Bundesebene Geistlicher Impuls

Aus dem Tod entsteht das Leben

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Aschermittwoch

Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die österliche Bußzeit, die 40-tägige Vorbereitungszeit auf Ostern. Eine Zeit, den eigenen Lebensstil zu bedenken. Eine Zeit, das eigene Leben neu auf Gott hin auszurichten. Wie werden wir diese Zeit nutzen? Was werden wir in dieser Zeit tun? Der Aschermittwoch lädt uns ein, darüber nachzudenken und Entscheidungen zu treffen.

Am Ende der österlichen Bußzeit steht das Osterfest. Das wichtigste Fest unseres Glaubens: Wir feiern das Leben, das stärker ist als der Tod. Christus besiegt den Tod. Wir bekennen seine Auferstehung.

Der Aschermittwoch schenkt uns die Perspektive, unser Leben von Ostern her zu deuten. Also zu glauben und zu bekennen, dass Christus lebt und dass er auch mein Leben begleitet. Dass Er mit mir auf dem Weg ist. Solcher Glaube trägt und ermutigt.

Die Asche, die nach dem Verbrennen der Palmzweige vom Palmsonntag des vergangenen Jahres übrigbleibt, bekommt heute eine besondere Bedeutung. Das Grün der Palmzweige wies hin auf Hoffnung und Leben. Zeichen für Christus. Ihre Asche ist Zeichen für die Vergänglichkeit, für den Tod. Mit der Asche der Palmzweige gehen wir heute in die Fastenzeit hinein. Aus dem Tod entsteht das Leben. Das Leben ist stärker als der Tod.

Wegen der Corona-Pandemie wird in diesem Jahr die Asche nicht als Kreuz auf die Stirn gezeichnet, sondern auf das Haupt gestreut. Dies knüpft an eine Tradition der alten Kirche an: Damals bekleideten sich die Büßenden zu Beginn der Fastenzeit mit einem Bußgewand und wurden mit Asche bestreut. Die Tradition der Aschebestreuung ist dann auf die ganze Gemeinde übergegangen.

Asche auf das Haupt streuen als Zeichen der Umkehr, das bedeutet: Es gibt ein Ende, eine Grenze, an der es nicht weitergeht. Es muss anders werden, wenn es neu werden soll, und es kann Neues entstehen! Asche auf das Haupt streuen als Zeichen der Versöhnung, das bedeutet: Hier ist etwas zerstört, man kann nicht weiterleben, als wäre nichts geschehen. Es bedarf einer Veränderung, die auch möglich ist. Die Asche macht darauf aufmerksam, dass auch aus tot Geglaubtem neues Leben wachsen kann. Sie wird zum Zeichen der Grenze und der Grenzüberschreitung: Tod und Leben. Die Symbolik der Asche ist verwandt mit der Botschaft des Kreuzes: Bedrohtheit und Brüchigkeit des Lebens in Leiden und Tod wird durch Ostern zum Hoffnungszeichen, zum Lebenszeichen.

Gerade die Brüche und Umwege, die Grenzen und Abschiede, die zu unseren Lebensgeschichten gehören, ziehen Linien, Ecken und Kanten, Furchen und Falten, die menschliche Gesichter prägen und unverwechselbar machen. Es steht in jedem Gesicht – in Ihrem, Eurem und meinem – auf je eigene Weise geschrieben, dass das Leben aus Brüchen und Neuanfängen besteht. Es steht gerade in diesen Zeiten der Corona-Pandemie in jedem Gesicht die Sorge und auch die Not. Die Asche macht uns heute aufmerksam, dass wir dieser Tatsache ins Gesicht sehen müssen, es aber auch können! Mit dem Weg auf Ostern hin steht uns zugleich aber die Hoffnung auf Heil, auf Zukunft, auf Leben, auf Mut und Hoffnung in die Gesichter geschrieben.

Gehen wir mit Vertrauen in die österliche Bußzeit hinein. Vor uns liegt ein Weg des Suchens, des Glaubens und des Hoffens. Ein Weg, der ein Ziel hat: Ostern! Zuversicht und Freude, Auferstehung und Leben.

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Bild: debowscyfoto/Pixabay