntag

In den Nachrichtensendungen werden immer wieder Berichte über die oft verzweifelten Anstrengungen von engagierten Umweltschützern gezeigt.

Gleich wie jeder von uns auch über Sinn und Methode mancher Einsätze denken mag, eines haben sie bewirkt: Inzwischen ist allen bewusst geworden, dass unsere Umwelt ernsthaft bedroht ist. Es geht um die Anstrengung aller Kräfte, sie zu erhalten und eine Katastrophe für Mensch und Natur zu verhindern. Das allgemeine Bewusstwerden dieser ernsthaften Bedrohung kann uns heute einen Zugang verschaffen zu den Mahnworten des Evangeliums. Auch da werden ja äußerste Anstrengungen gefordert, um einer drohenden Katastrophe zu entgehen – jener Katastrophe nämlich, dass wir die endgültige Gemeinschaft mit Gott, den Himmel, verfehlen könnten.

Als heutige Menschen haben wir Mühe, eine solche Warnung zu begreifen. Und sollte jetzt das Wort „Hölle“ fallen, dürfte unsere innere Abwehr besonders stark werden. Kommen wir deshalb noch einmal zurück auf unsere Erfahrung von einer ernsthaft bedrohten Umwelt. Ziel aller warnenden Stimmen ist ja – von Ausnahmen abgesehen – wohl nicht das Angstmachen, sondern das Wachmachen. Es geht um ein klares Erkennen der Bedrohung und ein sachgemäßes, entschiedenes Handeln. Wer jetzt die Augen aus Bequemlichkeit leichtfertig verschließt, kann den noch möglichen guten Ausgang gefährden. Die einschneidenden Maßnahmen, die jetzt weh tun, bringen auf Dauer mehr Lebensqualität.

In die gleiche Richtung zielt auch die biblische Warnung, wobei es ihr um mehr geht als um Lebensqualität auf dieser Erde. Die ist auch gemeint, doch darüber hinaus geht es um das endgültige Gelingen unseres Lebens in Gottes Gemeinschaft. Aber ist das überhaupt noch unsere Frage? Brennt uns die Frage nach der Rettung und Verbesserung dieser Welt nicht viel stärker auf den Nägeln als die Frage nach der ewigen Seligkeit?

Das, was eigentlich zum Ausschluss von Gottes Gemeinschaft führt, ist das Unrecht-Tun (vgl. Lk 13, 27). Das heißt praktisch: Jesu Wort hören, aber nicht danach leben, keine innere Beziehung zu ihm knüpfen. Es handelt ungerecht, wer der neuen Weise, wie Jesus mit Gott und den Menschen umgeht, zutiefst misstraut. Unrecht tut der, der weiter um sich kreist, seinem Machtdenken folgt, seinem Egoismus. Hier zeigt sich, dass die brennende Frage nach der Rettung unserer Welt nicht unendlich weit vom Inhalt der christlichen Botschaft entfernt ist. Denn der Weg zur Gemeinschaft Gottes, in die ewige Seligkeit, führt nur über das Praktizieren jener Menschlichkeit, die Jesus vorlebte und mit der im Grunde schon hier die endgültige Gemeinschaft mit Gott beginnt.

Aber sind wir denn wirklich solche Egoisten und Machtmenschen, dass wir fürchten müssten, aus Gottes Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden? Oder gehören wir zu denen, die sich selbst allzu sicher fühlen? Wahrscheinlich sind wir eher mittelmäßig. Wo also will das Evangelium uns treffen?

Eine indische Legende erzählt von einem Bettler, dem der König der Könige auf dem Weg entgegenkommt. Für diesen Mann scheint jetzt das Glück zum Greifen nahe. Doch wider Erwarten tauscht der König die Rollen. Er bittet den Bettler: „Was hast du mir zu schenken?" Da nimmt der Bettler aus seiner Tasche ein winziges Reiskorn und legt es in die Hand des Königs. Am Abend leert der Bettler seine Taschen und findet das verschenkte Korn wieder. Es ist aus Gold. Da weint er über sich selbst, da er nicht den Mut gefunden hatte, dem König alles zu geben, was er besaß.
(nach W. Hoffsümmer, Kurzgeschichten 2, Mainz 1983, 83).

Der Schluss der Legende zielt auf das, was im Evangelium mit der Anstrengung aller Kräfte gemeint ist. Der Bettler weint über seinen Mangel an Vertrauen. Ist das nicht auch unsere Not? Das eine Körnchen, den kleinen Finger, den wollen wir Gott wohl reichen, aber unseren gesamten Vorrat, die ganze Hand?

Da gibt es bei näherem Zusehen noch eine ganze Reihe von geheimen Ecken und Lebensbereichen, die wir für uns reserviert haben, z. B. Gefühle und Erfahrungen, über die wir nur ungern mit Gott reden; Bereiche aus Berufs- und Alltagswelt, die wir gern aus dem Glaubensleben ausblenden, da allgemein stillschweigende Übereinkunft herrscht, dass das ja nun wirklich mit Gott nichts zu tun habe. Genau hier gilt es, die Warnung vor der engen Tür ernst zu nehmen. Nicht moralische Höchstleistung ist in all dem verlangt, sondern Umgestaltung und Durchformung des gesamten Lebens durch Vertrauen.

Der reiche Gewinn, der aus dieser Lebenshaltung erwächst, ist nicht nur ein fernes, jenseitiges Glück. Wer auf Gott vertrauen lernt wie ein Kind, der ist schon jetzt reich zu nennen. Aus diesem Reichtum hat Jesus gelebt – und den Neubeginn einer menschenfreundlicheren Welt begonnen. In seiner Nachfolge wollen wir daran mitbauen! Nehmen wir die Warnung vor der engen Tür ernst, dann wird sie uns schon jetzt vor einem gleichgültigen und verflachten Leben bewahren. Denn es ist ja nach der Warnung des Evangeliums nicht egal, ob ich so oder so handle. Weil Gott unsere Entscheidungen und Grundhaltungen schon hier ganz ernst nimmt, ist unser Leben kein beliebiges Spiel ohne tiefere Bedeutung. Schenkt uns das nicht auch mehr Wahrhaftigkeit und damit mehr Lebensqualität?

So tut die menschenfreundliche Warnung der Frohen Botschaft heute allen gut. Sie lädt uns ein zu einem vertieften Leben aus dem Vertrauen, zu einem Leben mit mehr Qualität. Sie lädt uns ein zum Einsatz in dieser Welt und für Gottes Ewigkeit. Wer aus dem Vertrauen mit aller Kraft Jesus folgt, der macht schon jetzt die Welt besser und menschlicher.
Also: Brechen wir auf!

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Bild: Image by NiklasPntk from Pixabay