Bundesebene News Geistlicher Impuls

Das letzte Wort hat nicht der Tod, sondern das Leben

Geistlicher Video-Impuls des Kolping-Bundespräses Hans-Joachim Wahl zu Ostern.

 

Liebe Kolpinggeschwister, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

So echter, unbefangener Osterjubel wird sich in diesen Tagen nur schwer einstellen wollen. Das Wetter könnte noch so schön sein, die Natur noch so kräftig vom Sieg des Lebens erzählen – die Bilder aus dem Krieg in der Ukraine machen es zunichte, weil sie mehr vom Tod als vom Leben sprechen.

Auf der Suche nach einem österlichen Bild, das von Tod UND Auferstehung, von Niederlage UND Sieg spricht, bin ich in der Kapelle des Kolpinghauses International auf diese Darstellung gestoßen, auf die der Blick fällt, sobald jemand die Kapelle betritt: eine Szene, die die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch des Neuen Testamentes, so beschreibt:

„Ich, Johannes, sah auf der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, eine Buchrolle; sie war innen und auf der Rückseite beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt. Und ich sah: Ein gewaltiger Engel rief mit lauter Stimme: Wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen und ihre Siegel zu lösen? Aber niemand im Himmel, auf der Erde und unter der Erde konnte das Buch öffnen und hineinsehen.

Da weinte ich sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und hineinzusehen. Da sagte einer von den Ältesten zu mir: Weine nicht!

Siehe, gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids; er kann das Buch und seine sieben Siegel öffnen.

Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet... Danach sah ich und siehe, eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, gekleidet in weiße Gewänder, sie trugen Palmzweige in den Händen.

Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. Und einer der Ältesten nahm das Wort und sagte zu mir: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das weißt du. Und er sagte zu mir: Dies sind jene, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.“

Mit diesem Bild der Hoffnung stärkt der Evangelist Johannes die frühen christlichen Gemeinden seiner Zeit, die Bedrohung und Verfolgung, Widerspruch, Ungerechtigkeit und Gewalt ertragen – wegen ihres Glaubens. In seinem Evangelium lässt er Johannes den Täufer auf Jesus zeigen, der seinen öffentlichen Weg beginnt und sagen: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Dieser Weg vollendet sich in der Hingabe seines Lebens an die Menschen und schließlich am Kreuz.

Das sehen wir auf der Vorderseite dieses Kreuzes: Jesus, den Gekreuzigten, der sein Leben an die Menschen verschenkt hat und es jetzt Gott zurückgibt. Und auf der Rückseite finden wir das Lamm Gottes dargestellt, das geschlachtet wurde. Dieses Lamm trägt die Fahne des Sieges, und unter ihm liegt das Buch mit den sieben Siegeln – mitten im Feuer. Die Botschaft ist deutlich: Jesus ist dieses Lamm Gottes, er ist DAS Opfer für die Sünden der Welt. Er öffnet die sieben Siegel der Geheimnisse Gottes. Sein Weg führt durch Bedrängnis und Tod, wie wir es kaum nicht schlimmer ausmalen können. Er steht auf der Seite der Menschen, deren Kleider von Blut getränkt sind, die von Willkür der Stärkeren erniedrigt, gepeinigt und ermordet werden.

Er sagt uns: hier siehst du den Weg zum Leben: sein Geheimnis liegt in der Hingabe - darin, dass du für andere da bist. So wird am Ende auch der Tod besiegt. In der Hingabe Jesu am Kreuz schließt Gott den neuen Bund mit den Menschen. Und die Gestalt dieser Hingabe empfangen wir im Brot, das gebrochen wird wie Christus, der am Kreuz zerbrochen wurde.

Wir geben sie weiter in Taten und Aktionen, die davon zeugen, dass die Liebe stärker ist als Tod und Vernichtung. Das Lamm Gottes, das wir sehen und empfangen, ist das Brot der Auferstehung, der Leib des Herrn. So nehmen wir den Sieg seiner Liebe mit hinein in alle Unvollkommenheit und Unerlöstheit unserer Tage.

So gibt sich Christus heute hin, damit wir aus seiner Liebe leben können. Ja - Das letzte Wort hat nicht der Tod, sondern das Leben. Davon erzählt dieses Kreuz mit einem Bild, das uns auf den ersten Blick fremd sein mag. Ostern feiern heißt auch: die Hoffnung auf Rettung und Leben wachhalten und sie weitersagen mit unserem Leben. Ostern feiern, heißt, einstimmen in den alten Hymnus:

Zum Mahl des Lammes schreiten wir

mit weißen Kleidern angetan.

Christus, dem Sieger, singen wir,

der uns durchs Rote Meer geführt.

Christus ist unser Osterlamm,

das uns zum Heil geschlachtet ward.

Er reicht uns seinen heilgen Leib

als Brot, das uns sein Leben schenkt.

Ihnen und Euch und allen wünsche ich ein gesegnetes, frohes und zuversichtliches Osterfest!

 

Treu Kolping

 

-------------------------------------------

Weitere geistliche Impulse zum Nachlesen und Stöbern gibt es hier.


Foto: Marian Hamacher