Bundesebene Geistlicher Impuls

"Du bist für die Ewigkeit da!"

Geistlicher Impuls zum Sonntagsevangelium (Mk 10,17-27) von Rosalia Walter, Geistliche Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland

Der bekannteste Satz im heutigen Evangelium lautet: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Für Dinge, die unmöglich erscheinen, wird das Bildwort von Kamel und Nadelöhr sogar sprichwörtlich verwendet. Die Gedanken gehen dabei sofort in Richtung Inkompatibilität von Reichtum und Nachfolge Jesu.

Doch es lohnt sich auch einmal, auf den Beginn der Erzählung zu schauen. Ein Mann kommt und möchte von Jesus wissen, was er tun soll, um das ewige Leben zu gewinnen.

Das hört sich gut an. Doch es stellen sich zwei Fragen. Weshalb kommt er zu Jesus? Vermutlich hat er schon viel von ihm gehört und möchte deshalb wissen, welche Antwort ER auf seine Frage hat. Aber was ist das für eine Frage: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Wer von uns stellt sich diese Frage heute noch?

Welche Fragen beschäftigen uns? Ins Heute aktualisiert würde der Mann vielleicht zum Arzt gehen und fragen: Was muss ich tun, um gesund zu bleiben? Oder er würde zum Psychologen gehen und sich erkundigen: Was muss ich tun, um ein glückliches Leben zu führen? Oder …

Der Pastoraltheologe Paul Zulehner stellt fest: Früher lebten die Menschen 50 oder 60 Jahre – und dann ewig. Heute leben sie 90 oder sogar 100 Jahre – und dann nicht mehr! Deshalb ist es so interessant und wichtig, dass der Mann mit der Frage nach dem ewigen Leben zu Jesus geht. Für ihn scheint diese Frage die entscheidende Lebensfrage zu sein.

Mit dem Zusammenhang zwischen irdischem Leben und ewigem Leben setzte sich auch Adolph Kolping auseinander. Er schrieb in der Vereinsbeilage des Rheinischen Kirchenblatts: „Nicht wahr, lieber Leser, du bist doch nicht gerade ein bloßer Fleischklumpen, der aufs blinde Ungefähr durch die Welt herumkugelt, dem’s genug ist, wenn er eben Speise und Trank zur Genüge auftreiben kann, sich nach gehabter Mühe des Tages dem notwendigen Schlafe überlässt und mit stumpfer Gleichgültigkeit dem Tage entgegensieht, wo er den letzten Seufzer aushaucht, um wieder in den Staub gescharrt zu werden, aus dem er genommen worden ist? Jawohl, du hast eine lebendige Seele in deinem Leibe, oder vielmehr du bist eine lebendige Seele (..) Ein unsterbliches Wesen, eine Seele, die in Ewigkeit fortdauern soll oder muss! Setze dich nur ruhig hin und schaue dir das inhaltschwere Wort an: Du bist für die Ewigkeit da!“

Klar und deutlich ermahnt Adolph Kolping die Leser, zu bedenken, dass sie für die Ewigkeit bestimmt sind. Das Leben ist für ihn nicht die Zeitspanne zwischen Wiege und Grab. Aus christlicher Sicht ist der Mensch eben mehr als ein „Fleischklumpen“, er hat die Würde der „Ewigkeit“. Und wie der Mann im Evangelium ist auch Kolping der Meinung, dass es dieses ewige Leben nicht umsonst gibt, für ihn ist die christliche Haltung entscheidend. Für Kolping steht fest: „Wer nicht für die Ewigkeit arbeitet, sondern nur für dies zeitliche, irdische Leben, dem Leben selbst nicht die ewige Bedeutung gibt, sondern nur die zeitliche, hat sich praktisch vom Christentum geschieden.“

Jesus macht in dem Gespräch mit dem Mann und den Jüngern deutlich, was entscheidend für das Erreichen des ewigen Lebens ist. Der Mann, der die Gebote Gottes offenbar vorbildlich befolgt, soll lernen, diese Gebote nicht wie eine abzuarbeitende und dann an der Himmelstür vorlegbare Checkliste zu sehen. Egal, was der Mensch vorweisen kann, es ist für ihn unmöglich, aus eigener Kraft in den Himmel zu kommen. Jesu Antwort auf die verängstigten Rückfragen der Jünger ist die frohmachende Botschaft: Allein das Vertrauen in Gott öffnet das Himmelstor. In genau dieser Haltung sollen auch die Gebote und Weisungen Gottes befolgt und nicht als Trittleiter in den Himmel missverstanden werden.

Nur in der Haltung Offen für Gott! öffnet sich der Blick über das irdische Leben hinaus, stellt sich die Frage nach dem ewigen Leben.

Auch uns ruft Jesus dazu auf, offen für Gott zu sein und nach dem ewigen Leben zu fragen. Wir können uns nicht in einer Sicherheit wiegen, die auf unserem Haben, Machen und Tun gründet. Wir müssen uns ins Gottvertrauen immer wieder einüben und von ihm her unsere Zukunft erwarten: In dieser Haltung können wir unser Leben ganz in Gottes Hände legen und werden ewig leben. Denn bei Gott ist nichts unmöglich.


Bild: Vojtech Tlacil/Wolfgang Inderwies, Pixabay

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