Bundesebene Geistlicher Impuls

Da berühren sich Himmel und Erde, und Jesu frohe Botschaft wird ansteckend sein.

Geistlicher Impuls zum Sonntag von Rosalia Walter, der geistlichen Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland.

Gedanken zum Evangelium des 14. Sonntag im Jahreskreis (Lk 10,1-9)

Jesus sucht Zweiundsiebzig aus, um sie auszusenden. Die Zahl 72 bedeutet (nach Genesis 10) die Gesamtheit der Weltvölker und verweist damit auf die Heidenmission, im Gegensatz zur Aussendung der Zwölf, die für das Volk Israel bestellt wurden. Diese Zwölf sind nicht genug. Es braucht mehr als dieses Dutzend, um die Welt mit Jesu froher Botschaft anzustecken. In die ganze Welt soll Jesu Nachricht der Liebe Gottes verkündet werden.

In der Aussendungsrede gibt Jesus den Jüngern konkrete Anweisungen mit auf den Weg.
Die Missionsarbeit ist kein Zuckerschlecken. Die Gesandten sollen ohne Vorräte, ohne Vorsichtsmaßnahmen, aber auch ohne falsche Vorstellungen gehen. Die Mission ist gefährlich. Sie gehen wie Schafe unter Wölfe und sind doch nicht schutzlos: Sie gehen „im Namen Jesu“.

Viele sind gesandt – als Getaufte heißt das für uns: Wir alle sind gesandt! Jesus braucht uns! Die Ernte ist groß!

Lassen wir uns auf die Anweisungen ein und lesen sie als Anleitung für ein gelingendes Christsein heute, im Auftrag und in der Sendung Jesu?

Auf Vorräte, Sicherheitsmaßnahmen und Planungen kann nur mit Vertrauen auf Jesus verzichtet werden. In der Theorie wissen wir, dass es gut ist, mit möglichst leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Das gilt auch für unser Leben. Vieles sammelt sich im Laufe unseres Lebens an, Materielles und Gedankliches, was nicht unbedingt hilfreich ist für die Situationen, die wir erleben.

Die Zweiundsiebzig handeln nicht aufdringlich. Sie erzwingen nicht die Aufnahme in einer Stadt. Sie bieten Frieden und Begegnung an. Am Friedensgruß werden die Gesandten als Boten des Reiches Gottes erkannt, und erkennen selbst, bei wem sie Aufnahme finden. Denn nur bei denen, die selbst friedliebend sind, bleibt der Friede auch. Nicht einmal die von Jesus ausgesandten Menschen können also jemandem Frieden bringen, der dazu nicht bereit ist. Ähnlich ist es mit der Begegnung: Dort, wo Begegnung gewollt wird, findet ein heilsamer Austausch statt: Die Kranken werden geheilt, die Botschaft vom Reich Gottes übermittelt.

Martin Buber sagt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Wenn wir aufhören, uns zu begegnen, ist es, als hörten wir auf zu atmen.“ Genau dies ist auch für unser Leben entscheidend. Frieden und Begegnung ermöglichen Heilung. Dort wo dies geschieht und erlebt wird, spüren wir: Das Reich Gottes ist nahe! Dort wird auch sichtbar: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“ Dort kann man bleiben, beständig und treu, ohne ständig wechselnde Freundschaften. Dort werden die Gesandten mit Essen und Trinken versorgt. Dies kann nicht geschehen, wenn die Begegnung verweigert wird, denn dort behält jeder, was er hatte: Die Krankheit bleibt beim Kranken, die Botschaft bei seinem Verkünder, Speise und Trank bei den Hausbewohnern. Jesus bietet die Begegnung an, doch der Mensch kann sich weigern, sie anzunehmen – aus Angst, Desinteresse oder Misstrauen.

Als Getaufte sind wir von Christus gesandt, die frohe Botschaft zu verkünden. Wir tun dies nicht nur mit Worten, sondern durch unser ganzes Leben. Die konkreten Anweisungen, die Jesus seinen Jüngern bei der Aussendung gibt, ermutigen uns, in seinem Namen durchs Leben zu gehen. Im Vertrauen auf ihn sind wir nicht schutzlos, brauchen nicht auf Sicherheiten und Vorräte bauen, sondern können den Menschen Frieden und Begegnung anbieten. Als Jünger Jesu können wir wertschätzend, versöhnend, heilend und ermutigend bei den Menschen sein. Wenn wir so miteinander leben, werden wir zu Boten der Botschaft: Das Reich Gottes ist nahe! Da berühren sich Himmel und Erde, und Jesu frohe Botschaft wird ansteckend sein.

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Foto: Louis Maniquet auf unsplash.com