Bundesebene Geistlicher Impuls

"Der Herr ist nahe"

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum 3. Adventssonntag

Johannes der Täufer steht heute im Mittelpunkt. Sein Auftreten hat im jüdischen Volk einen starken Eindruck hinterlassen. Man verehrte ihn als einen Propheten, und Jesus wird von ihm sagen, er sei mehr als ein Prophet (vgl. Lk 7, 26). Ein Prophet erkennt die Gegenwart, er sieht die „Zeichen der Zeit“ und konfrontiert seine Zeitgenossen damit. Adventszeit ist deswegen Zeit der Propheten. Was prophezeit Johannes, was sieht er, auf wen weist er hin? Seine Predigt ruft zur Umkehr auf. Sein ganzes Leben wird zu einer einzigen Herausforderung für seine Umgebung. Die Leute fragen ihn: „Was sollen wir tun?“ Und er zeigt ihnen einen Weg: Beginne bei dir selbst, in deinem Leben. Jeder soll das Richtige tun - der Glaube will im Alltag gelebt und bezeugt sein: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat. Das Problem des Teilens, das allezeit aktuell bleibt. Den Zöllnern sagt er: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Bleibt ehrlich! Die Soldaten erfahren: Misshandelt niemand, erpresst keinen!

Umkehr hat also immer konkrete Namen. Und das allzu Selbstverständliche ist eben oft nicht selbstverständlich. Es will erst einmal getan werden. Jeder soll bei sich anfangen. Und die Leute fragen sich, ob dieser Johannes nicht selbst der Messias ist. Doch er sagt: Ich taufe euch nur mit Wasser. Nach mir aber kommt einer, der stärker ist als ich. Johannes der Täufer lebt ganz aus dieser Verheißung, die in ihm war: Das Reich Gottes wird ein anderer, ein Stärkerer bringen, der nach ihm kommt, aber schon mitten unter ihnen ist: Christus, der Heiland, der Retter, der Messias.

Aber eben um diese Verheißung anzunehmen, wahrzunehmen und daraus leben zu können, ist der Umkehrruf des Täufers notwendig - damals wie heute.

Immer wieder stellen sich Menschen Gott anders vor, als er sich selber in Jesus vorgestellt hat. Gekommen ist er als wehrloses Kind in der Krippe. Die Wehrlosigkeit seiner allmächtigen Liebe kennzeichnet sein Leben und seine Botschaft. Gott schenkt der Welt neues Leben in diesem Kind. Gewiss: Die machtvollen Worte des Täufers sollen uns aufrütteln aus unserer Taubheit und Blindheit gegenüber der Gegenwart Gottes. Wir brauchen seine Worte. Aber in Betlehem wird Gott zunächst einmal nicht mit Worten sprechen, sondern in diesem Kind, dem die Zukunft gehören wird - über den Tod hinaus. Gott schenkt sich in diesem Kind zuerst den Menschen, bevor diese auch nur etwas ihrerseits tun und schenken können. Und die Antwort? Sie kann nur eine Antwort sein, die sich aus dem Herzen, aus der Mitte des Lebens ergibt.

Das Heil hat seine Geschichte. Die Vollendung steht noch aus. So bleiben wir als Kinder dieser Welt auch immer wieder im Dunkeln. Wir kennen Schuld und Sünde, Krankheit und Tod. Wir erleben die Corona-Pandemie und fragen nach der Zukunft, nach dem Licht.  "Der Herr ist nahe“ - das gilt immer! Die ganze Zeit der Geschichte und des Lebens ist „Advents“-Zeit ist, eine Zeit also, die auf Verheißung hin angelegt ist, auf das, was noch kommt. Aber diese Zeit hat schon begonnen in und mit Christus.

Es kommt darauf an, mit Gottvertrauen weiterzugehen. Hoffnung und Mut zu leben. „Freut euch“, heißt es heute, am 3. Adventssonntag. Das ist viel verlangt, in diesen Corona-Zeiten. Und doch bedeutet der Glaube Freude, Gerechtigkeit und Liebe. Wir vertrauen darauf.

Bild: Schwoaze from Pixabay 

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