Bundesebene Geistlicher Impuls

"Die enge Tür"

Geistlicher Impuls zum Sonntag von Rosalia Walter, der geistlichen Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland.

Zum Evangelium des 21. Sonntag im Jahreskreis (Lk 13,22-30)

Auf seinem Weg nach Jerusalem wird Jesus die Frage gestellt: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Wen interessiert diese Frage heute noch? Vielleicht formulieren wir diese Sorge nur anders: Sind es nur wenige, die ein gelingendes, geglücktes Leben haben?

Jesus gibt keine Ja-/Nein-Antwort (Ja, nur wenige, oder Nein, nicht so wenige, wie du denkst…); auch keine statistische Auswertung (dass z.B. so und so viel Prozent der Gesamtheit selig bzw. glücklich werden, mit einer Wachstumsrate von so und so viel Prozent).

Jesus sagt auch nicht: „Allen wird das Leben gelingen, macht euch keine Sorgen, alle werden glücklich sein.“ Nein! Jesus stellt klar: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.“

Mit dem Bildwort von der engen Tür macht Jesus deutlich, dass es um ein entschiedenes Bemühen und ein Ringen geht. Wenn Jesus im Evangelium von der engen Tür spricht, dann kennt er und kennen seine Zuhörer wohl auch das Gegenteil, die großen weiten Tore der damaligen Zeit. Ich versuche mir beide vorzustellen: Die großen mächtigen Tore, zum Beispiel ein Triumphbogen, die Eingänge in unsere Kirchen, prunkvoll verziert, massiv und schwergewichtig. Oder wieder andere Eingänge, jene in große Einkaufzentren und in die Banken unserer Stadt. Große Glastüren, sauber geputzt, sie gehen automatisch auf und zu, sind weit, damit man möglichst viel mitnehmen kann, viel Geld und viel käuflich Erworbenes.

Was genau die enge Tür ist, darüber kann man spekulieren. Enge macht Angst: Angst, nicht in den Himmel zu kommen. Angst, dass es am Ende doch nicht reichen wird. Angst, dass man sein Leben verpasst. Angst jedoch ist immer ein schlechter Ratgeber.

Jesus will uns mit der engen Tür sicher nicht Angst machen, sondern zum entschlossenen Handeln ermutigen. Er betont ja, dass die Tür offen steht, und dass alle Menschen eingeladen sind, durch sie ins Reich Gottes einzutreten. Jesus warnt uns, aber er lässt uns letztlich die Freiheit, selber zu wählen, welche Türen wir durchschreiten. Wir selber gestalten unser Leben. Ob die letzte enge Türe unseres Lebens ein Tor zum Himmel wird, ob mein Leben gelingt, das entscheidet sich nicht im letzten Moment, sondern jetzt und heute. „Die enge Tür“ steht mitten in meinem Leben.

Adolph Kolping erklärt seinen Freunden: „Die Auferstehung des Herrn hat die Menschen umgewandelt und dem irdischen Leben eine neue Richtung und Bedeutung gegeben.“

Heute steht „die enge Tür“ da. Heute kann ich dieser Tür ausweichen und bequem daran vorbeigehen. Oder ich kann mit allen Kräften versuchen, sie zu durchschreiten, indem ich meinem irdischen Leben die neue Richtung und die entscheidende Bedeutung gebe.

„Die enge Tür“ ist für mich auch eine Einladung und Mahnung, nicht mit der Masse mit zu schwimmen, sondern meinen schmalen, ganz persönlichen Weg zu gehen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und meine Zeit gut zu nutzen. Da ist kein Platz für Egoismus und Habgier, für Stolz und Überheblichkeit, gehobene Nasen und kraftstrotzende Muskeln. Einem weiten Herz, einem Herz das Raum hat für andere, einem Herz das aufgeschlossen ist für Gott und den Nächsten, dem wird der Herr die Türe nicht verschließen.

„Die enge Tür“ ist die konkret gelebte Liebe. Wer versucht, mit allen Kräften Tag für Tag durch diese Tür zu gehen und ihr nicht auszuweichen, dem wird sein Leben gelingen. Er wird gerettet werden. Dann kann es zwar nicht auf dieser Welt, aber im Reich Gottes, vorkommen, dass die Letzten die Ersten sein werden, wie Jesus im heutigen Evangelium sagt.

-----------------------------------------------

Weitere geistliche Impulse zum Nachlesen und Stöbern hier.

Foto: Jan Tinneberg/Unsplash