Erklärungen

Teilhabe und Mitverantwortung – positive Erfahrungen für eine Kirche in der Mitte unserer Gesellschaft

Das Kolpingwerk Deutschland begrüßt die große Reformbereitschaft der Synodalversammlung und unterstützt das Anliegen, die Ergebnisse des Synodalen Weges in die weltkirchliche Diskussion einzubringen. Der Aufbruch in der Kirche muss so gestaltet sein, dass er den Reichtum der Tradition genauso ernst nimmt, wie die Zeichen der Zeit.

Der synodale Geist von Frankfurt weckt Hoffnungen auf Veränderungen und Reformen. Das stellt das Kolpingwerk Deutschland im Blick auf die zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges fest. In seiner Erklärung Teilhabe und Mitverantwortung – positive Erfahrungen für eine Kirche in der Mitte unserer Gesellschaft würdigt der katholische Sozialverband die zutiefst geistliche und respektvolle Grundatmosphäre der zweiten Synodalversammlung. Es sei freimütig diskutiert worden, und die Delegierten hätten eine Kirche erahnen können, die mit den Menschen auf dem Weg sei – partizipativ, transparent, geschlechtergerecht und einladend. „Die katholische Kirche in Deutschland braucht einen Weg der Umkehr und Erneuerung! Dabei muss die gelebte Gottes- und Nächstenliebe im Zentrum stehen, und nicht die unversehrte Bewahrung der Institution Kirche oder die Rettung von Machtstrukturen“, heißt es in der Erklärung, die das Kolpingwerk heute bei seiner Bundesversammlung in Köln verabschiedete.

Notwendige Reformen betreffen allerdings nicht allein die deutsche Kirche. Die Synodalberatungen in Deutschland müssen deshalb auch die weltkirchliche Perspektive im Blick haben. Das Kolpingwerk sieht hier die Chancen, in die Dynamik des weltkirchlichen Geschehens Erfahrungen und Erkenntnisse der katholischen Kirche in Deutschland einzubringen und den Aufbruch in der Kirche so zu gestalten, dass er den Reichtum der Tradition genauso ernst nimmt, wie die Zeichen der Zeit.

Die Reform tradierter Strukturen ruft vor allem bei den verharrenden Kräften große Sorgen hervor. Deshalb ist es nach Auffassung des generationsübergreifenden und weltweit agierenden katholischen Sozialverbandes hilfreich, Beispiele gelebter Praxis in den Blick zu nehmen. Daher will das Kolpingwerk Deutschland Mut machen und bringt seine Praxiserfahrungen in den Synodalen Weg ein.

Partizipation sorgt für Identifikation, Akzeptanz und Vertrauen

So begegnen sich im Kolpingwerk seit Jahrzehnten ehren- und hauptamtliche sowie hauptberufliche Kräfte auf Augenhöhe. In die Leitung der Kolpingsfamilien vor Ort und auf den überörtlichen Ebenen werden unabhängig von Alter und Geschlecht alle Mitgliedergruppen einbezogen. „Das ist eine Stärke unseres Verbandes“, so die Deligierten der Kolping-Bundesversammlung. In den Kolpingsfamilien vor Ort und überörtlich werden demokratische Spielregeln praktiziert. Alle Ämter, gleich ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, werden durch Wahl auf Zeit vergeben und legitimieren dadurch alle, die Mandate übernehmen demokratisch. Wahlperioden und Amtszeitbegrenzung schützen vor zu großer Machtfülle. „Wo wichtige Entscheidungen in großer Wertschätzung für die Argumente des Anderen besprochen, gefällt und schließlich miteinander verantwortet werden, wo Partizipation und Transparenz gelebt werden, dort wachsen Identifikation, Akzeptanz und Vertrauen“, so die Erklärung des Kolpingwerkes. Darüber hinaus unterlägen alle verbandlichen Organe und Gremien der Kontrolle durch Aufsichtsinstanzen. Bei auftretenden Streitfragen entscheidet ein Schiedsgericht.

Gemeinsame Verantwortung für die geistliche Ausrichtung

Im Kolpingwerk stehen Priester, Diakone und Laien gemeinsam in der Verantwortung, auch für die geistliche Ausrichtung des Verbandes. Das prägt die Identität des Verbandes und bereichert das Verbandsleben. Präsides – Priester und Diakone – üben im Verbandsleben mit ihren spirituellen und theologischen Kompetenzen ein geistliches Leitungsamt aus. Sie erfahren in den Kolpingsfamilien Gemeinschaft, werden durch die Begegnungen persönlich bereichert, behalten den Kontakt zu den Alltagsproblemen der Menschen und fühlen sich als Mensch verstanden und angenommen.

Frauen sind tragenden Säulen einer lebendigen kirchlichen Praxis

Das Engagement von Mädchen und Frauen ist im Kolpingwerk unverzichtbar. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass der Verband in die Mitte von Gesellschaft und Kirche wirkt. Inzwischen nehmen Frauen in vielen Kolpingsfamilien vor Ort und überörtlich allein – oder zusammen mit Präsides – Geistliche Leitung wahr. Die Erfahrungen mit den besonderen Charismen der Frauen im Kolpingwerk sind wertvoll, weil sie eine eigene Spiritualität einbringen.

Tradition und Toleranz verbinden

Das Kolpingwerk sieht sich mit einer offenen und die unterschiedlichen Lebensentwürfe unserer Zeit integrierenden Haltung in der Mitte von Gesellschaft und Kirche. Dies bedeutet, die Lebenswirklichkeit der Menschen innerhalb wie außerhalb des Verbandes wahrzunehmen und zu respektieren. Offenheit für die Lebensentwürfe der Menschen von heute muss die Basis für eine menschennahe Seelsorge sein. Deshalb setzt sich das Kolpingwerk für Geschlechtergerechtigkeit in Gesellschaft und Kirche ein – und bringt in Wort und Tat jedem Menschen Wertschätzung entgegen.

„Im Bekenntnis zur Synodalität und zu einem offenen und transparenten Diskurs wird die Zukunft der katholischen Kirche in der Mitte der Gesellschaft liegen, wird sie ihren Auftrag der Evangelisierung – nah und im Dienst an den Menschen und mit offenem Blick auf die Nöte der Zeit – erfüllen können. Die notwendigen Reformen mit der Schaffung belastbarer Strukturen dürfen dabei nicht gegen bloße geistliche Erneuerung ausgespielt werden“, so das Kolpingwer Deutschland in seiner Erklärung zum Synodalen Weg.

 

Die vollständige Erklärung im Wortlaut ist hier online abzurufen.