Bundesebene Geistlicher Impuls

Das genau heißt glauben.

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag.

Es ist eine menschliche Eigenschaft, die wenig geachtet und gefragt ist: Unmündigkeit oder Einfalt.

In unserer Zeit ist das Streben der Menschen auf Emanzipation, Mündigkeit und Unabhängigkeit ausgerichtet. Unmündigkeit hat den Beigeschmack der Minderung der Würde des Menschen. Somit hat es für uns etwas Befremdliches, wenn Jesus die Unmündigen als die wahrhaft Verständigen preist, wenn es um die Offenbarung Gottes geht, und über die Weisen und Klugen sagt, dass ihnen der Sinn verborgen bleibt. Schauen wir genau hin.

Weise und Kluge machen oft Vorbehalte, ziehen eine Grenze: bis hierhin und nicht weiter. Sie glauben, Gott so gut zu kennen, dass sie gegenüber einer weitergehenden, tieferen Offenbarung, wie Jesus sie vermittelt, eine Zensur geltend machen. Sie haben ihr religiöses Maß und maßregeln damit die Worte und Taten Jesu; sie fallen Gott ins Wort und lassen ihn nicht ausreden.

Anders die Unmündigen. Sie sind unbegrenzt offen für das Wort, das ihnen Jesus von Gott verkündet. Sie nehmen alles an, auch das, was sie (noch) nicht verstehen. Sie stimmen Gott zu, auch über ihr eigenes Wissen und Verstehen hinaus.

Das genau heißt glauben: Gott in allem vertrauen und zustimmen. Die unmündig Glaubenden lassen Gott größer sein als ihre Gedanken über ihn. Sie lassen sich darum durch Ungewohntes, Neues, Überraschendes und sogar Befremdliches, das ihnen von Jesus zugemutet wird, nicht beirren.

Wir sollten aber nicht meinen, die Aufteilung in „Weise und Kluge“, die sich mit ihrer Rechthaberei vor Gott verschließen, und „Unmündige“, die unbegrenzt offen sind, sei so einfach und ein für alle Mal klar und deutlich.

Wir sollen gewarnt sein, dass wir nicht zu selbstsicher glauben, zu den Unmündigen, also den wahrhaft Gläubigen zu gehören. In guten Tagen fällt es uns leicht, an Gottes Güte und Vorsehung zu glauben. Wenn dann aber Dunkelheit in unser Leben einbricht, wenn uns unverständliches Leid überfällt, Unrecht geschieht, unsere Pläne durchkreuzt werden, dann beginnen wir, mit Gott zu hadern, werden bitter über ihn, stellen seine Güte in Frage, zweifeln an ihm. Stellen wir da nicht auch „Menschengedanken“ gegen „Gottesgedanken“? Und wenn wir dann den ganzen Zustand der Welt betrachten, dieses Meer von Leid, Ungerechtigkeit, Unglück, Friedlosigkeit: Kommt uns dann nicht die Versuchung an, den Glauben an einen gerechten, weisen und gütigen Gott in Frage zu stellen?

Auch unser Glaube bleibt immer gefährdet, zurückzufallen auf ein kleines menschliches Maß, zum Kleinglauben und schließlich zum Unglauben zu werden. Ein Glaube, der uns leben lässt, der Zukunft verheißt, der ermutigt und bestärkt, das ist der Glaube, der Gott vertraut – auch und gerade dann, wenn Weisheit und Klugheit am Ende sind.


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Bild: Zac Durant on unsplash.com