Bundesebene Geistlicher Impuls

Der Hunger hat viele Gesichter!

Geistlicher Impuls des Bundespräses Josef Holtkotte zu Fronleichnam.

Die unzähligen armen, hungernden Menschen auf der Welt zwingen mich gerade heute, an Fronleichnam, zum Nachdenken, feiern wir doch das Fest des Brotes, das uns von Gott selbst geschenkt wird.

Jesus sagt im Johannesevangelium: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ (Joh 6,51)

Jesus ist das Brot für die hungernden Menschen. In ihm ist Gott auf dem Weg zu den Menschen. Er ist ihnen nahe, nicht zuletzt unter der Gestalt des eucharistischen Brotes.

Arme, leidende und hungernde Menschen auf der Welt: Dieser Hunger hat viele Gesichter!

Wir hören Schreckensmeldungen aus vielen Teilen der Welt. Durch Naturkatastrophen, durch politische, wirtschaftliche und ökologische Fehlentwicklungen sind Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Die Corona-Pandemie verstärkt dieses Leid.

Hungernde Menschen auf der Welt: Dieser Hunger hat viele Gesichter!

Da ist der Hunger, der nicht den Leib betrifft, sondern die Seele. Wieviel Menschen hungern, auch bei uns, nach dem, was sie glücklich machen könnte: Kranke hungern nach Gesundheit, Vereinsamte hungern nach Kontakten mit verständnisvollen Menschen, viele Menschen hungern nach dem Gespräch mit jemandem, der sie versteht. Und wieviel Menschen hungern nach einem echten, dauerhaften Frieden!

Der Hunger auf dieser Welt hat viele Gesichter! Und Gott?

Lässt ihn dieser vielfältige Hunger seiner Menschenkinder gleichgültig? Ich glaube daran, dass Gott, der sich uns geoffenbart hat, ein Gott ist, der auf die Menschen zugeht, der Leben will, der die Menschen nicht einfach ihrem Schicksal überlässt, niemals, zu keiner Zeit! Ich glaube daran, dass Gott ein guter Begleiter ist, auch wenn das Suchen und Fragen in Leid und Not scheinbar ohne Antwort bleibt.

Als das Volk Israel sich in der Wüste befand und hungerte, gab Gott ihm zu essen. Als es in der babylonischen Gefangenschaft hungerte, sandte er ihm Propheten, welche die Verzweifelten trösteten und aufrichteten. Und schließlich wurde Gottes Sohn Mensch. In Jesus Christus zeigte und zeigt Gott ein für alle Mal, dass er auf Seiten der Menschen steht. Jesus macht die Für-Sorge Gottes sichtbar und erfahrbar: Er vermehrte die Brote und Fische, so dass alle satt wurden; er schenkte den seelisch Hungernden das Evangelium, die frohe Botschaft von der Güte und Zuwendung Gottes. Immer stellte er sich auf die Seite der Armen und der Leidenden. Er ist da.

Am Abend vor seinem Leiden und Sterben feierte er mit seinen Freunden das Mahl, bei dem er selbst zur Speise wurde: „Nehmt und esst alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird …“ Und: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das war sein Auftrag, dem wir auch heute noch verpflichtet sind. So feiern wir das Mahl und empfangen das Brot, in dem Gott zu uns Hungernden kommt. Wir sind dafür dankbar und zeigen dies heute am Fronleichnamstag.

Wenn wir – wie die Jünger – vom Herrn das Brot des Lebens empfangen, sollten wir auch – wie sie – zu „Gebern“ werden, zu Gebern, die mithelfen, das Brot auszuteilen: Brot für den Leib und Brot für die Seele, Brot gegen die Angst, das Alleinsein und die Resignation. Brot, das wir Zuwendung, Achtsamkeit, Würde und Liebe nennen.

Der Hunger hat viele Gesichter! Helfen wir mit, diesen Hunger zu stillen: den Hunger der Menschen in der Welt, den Hunger der Kranken und den Hunger der Niedergeschlagenen, den Hunger der Einsamen und den Hunger der Friedlosen.

Vielleicht fragen wir: Hat unsere Hilfe überhaupt einen Wert? Sie hat einen Wert! Denn anstatt über die Dunkelheit zu lamentieren und nichts zu tun, sollten wir wenigstens das Licht einer Kerze entzünden. Gott ist lebendig im Brot des Lebens, in der Eucharistie. Er stärkt uns, damit wir stark für Andere sind.

 


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Bild: kristi611 auf pixabay.com