Bundesebene Geistlicher Impuls

Das Reich Gottes ist schon mitten unter uns angebrochen.

Geistlicher Impuls zum 33. Sonntag im Jahreskreis von Kolping-Bundespräses Hans-Joachim Wahl

Dass Sonne, Mond nicht mehr leuchten, die Sterne vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden, ist der GAU der Schöpfung: die gewohnte und vertraute Ordnung, die Orientierung gibt und sichere Bewegung möglich macht, bricht zusammen. Jesus lässt keinen Zweifel daran, dass es so kommen wird. Da verblassen alle Vorstellungen. Das beendet auch alle Visionen.

Dagegen stellt Jesus eine neue, gewaltige Vision: Gott setzt einen neuen Anfang; eine von den Engeln geleitete Sammlung bringt Menschen neu zusammen.

Mit drastischen Bildern beschreibt das Evangelium zwar das Ende alles bisher Dagewesenen. Aber da, wo das Vorstellbare ans Ende gelangt, tritt das Unvorstellbare ein. Hier geht es nicht um Gericht und schon gar nicht um Vernichtung. Nicht Angst, sondern Hoffnung soll geweckt werden. Nicht um den Tod geht es, sondern um das Leben.

Die frühen Christen rechneten mit der baldigen Wiederkunft Jesu, so wie sie das Evangelium beschreibt: auf den Wolken des Himmels kommt der Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit. Sie, die sich eng mit dem Herrn verbunden wussten, waren überzeugt davon, dass ihre Gemeinschaft mit Christus über das Ende der Geschichte hinausgeht und so sein wird, wie damals, als Jesus mit seinen Jüngern zusammen war. Entscheidend ist dabei nicht, dass Himmel und Erde vergehen, sondern dass Jesu Verheißung bleibt bis hin zur Vollendung der Gemeinschaft mit ihm, dem Menschensohn.

Visionen sind wichtig, weil diese Welt und wir Menschen in ihr immer wieder an Grenzen stoßen, die wir nicht überwinden können. Nicht zuletzt unser eigenes Leben ist, wie alles Leben, vom Ende gezeichnet und vom Tod bedroht.

Wenn wir einfach so weitermachen wie bisher, sind die Aussichten alles andere als rosig. Das gilt für den Umgang mit dem Klimawandel genauso wie in manchen Bereichen der Kirche. Macht das irgendwem Angst? Regt es zu Umdenken und Umkehr an? Die Entschiedenheit, die von Wissenschaftlern eingefordert wird, setzt sich in der Politik nur sehr schwer durch. Den Reformen, die in der Kirche eingefordert werden, geht es auch nicht besser. Es scheint, als seien alle in bleiernen Schuhen unterwegs. Da ist nicht mehr viel zu machen. So scheint es.

Jesus gibt den Menschen einen wunderbaren Schlüssel in die Hand: er macht Mut, mit der Vision unterwegs zu sein, dass das Ende in der Sicht des Evangeliums nicht mit Angst und Schrecken und Untergang daherkommt. Das Reich Gottes ist schon mitten unter uns angebrochen. Umdenken und Umkehr sind deshalb angesagt. Nur Gott weiß, wann das Ende eintritt. Dann wird das, was jetzt ist, vergehen. Das Neue wird sich durchsetzen. Es ist schon im Werden. Jesus weist seine Zuhörer auf die guten Anfänge hin, die sie schon sehen können: Wenn der Feigenbaum aus dem Winterschlaf erwacht und die Blätter grün werden, wissen die Menschen, dass der Sommer kommt. Sicher. Da kann es jetzt noch dunkel und kalt sein, aber der Sommer kommt.

Wenn Gemeinschaft gelingt, wenn Not überwunden wird, wenn Solidarität kein Fremdwort bleibt, wenn Menschen respektvoll und achtsam miteinander und mit der Schöpfung Gottes umgehen, wird die neue Wirklichkeit jenseits des Vorstellbaren, von der das Evangelium spricht, spürbar.  Wer das erfährt und mit anderen teilt, verliert die Angst vor Stillstand, Rückschritt oder Zerstörung und macht Hoffnung.  

Oder, um es mit Adolph Kolpings Worten zu sagen:

„Was in der Zukunft kommt, weiß bloß unser Herrgott und soll uns deshalb gar nicht allzu sehr erschrecken. Sorgen wir nur, dass wir selbst keine Schuld an dem Unglück in der Zukunft haben. Sehen wir nur scharf auf die Gegenwart, damit wir uns diese christlich zu Herzen nehmen und darin tun, was recht ist.“

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Foto: pixabay