Bundesebene Geistlicher Impuls

Da fällt der Stein ins Wasser und zieht Kreise

Geistlicher Impuls zu Christi Himmelfahrt von Kolping-Bundespräses Hans-Joachim Wahl

Vierzig Tage nach Ostern feiern wir die Himmelfahrt Christi. Von Gott ist er ausgegangen und zu Gott kehrt er zurück – der Kreis des Lebens Jesu schließt sich.

Seit ich im Dienst der Verkündigung stehe, begleitet mich ein Bild an Christi Himmelfahrt, das vielleicht eher schlicht daherkommt.

Mein Bild des Tages ist der Stein, der ins Wasser fällt und Kreise entstehen lässt. Zunächst einmal ändert das Bild die Richtung: oben und unten wird vertauscht, die Botschaft bleibt. Und genau genommen: wer sagt uns, dass der Himmel „oben“ ist? Klar, der Himmel ist immer über uns. Aber:  ist er nicht vielmehr auch in der Tiefe zu finden:  in der Tiefe liebender Begegnungen, in der Tiefe des Geborgenseins in einer Gemeinschaft, die trägt und zusammenhält, in der Tiefe der Geborgenheit bei Gott?

Viel besungen in dem Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“, das sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, wird deutlich, worum es bei der Himmelfahrt Jesu geht:

Jesus wurde „vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken“ (Apg 1,9). Es schließt sich ein Kreis, aber dieser Kreis geht in eine Bewegung über, die weitere Kreise zieht. Das ist ein schönes Bild für das Wirken der Liebe Gottes in dieser Welt.

Die Jünger sehen den Auferstandenen nicht mehr. Was sie mit ihm erlebt haben, bleibt. Das tragen sie weiter.

„Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird;
und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1,8)

Zeuge und Zeugin sein, dazu ermutigt uns das Fest Christi Himmelfahrt. Sich einschwingen auf die Bewegung, die von dem Stein ausgeht, der ins Wasser fällt, heißt: mitmachen, nicht stillstehen, sondern sich einklinken, einreihen in die Reihe der Menschen, die ihre ganz konkreten und ganz persönlichen Erfahrungen mit Jesus von Nazaret gemacht haben und in seiner Nachfolge leben.

Das Bild vom Stein, der ins Wasser fällt und neue Bewegung auslöst, muss niemanden „herunterziehen“, denn es gibt noch einen Gedanken, der nur am Fest Christi Himmelfahrt in dieser Deutlichkeit im Tagesgebet  ausgesprochen wird:

„Allmächtiger, ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit, denn in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht. …“

Der Mensch ist also für den Himmel erschaffen und wird von Gott erhöht. Darum geht es, wenn der Stein ins Wasser fällt: dass wir aus der Gewissheit leben, dass wir Menschen nicht unten gezogen (oder gedrückt) werden und nicht unten bleiben, sondern von Gott gleichsam auf Augenhöhe gehoben wurden. Das hat Konsequenzen.  Adolph Kolping hat es für seine Zeit einmal so beschrieben; beinahe prophetisch klingen seine Worte 160 Jahre später:

„Jetzt gilt's, Christentum haben und beweisen, dass man es hat; jetzt gilt's, fest und wahrhaftig an unseren Herrgott im Himmel glauben und ein Herz bewahren für den Mitmenschen; jetzt gilt's, zur Katholischen Kirche halten, um die seit mehr denn 1800 Jahren schon mancher Sturm gebraust, sie doch nicht umgeworfen; jetzt gilt's, für Wahrheit und Gerechtigkeit einstehen und die Treue beweisen, dieses alte, herrliche Kleinod aller tüchtigen Menschen.“

An den Herrn im Himmel glauben und ein Herz für den Mitmenschen bewahren, darauf kommt es an. So endet heute das Gebet der Kirche:

„Schenke uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind,
in die Christus uns vorausgegangen ist…“

Diese Herrlichkeit leuchtet auf, wenn Menschen Ja zueinander sagen und einander auf Augenhöhe begegnen, weil auch Gott uns auf Augenhöhe begegnen will – da senkt sich der Himmel auf uns herab, da fällt der Stein ins Wasser und zieht Kreise.

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Foto: Gerd Altmann auf pixabay.com