Beschwingt bringt Dr. Peter Bromkamp den Teilnehmenden seine Thesen zum Thema Älterwerden näher.

News Familie und Generationen

Engagement für Senioren vor Ort

Engagierte in der Kolping-Seniorenarbeit haben bei einem Treffen in Salzbergen Ansatzpunkte herausgearbeitet, wie sich Kolping in der Kommune für die Belange von Senioren einsetzen kann. Auch in der Seniorenarbeit zeigt sich: Kolping ist Sozialverband vor Ort!

Aus ganz Deutschland waren 36 Kolpingschwestern und Kolpingbrüder angereist, die in ihren Diözesanverbänden und darüber hinaus Verantwortung für die Seniorenarbeit bei Kolping tragen. Thema der Tagung war: „das Älterwerden annehmen“. Anhand des Themas zeigt sich das Profil von Kolping als Sozialverband vor Ort. Seniorenarbeit wird vor Ort geleistet. Es gibt Angebote in einzelnen Kirchengemeinden, Dörfern und Stadtteilen, in denen Kolping beweist: Alter ist eine gestaltbare Lebensphase. Der eigene Umgang mit dem Alter(n), dem „Geringerwerden“, ist dabei genauso von Bedeutung wie eine aktive Neuorientierung und das Anknüpfen an Interessen und Aufgaben.

Kolping übernimmt Verantwortung. Wir sind Anwalt für unsere vielen Mitglieder, und im Bereich der Seniorenarbeit Anwalt für die Interessen unserer älteren Mitmenschen. Aus den vielen Angeboten, die Kolping bereits im Rahmen der Seniorenarbeit vorhält, lassen sich je Themenbereich Forderungen an die Kommunalpolitik ableiten, die auf der Tagung in Salzbergen gemeinsam erarbeitet wurden und an dieser Stelle vorgestellt werden.

Bildung und lebenslanges Lernen
Gesellschaftliche Veränderungen betreffen Menschen aller Generationen. So nehmen immer mehr Menschen wahr, dass soziale Netzwerke sich wandeln oder nicht mehr wie früher funktionieren. Auch die Anforderungen der Digitalisierung lassen immer mehr Menschen zurück. Eine gute Quartiersarbeit, die den sozialen Lebensraum der Menschen in den Blick nimmt, kann hier wichtige Impulse geben. Dazu ist eine gute Vernetzung vor Ort nötig, für die auch die Rahmenbedingungen geschaffen oder vorgehalten werden müssen. Für Bildungsangebote für Ort müssen also beispielsweise Räumlichkeiten, technische Ausstattung, etc. vorhanden sein.

Digitalisierung
„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Dieses Motto nehmen wir bei Kolping ernst. So werden bereits an einigen Orten Schulungen im Umgang mit digitaler Technik angeboten. Ein bekanntes Beispiel ist etwa das Modell „Jung lehrt Alt“. Wichtig ist es, „Hotspots“ zu schaffen, an denen Training angeboten wird. Hier können lokale Strukturen (etwa Bildungswerke) genutzt werden. Aber auch lokale Akteure und die Politik können in die Pflicht genommen werden: Wollen etwa Behörden oder auch Banken, dass immer mehr Vorgänge „digital“ abgewickelt werden, müssen im Umkehrschluss auch die Bürgerinnen und Bürger bzw. die Kunden dazu in die Lage versetzt werden, die Angebote digital zu nutzen. Dies ist ein gewichtiges Argument dafür, vor Ort für Unterstützung zu werben.

Gesundheit und Pflege
Nicht zuletzt seit der vergangenen Bundestagswahl ist eine Debatte um den Zustand unseres Gesundheits- und Pflegesystems entbrannt. Die Würde des Menschen zu achten, ist insbesondere in Zeiten des so oft angeprangerten "Pflegenotstandes" kaum möglich. Für einen Personalschlüssel in der Altenpflege, der eine menschenwürdige Pflege möglich macht, hat sich bereits der Bundesvorstand des Kolpingwerkes ausgesprochen. Vor Ort sind es die Kolpingsfamilien, die in diesem Rahmen unverzichtbare Angebote machen. Dazu zählen etwa eine stundenweise Entlastung pflegender Angehöriger, Treffpunkte für pflegende Angehörige oder Besuchsdienste. Gerade letztere sind eine Möglichkeit, Menschen in der stationären Pflege ein Mindestmaß an persönlicher Ansprache und Beziehung zu schenken, die im Pflegealltag von den Pflegekräften kaum geleistet werden kann.

Mobilität und Verkehr
Der Lebensraum, das Umfeld, das für einen Menschen von Bedeutung ist, muss barrierefrei sein, damit Teilhabe für alle Menschen gewährleistet werden kann. Dies betrifft beispielsweise Beschallung und Beleuchtung (z.B. im Kirchenraum), Zugang zu sanitären Anlagen, aber auch Aufzüge an Bahnsteigen. Auf Verbesserungen in den vielen Bereichen können Kolpingbrüder und Kolpingschwestern hinweisen, die in Gremien vor Ort aktiv sind. Insbesondere vor Kommunalwahlen sollte auf Änderungs- und Verbesserungspotentiale hingewiesen werden. Aber unsere Mitglieder sind auch darüber hinaus aktiv, indem sie beispielsweise in ihrer Gemeinde ehrenamtliche Fahrdienste anbieten.

Wohnen und Wohnumfeld
Kaum ein Thema wird momentan so breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Dort wohnen zu können, wo der eigene Lebensmittelpunkt ist, ist nicht mehr selbstverständlich. Gemeinden müssen zunächst eine Bedarfsermittlung durchführen und den „Ist-Stand“ vor Ort feststellen. Es sind Konzepte zu entwickeln, die alle Generationen berücksichtigen und die bedeutende Nahversorgung und öffentliche Daseinsvorsorge mit einbeziehen. Die Kolpingsfamilien sind häufig Experten vor Ort: Sie kennen die sozialen Netzwerke, wissen um die Bedürfnisse verschiedener Menschen und können konkrete Forderungen an die Lokalpolitik stellen. Gleichzeitig tragen sie vielerorts mit Aktionen und Angeboten dazu bei, dass das Wohnumfeld als lebenswert wahrgenommen wird.

Kolping engagiert sich – auch in der Seniorenarbeit. Vor Ort generationenübergreifend und solidarisch handeln ist Auftrag und Motivation zugleich, oder mit den Worten Adolph Kolpings: „Wer Mut zeigt, macht Mut“. 

Text: Michael Hermes