Geistlicher Impuls

Auch heute mitten unter uns

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Allerheiligen

An Allerheiligen feiern wir die Gemeinschaft der Heiligen. Wir denken an die vielen heiligen Männer und Frauen, die uns ihren Glauben bezeugt haben, und wir beten zu ihnen und rufen sie um ihre Fürsprache an. Heilige können Vorbilder für uns sein. Aber nicht so, dass ihr Tun und ihr Leben für uns unerreichbar bleiben, sondern so, dass wir etwas von ihrem Leben für unser Leben umsetzen können.

Am Tag nach Allerheiligen feiern wir Allerseelen, das besondere Gedenken für unsere Verstorbenen. Sie sind uns im Tod vorausgegangen und sie sind uns so nahe, weil sie Christus nahe sind. Allerheiligen und Allerseelen, diese beiden Feste liegen nicht deshalb so dicht zusammen, weil es keinen anderen Platz im Kalender gegeben hätte, sondern deshalb, weil sie etwas miteinander zu tun haben, ja, weil sie zusammengehören.
Seit den ersten Zeiten der Kirche beten die Christen für ihre Toten – so wie wir das heute auch noch tun. Die Christen beten aber auch zu den Heiligen, sie bitten um ihre Fürsprache und Hilfe.

In der Eucharistiefeier sind die Heiligen gegenwärtig, und in dieser Gemeinschaft, die durch Christus entsteht, sind uns auch unsere Toten nahe. Wer stirbt darf glauben, dass ihm mit der Auferstehung die Herrlichkeit Christi erwartet. Der Tote ist eben nicht einsam und allein. Er ist mit uns verbunden in der Gemeinschaft der Heiligen.

An Allerheiligen wird uns aber auch deutlich, dass wir selbst zur Heiligkeit aufgerufen sind. ‚Heilig zu sein‘ gilt uns allen, nicht nur herausragenden Männern und Frauen!

Gott will, dass alle Menschen heilig werden, denn alle sind berufen, seine Kinder zu sein. ‚Heilig zu sein‘ heißt dann, zu Gott zu gehören, auf ihn hin zu leben und auch für ihn zu leben.

Stellen wir uns doch einmal die Frage: „Wie muss ich leben, was muss ich tun, um heilig zu leben?“ Es gibt sicherlich vielfältige Antworten, z. B. in überzeugender Weise die Botschaft des Evangeliums weiterzusagen; anzufangen, das zu leben, was ich von der Bibel, von Gott verstanden habe; da Hoffnung zu geben, wo Menschen verzweifelt sind, ihnen beizustehen und sie zu trösten. Vielleicht kann ich, vielleicht kann mein Haus einmal zum Zufluchtsort für jemanden werden, der in Not ist, für jemanden, der meine Hilfe braucht.

Die Heiligen – sie leben auch heute mitten unter uns. Das sind nicht nur die großen Heiligen. Das sind die, die wirklich angefangen haben, die Jesu Botschaft zu verstehen. Es sind die vielen unbekannten Heiligen, für die wir heute danken, ohne die unsere Welt viel ärmer wäre. Viele von solchen Heiligen liegen auch schon auf unseren Friedhöfen. Wir wissen uns mit unseren Toten verbunden und drücken auch unsere Dankbarkeit ihnen gegenüber aus, wenn wir ihre Gräber pflegen und besuchen, wenn wir sie in unsere Gebete einschließen.

Heiligkeit fängt in dieser Welt an. Sie ist kein Privileg von nur außergewöhnlichen Menschen, denn auch mancher unserer Verstorbenen ist sicher als unbekannter Heiliger ins Grab gegangen. Gott beruft uns als Heilige. Fangen wir damit an, danach zu leben. Ganz konkret.


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Bild: Goran Horvat auf pixabay.com