Geistlicher Impuls Bundesebene

Da ist er mitten unter ihnen

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Der Osterglaube der Jünger beginnt. Der ihnen begegnete, nachdem er drei Tage vorher ins Grab gelegt worden war – unzweifelhaft war er derselbe, mit dem sie durch Galiläa gewandert waren, mit dem sie gegessen und getrunken hatten. Dieser Glaube veränderte ihr weiteres Leben. Jeder der Jünger hat den Auferstandenen auf seine ganz persönliche Weise erfahren. Die Evangelien berichten, wie die Emmaus-Jünger, wie Thomas, aus ihrer österlichen Begegnung als verwandelte Menschen hervorgingen. Im Evangelium des heutigen Sonntags können wir miterleben, wie der Auferstandene dem Petrus am See begegnet. Für beide verbinden sich mit diesem Ort entscheidende Erinnerungen.

Mit einem Fischzug hatte sein Leben mit Jesus begonnen (vgl. Lk 5, 1 ff). Wiederum geht Petrus fischen, zusammen mit sechs Jüngern, unter ihnen – wie damals – die Zebedäus-Söhne Johannes und Jakobus. Immer war Petrus der Erste gewesen: schon unter den Fischern am See; Jesus hatte ihn als ersten gerufen und später zum Ersten unter den Aposteln bestimmt. Damals hatte Simon, der Selbstbewusste, in Jesus seinen Meister gefunden. Petrus, sein neuer Name, war Aufgabe und Auszeichnung zugleich: der Fels!

Aber er hatte versagt. Er muss zurückblicken auf vorschnelle Reden und auf so manche unbedachte Tat. Vor allem aber drückt ihn jene Stunde, da er sich aus Angst von dem lossagte, zu dem er einst gesagt hatte: „Du bist der Messias.“ (Mk 8, 29; 14, 66). Das war der Tiefpunkt in seinem Leben. Von seiner einstigen Größe ist nichts übriggeblieben. Gefasst hört er jetzt den Meister: "Liebst du mich mehr als diese?" (Joh 21, 15)

Mit dieser Frage hat Petrus nicht gerechnet. Die Anspielung auf seinen Vorrang ist nicht zu überhören. Aber das tritt zurück hinter dem eigentlichen Inhalt der Frage. Wiederum soll er bekennen – wie bei Caesarea Philippi (vgl. Mk 8, 29). Er soll bekennen – aber nicht, dass er versagt hat; dass er unwürdig ist, Jünger, Apostel, Petrus zu sein. Zwischen dem ersten Fischfang und dieser Stunde ist etwas geschehen, das alle Lähmung des Denkens und Handelns gelöst hat.

Eigentlich müsste Jesus im Grabe liegen – als Opfer eines Apostelverrats und einer Kungelei zwischen Herodes und Pilatus. Doch Jesus lebt! Gott hat seine Macht an ihm so deutlich gezeigt wie nie zuvor; keines der früheren Machtzeichen reicht an das Osterereignis heran. Nicht einmal die Gegner Jesu werden es bezweifeln. Ein Gefühl der Ohnmacht überkommt Petrus. Ist er überhaupt notwendig? Wird Jesus ihn jetzt mit einer freundlich-verzeihenden Geste zu seinen Netzen zurückschicken? Er kann doch alles allein, ohne Apostel und gegen allen irdischen Widerstand durchsetzen!?  

Nach dem ersten Fischfang war dem Petrus und seinen Freunden ihre Rolle noch unklar. Rief sie der Rabbi aus Nazaret als Schüler, oder wollte der Messias ihnen einen Platz an seiner Seite zuweisen? Jesus fragt: „Liebst du mich?" Er will nicht einsame Gottesmacht über Welt und Menschen demonstrieren. Vielmehr weist seine Frage auf all das, womit Jesus die Liebe Gottes in dieser Welt erfahrbar gemacht hatte: Wo er erscheint, müssen die Menschen nicht mehr hungern; Krankheit, Leid und Tod als Zeichen des Unheils, der Gottesferne müssen vor ihm weichen; Schuld wird den Menschen abgenommen; die liebende Einheit zwischen dem Vater im Himmel und seinem Sohn wird Maß und Gebot für seine Kirche; in allem, was schon immer Einheit unter den Menschen dargestellt und bewirkt hat: Ehe, Versöhnung, Mahl – soll fortan Gottes Liebe besonders erfahrbar und wirksam werden. Der Fischer wird erst jetzt wahrhaft Petrus, Fundament der Kirche. Er weiß, gerade nach allem Versagen, dass einzig Gottes Liebe Vergebung, Einheit und Frieden schenkt. Sie kann und wird alle Menschen verwandeln, die auf Gottes Liebe mit Liebe zu antworten versuchen. Er hat Petrus nichts vorgehalten, sondern mit der Frage nach der Liebe sein wahres Wesen freigelegt. Die Begegnung mit dem Auferstandenen hat in Petrus den Glauben gefestigt, dass keine Macht der Welt Gott daran hindern kann, sein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens zu vollenden. Kein Kleinmut soll uns lähmen: Ostern ist Gegenwart und Zukunft!  

Wir sollen wissen: Wo Menschen sich im Geist Jesu treffen, zusammenleben, arbeiten, feiern, weinen, lachen und beten – da ist er mitten unter ihnen.


Bild: Image by falco from pixabay.com


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