‚Weil der Mensch Gottes Ebenbild in sich trägt, liebt er, weil Gott die Liebe ist, findet der Mensch sein Ziel auch nur in Gott.‘ Adolph Kolping
Wenn ich an Aussatz denke, fallen mir Aktionen aus meiner Grundschulzeit, 55 Jahre her, ein: Basteln und Sammeln für die Leprahilfe. Kaum eins von uns Grundschulkindern wusste, was das bedeutet, aber es musste schrecklich sein, weil ein Mensch damit raus war, abseits der Gemeinschaft, gezwungen, von weit her schon zu signalisieren: Komm mir nicht zu nah! Im Grunde zu Einsamkeit und Sterben bestimmt. Das macht ja was mit dir: Gefühle von Selbstekel, Wertlosigkeit, Perspektivlosigkeit können so zerstörerisch wirken, dass du dich permanent als Außenseiter der Gesellschaft fühlst. Wer jemals Neurodermitis hatte oder Schuppenflechte, der weiß, was ich meine. Andere Aussatz-Erfahrungen sind tief unter der Haut, kaum sichtbar, und wirken dennoch fatal.
Gleich zehn von diesen Außenseitern treffen auf Jesus, ohne ihm in der vorgeschriebenen Distanz wirklich begegnen zu dürfen. Doch sie schreien ihre Not raus: Herr, erbarme dich! Wende dich mir zu! Wir reden hier von einer Heilungsgeschichte. Und das war es schon mit der Heilung. Jesus macht kein symbolisch segnendes Zeichen, keine mysteriöse Handbewegung, sondern schickt sie, ihren Gesundheitszustand überprüfen zu lassen. Alle Zehn sind vom Aussatz geheilt.
Ende gut, alles gut? Einer kehrt zurück, um Jesus zu danken. Weil ihm oder ihr was aufgegangen ist: Gott hat sich mir zugewendet durch Einen, der an ihn glaubt. Gott sieht mich wieder an. Für Gott bin ich ansehnlich, wichtig und gut. Das ist ein Geschenk. Und dafür ist dieser Mensch zutiefst dankbar.
Als Ebenbilder Gottes, als von Jesus geprägte Christen, als Kolpinggeschwister können wir einander, und denen, die sich draußen, außen vor fühlen, durch unsere Hinwendung den Glauben an sich selbst und an einen Gott, der uns alle trägt und liebt, vermitteln. Schenkt es von Herzen. Den Rest wird Gott dazu tun. Das heilt mehr als die Schrunden auf der Haut, das geht tiefer, bis in die Seele hinein.
Ich wünsche uns allen solche heilsamen Begegnungs-Geschenke!
Treu Kolping!
Herzlich, Maria
