“Die Menschen, besonders heutzutage, arbeiten, schuften und politisieren gar viel ohne Gott.”
Stimmt! – lautet meine spontane Zustimmung zu diesem Wort Adolph Kolpings.
Das Evangelium des heutigen Sonntags führt uns einen Menschen vor, der seine Geschäfte und Pläne ganz offensichtlich ohne Gott macht. Dass eine reiche Ernte zu erwarten ist, stimmt den reichen Kornbauern froh, und er denkt darüber nach, wie er das alles unter Dach und Fach bringen kann.
Dabei gerät ihm völlig aus dem Blick, dass sein Leben ein Ende haben wird. Während er darüber nachsinnt, wie er seine Scheune abreißen und eine neue bauen könnte, lässt Gott ihn wissen, dass er die Scheune seines Lebens abreißen wird – noch in dieser Nacht. Die Gewissheit, dass weder der Anfang noch das Ende unseres Lebens in unserer Hand liegt, sorgt für einen heilsamen Schrecken: Jesus nimmt sie zur Grundlage seiner Warnung vor jeder Form von Habgier. Wer alles für sich behalten will, setzt sich der Gefahr aus, daran zu ersticken. Wer die anderen im Blick behält und um die Verantwortung weiß, die Besitz und Eigentum mit sich bringen, macht im Teilen sein Leben reich und das Leben der anderen auch.
Gerade im Blick auf die aktuelle politische Situation in unserer Welt können wir starke Tendenzen erkennen, zunächst für sich selbst zu sorgen und für die eigene Nation und andere aus dem Blick zu lassen, auch wenn ihnen das zu Elend, Unglück und Schaden gereicht. Dass es aber um mehr geht – daran erinnert das Evangelium: Mitnehmen zu Gott können wir nur das, was wir nicht für uns alleine beanspruchen, sondern teilen. Was uns als Menschen prägen soll, wird uns durch das Lebenszeugnis unseres Verbandsgründers, aber auch durch Papst Franziskus und etwa auch das mutige Auftreten einer Margot Friedländer nahegebracht: Wir leben in dem einen Haus der Welt, das unserer Sorge anvertraut ist, und wir sind Menschen, die zwar verschiedenen Kulturen und Traditionen angehören, aber durch ihr Menschsein über alle Unterschiede hinweg miteinander verbunden sind. Das gilt es zu hüten, zu pflegen und zu vermehren. Wir sind Kinder Gottes und tragen Gottes unverletzliches Ebenbild in uns, wie es Adolph Kolping einmal ausgedrückt hat. Das Reich Gottes kennt keine nationalen Grenzen, und selbstsüchtige Interessen haben in ihm keinen Platz. Wir wissen uns in Gottes Liebe geborgen. Das ist der Maßstab für den Umgang mit den Dingen und den Menschen dieser Welt.
Als Mitglieder eines generationsübergreifenden internationalen Verbandes, der mit seinen Einrichtungen den Menschen unterschiedlichster Kulturen Heimat und Hilfe zum Leben gibt, dürfen wir uns an diesem Sonntag vom Wort Gottes in besonderer Weise inspirieren lassen: "Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische! Denn … euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. …Ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und habt den neuen Menschen angezogen, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie, sondern Christus ist alles und in allen.“ (Kol 3, 2-3.9-11)
An dieser Wirklichkeit kommen wir nicht vorbei. In der Vielfalt des Lebens und der Menschen ist Gott selbst uns nahe.
