Bundesebene Geistlicher Impuls

Den Glauben stärken – Kraft, Liebe und Besonnenheit

Geistlicher Impuls zum Sonntag von Kolping-Bundespräses Hans-Joachim Wahl

Glauben zu haben und aus diesem Glauben zu leben war noch nie leicht. Schon die Jünger sagen zu Jesus im Evangelium dieses Sonntags (Lk 17, 5-10) : „Stärke unsern Glauben“.

Das „Evangelium in leichter Sprache“ beschreibt den Dialog Jesu mit den Jüngerinnen und Jüngern so:

„Einmal sagten die Freunde zu Jesus:
Wir möchten an Gott glauben.
Aber das ist schwer.
Wir glauben immer nur ein bisschen an Gott.
Bitte hilf uns, damit wir mehr an Gott glauben.

Jesus sagte:
Ja, ihr habt Recht.
Euer Glaube ist noch sehr klein.
Wenn euer Glaube aber bloß so groß wird wie ein Samenkorn:
Dann habt ihr Gottes Kraft.
Und ihr könnt erstaunliche Dinge tun.
Ihr könnt euch immer auf Gott verlassen.
Gott gibt euch die Kraft, die ihr braucht.
Weil Gott immer bei euch ist.“
(www.evangelium-in-leichter-sprache.de)

Ein solcher Glaube fällt nicht einfach so vom Himmel. Das Bild vom Samenkorn hilft gerade am Erntedanksonntag weiter: das Samenkorn muss in die Erde fallen, aufgehen und wachsen, Jesus selbst hat das Bild vom Samenkorn gern genutzt: hier bezieht er sich auf das kleinste Samenkorn, wir kennen aber auch das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fällt, stirbt und Frucht bringt, mit dem Jesus sein eigenes Leben, Sterben und Auferstehen beschreibt (Joh 12).

Wir wünschen uns Rezepte, die uns sagen: lies das, höre diesen oder jenen Vortrag, geh da und da hin, da wird dein Glaube gestärkt. Wir wünschen uns, dass eine originelle, zündende Predigt Menschen begeistern und für ein Leben aus dem Glauben interessieren kann, dass mitreißende Veranstaltungen für Begeisterung sorgen, die länger hält als einen Abend.

All diese Elemente sind wichtig. Ich muss spüren, dass ich gemeint bin, dass mein Leben gewinnt, wenn ich mich einlasse auf die Botschaft, die ich höre.

Aber genauso wichtig ist es, dass ich das Bild vom Samenkorn ernstnehme. Ich weiß, dass Wachstum Zeit braucht und dass ich Geduld aufbringen muss, weil sich ein Ergebnis nicht immer unmittelbar einstellt.

Dazu muss ich Vertrauen haben. Das Evangelium in leichter Sprache sagt uns zu: „Ihr könnt euch immer auf Gott verlassen. Gott gibt euch die Kraft, die ihr braucht.“ Das ist ein gutes Startkapital, damit kann der Tank schon einmal gefüllt werden.

Und dann gehört dazu, dass wir nicht alleine unterwegs sind, sondern in Gemeinschaft und als Gemeinschaft. In Gemeinschaft wird es einfacher, Geduld zu üben, sich gegenseitig in der Hoffnung zu stärken und an die Zusage Gottes zu erinnern, dass er uns die Kraft gibt, die wir brauchen, und dass er immer bei uns ist. Der Same, den Gott in uns gelegt hat, ist sein Ja zu jedem und jeder von uns: dass er uns annimmt, wie wir sind, und dass er uns durch den Heiligen Geist für unsere Aufgabe in dieser Welt stärkt. Das wird bei der Spendung der Sakramente vor allem durch die Auflegung der Hände leibhaftig erfahrbar und vermittelt, und das beginnt schon bei der Taufe. So kann Paulus seinen Schüler Timotheus an die Auflegung seiner Hände erinnern und an das Geschenk der liebenden und stärkenden Zusage Gottes, wie wir es in der Zweiten Lesung hören. Da spricht Paulus vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Durch ihn werden Glaube und Vertrauen gestärkt. So können wir uns immer auf Gott verlassen.

Und schließlich zählt auch die Erfahrung, die Adolph Kolping machen durfte und niedergeschrieben hat: „Gemeinsame tätige Liebe verrichtet Wunder.“

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Bild: 41330/Pixabay