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Kolpingwerk fordert Bundestag zum Handeln auf

Nach der Bildung einer neuen Bundesregierung sieht das Kolpingwerk Deutschland die Chance für einen Aufbruch. Prinzipien der Katholischen Soziallehre können als Kompass dienen.

„Handeln Sie, jetzt!“ fordert der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland in seiner jüngsten Erklärung die Abgeordneten des 20. Deutschen Bundestages auf. In vielen Politikfeldern dränge angesichts von Globalisierung und demografischem Wandel, Klimawandel und Digitalisierung, Migrationsbewegungen und Corona-Pandemie die Zeit. Nach der Konstituierung des 20. Deutschen Bundestags und der Bildung einer neuen Bundesregierung biete sich jetzt die Chance für einen Aufbruch.

„Die Prinzipien der Katholischen Soziallehre – Personalität, Solidarität und Subsidiarität – sowie die Kriterien Gemeinwohl und Nachhaltigkeit können in den nächsten Jahren als Kompass für notwendige politische Entscheidungen dienen“, heißt es in der Erklärung weiter. Mit Blick auf die Belastung jüngerer und zukünftiger Generationen werde die kommende Legislaturperiode insbesondere von Fragen eines nachhaltigen Klimaschutzes, einer ebenso verlässlichen wie finanzierbaren Alterssicherung, einer weitsichtigen Familienförderung, einer chancen- und zukunftsgerechten Bildungsoffensive sowie einer verantwortungsbewussten Migrations- und Integrationspolitik geprägt sein. Bei diesen Weichenstellungen werde es darum gehen, die politischen Maßnahmen mit einer tragfähigen Haushaltspolitik in Einklang zu bringen.

Technologieoffene Gesamtstrategie für Klimaneutralität vor 2045

Bereits heute spüren viele Menschen weltweit die Folgen der Klimaerwärung. Entsprechend dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz von Ende April erwartet das Kolpingwerk Deutschland, dass die Politik deutlich mehr tun muss, um die Klimaschutzziele einzuhalten und dies nicht zulasten der nächsten Generationen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Dabei solle die Politik eine technologieoffene Gesamtstrategie entwerfen sowie Rahmenbedingungen für einen ambitionierten Klimaschutz schaffen, damit Deutschland schon deutlich vor 2045 Klimaneutralität erreicht. Das Kolpingwerk fordert desweiteren, dass Klimaschutz in allen Ressorts mitgedacht und umgesetzt wird.

Weiterentwicklung des Rentensystems bei Eintrittsalter und Versichertenbasis

Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Rentensystems eine große Herausforderung dar. Angesichts der zunehmenden finanziellen Belastungen für die Beitragszahlenden erwartet das Kolpingwerk, dass das Rentensystem hin zu einer Erwerbstätigenversicherung mit verbreiterter Versichertenbasis weiterentwickelt wird. Zudem spricht sich der katholische Sozialverband für eine schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters nach 2031 sowie eine Weiterentwicklung der kürzlich eingeführten Grundrente für langjährig Versicherte aus.

Gleichwertige Anerkennung von Erwerbs-, Familien- und Ehrenamtsarbeit

Familienpolitik versteht das Kolpingwerk seit Jahren als Querschnittsaufgabe, die keinen anderen Interessen und Politikfeldern untergeordnet werden darf. Dazu gehöre die gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung von Erwerbs-, Familien- und Ehrenamtsarbeit. Außerdem fordert das Kolpingwerk, den gesellschaftlichen Wert von Familien und Ehe sowie deren im Grundgesetz hervorgehobene Bedeutung zu stärken.

Bessere Berufsberatung und stärkere Förderung von Unterstützungsleistungen für Auszubildende

Die Ausbildungssuche war während der Corona-Pandemie nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Dies hatte zur Folge, dass 2020 fast 60.000 weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden. Hinzu kommt, dass häufig weder Betriebe noch Ausbildungssuchende überregional suchen, weil bezahlbarer Wohnraum rar ist. Aus diesem Grund ist es dem Kolpingwerk wichtig, das Jugendwohnen stärker zu fördern und auszuweiten. Auch erwartet das Kolpingwerk eine Verbesserung der Berufsberatung unter anderen an allen weiterführenden Schulen.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt – ein schützenswertes Gut

Viele Menschen fühlen sich von der Politik nicht gehört und wahrgenommen, sondern vielmehr abgehängt. „Ziel muss sein, dass alle Menschen ohne Angst leben können und sich als Teil der Gesellschaft fühlen“, so das Kolpingwerk. Es erwartet, dass die Politik hierfür die notwendigen Voraussetzungen schafft und gesellschaftliche Teilhabe für alle ermöglicht. Dazu müsste auch das bürgerschaftliche und ehrenamtliche Engagement gestärkt und gefördert werden.

Angesichts der menschenunwürdigen Verhältnisse an den Grenzen Europas und auf den gefährlichen Fluchtrouten fordert das Kolpingwerk, dass Fluchtursachen bekämpft werden, dass Menschen, die in Verzweiflung Zuflucht suchen, Hilfe und Unterstützung erhalten und dass endlich eine gemeinsame europäische Lösung gefunden wird. Für Menschen, die in Deutschland aufgenommen werden, brauche es vereinfachte und frühzeitige Integrationsmöglichkeiten, so die Erklärung des Kolpingwerkes Deutschland.

 

 

Foto: Steffen Wahl/Pixabay