Bundesebene Geistlicher Impuls

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Im heutigen Sonntagsevangelium spricht Jesus zu seinen Jüngern wieder in einem Gleichnis. Er erzählt von einem Richter und einer Witwe.

 

Geistlicher Impuls von Rosalia Walter, Geistliche Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland

 

Zur Zeit Jesu hatten die Menschen gewiss Erfahrung mit Willkür und auch mit der Situation der armen Witwe. Das Betteln um Recht war ihnen nicht fremd.

Wir, die wir in einer Demokratie leben, verbinden mit einem Richter natürlich Recht und Gesetz. Staatlich sind wir sozial abgesichert, sodass Witwe sein nicht automatisch mit Armut verbunden wird. Trotzdem kennen auch wir das Ringen und den Kampf um Recht und Gerechtigkeit in verschiedenen Situationen. Ich denke zum Beispiel an unsere Asylsuchenden, oder an die Bewilligung von medizinischen Leistungen, sei es ein Rollstuhl oder eine dringende Heilbehandlung.

Jesus erzählt von einem Richter, der nicht das Recht sucht, sondern seinen Vorteil, der auf seinen Ruf achtet und für eine willkürliche Rechtsordnung steht. Dieser bekommt es mit einer Witwe zu tun, die nicht nachlässt ihr Recht einzufordern. Man kann sie vielleicht sogar Nervensäge nennen. Doch sie steht hier als Mensch mit wenig Recht, die angewiesen ist auf andere, die ihr Recht verschaffen. Sie lässt sich nicht unterkriegen. Irgendwie eigenartig, dass der Richter sogar befürchtet, dass diese Frau ihn schlagen könnte. Er spürt wohl, dass diese Frau sich nicht abschütteln lässt. Es ist die Sorge vor einer öffentlichen Demütigung durch die Witwe, die den Richter umstimmt, also eine strategische Entscheidung. Es geht dem Richter nicht um das Recht der Witwe, sondern um ihn selbst.

Dieser Richter ist das absolute Gegenbild zu Gott. Jesus stellt die rhetorische Frage: Wenn selbst ein Richter, der weder die Gesetze Gottes noch die der Menschen achtet, durch das unablässige Bitten einer Witwe zum Handeln veranlasst wird, wird dann nicht erst recht Gott als der liebende Vater handeln und denen helfen, die ihn von ganzem Herzen anrufen?

Damit richtet sich der Blick auf das menschliche Verhältnis zu Gott. Jesus ermutigt die Menschen, Gott zu bitten, denn Gott erhört ihre Bitten. Diese Worte ermutigen zum Glauben, zum Gottvertrauen und zum Beten, auch oder gerade dann, wenn das Erhoffte nicht sofort eintritt. Gott wird Recht sprechen! Diese Sehnsucht nach Recht durchzieht die ganze Bibel. Und diese Sehnsucht kennen nicht nur die Hörenden damals, die kennen wir auch.

Das Lukasevangelium ermutigt uns, nicht aufzuhören, zu Gott zu schreien, zu beten. Gebete werden nicht immer umgehend erhört. Doch Lukas sagt: es hilft nur weiter beten. Gott vertrauen. Den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen, denn nur so kann ich mein Leben ins Gespräch mit Gott bringen. Gebet und Gottvertrauen verändern unsere Haltung im Leben, sie beeinflussen unser Reden, Denken und Tun.

Auf die Frage Jesu, ob der Menschensohn gläubige Menschen finden wird, könnte die Antwort lauten: Er wird Glauben finden, wenn und weil wir beharrlich beten.

 

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