Erklärungen

In Verantwortung vor Gott und den Menschen

Das Grundgesetz wird 70 Jahre alt – Geschenk und Auftrag für unser Land.

Das Grundgesetz war die Antwort auf die Schreckensherrschaft und Gräueltaten der menschenverachtenden Diktatur der Nationalsozialisten. Die inhumanen Erfahrungen der Nazizeit waren Spiegel für die Vorstellungen der Väter des Grundgesetzes. Das Grundgesetz war somit die Antwort auf die Willkür und Gewalt, die große Teile der Bevölkerung betrafen. Daher atmet das Grundgesetz den Geist des christlich-jüdischen Erbes sowie des Humanismus und macht die Würde und Unantastbarkeit des Menschen zur unaufhebbaren Legitimation jeglichen staatlichen Handelns.

Das Grundgesetz war die zentrale Grundlage für den Aufbau unserer Demokratie. Der Aufbau des Staates orientiert sich an Prinzipien der katholischen Soziallehre wie Personalität, Subsidiarität und Solidarität. Damit wurde für die friedliche und zivile Entwicklung der deutschen Gesellschaft nach der Zeit des Nationalsozialismus und den Schrecken des Zweiten Weltkrieges möglich.

So wie für viele Menschen in den 1920er Jahren kaum vorstellbar war, dass der Nationalsozialismus mit dem damit einhergehenden rassistischen Gedankengut die Welt in einen vernichtenden Krieg führen würde, so unvorstellbar ist für viele Menschen heute, dass wir in einem andern als einem freiheitlich-demokratischen Staat leben. Die Entstehung des Grundgesetzes mahnt uns, Demokratie und Menschenrechte nicht als selbstverständlich und unwiderruflich gegeben zu betrachten. Unser demokratischer Rechtsstaat ist entstanden als Antwort auf die Diktatur. Daher haben wir heute besonders sensibel zu sein für Entwicklungen und Gruppen, die unsere Demokratie beschädigen und einschränken wollen oder gar einen Systemwechsel anstreben! Wer unsere Demokratie erhalten will, der darf sich nichtgleichgültig gegenüber antidemokratischen Tendenzen verhalten.

Die Qualität einer Demokratie wird beeinflusst vom Denken und Handeln der Bürgerinnen und Bürger: Sie ist nur so lebendig und krisenfest, wie Menschen sich für sie einsetzen. Dieses ist Selbstverständlichkeit! Darauf weist das Kolpingwerk anlässlich des 70. Geburtstages des Grundgesetzes hin.

Das Kolpingwerk als ein zivilgesellschaftlicher und katholisch-sozialer Verband mit mehr als 230 000 ehrenamtlichen Mitgliedern weiß um die Bedeutung aktiven zivilen Engagements für die Qualität einer Demokratie. Der hunderttausendfache Einsatz der Kolpingmitglieder und Menschen in anderen Vereinen und Verbänden für Menschen in schwierigen sozialen Lagen drückt nicht nur deren Einsatz für christliche und humane Gegebenheiten aus. Ziviles Engagement für humane Werte stellt den Treibstoff einer gelebten Demokratie. Nur eine aktive Zivilgesellschaft erschwert das Agieren von Demokratiegefährdern.

Die Präambel des Grundgesetzes betont die Verantwortung vor Gott und den Menschen. Die Würde des Menschen und die Grundrechte gelten für alle Menschen. Demokraten nehmen diesen Auftrag wahr und setzen sich daher aktiv für die Demokratie und eine humane Gesellschaft ein.

Gleichgültigkeit oder politische Apathie fördern die Demokratiemüdigkeit und bietet den Nährboden für diktatorische Einstellungen und Menschenverachtung. Der 70. Geburtstag des Grundgesetzes ist Auftrag und Anspruch zugleich, die freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu verteidigen!

Köln, 23. Februar 2019
Der Bundesvorstand

 

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