Die Adventskalender der 60er Jahre waren schlicht und wenig pompös: ein bunt gedrucktes vorweihnachtliches Motiv, hinterlegt mit 24 verschiedenen Schokoladensymbolen unter 24 Türen. Sobald dieser Kalender Tage vor dem 1. Dezember an der Wand hing, haben wir Kinder ihn belagert: Wo ist das erste Türchen? Wer von uns wird es öffnen dürfen? Und wo ist das zweite? Tür 24 für Heiligabend war prominenter platziert als all die kleinen Tage, zog uns Wochen vorher schon magisch an. Denn dann war endlich Weihnachten!
Im Advent steht das Öffnen von Türen für die Erwartung des Weihnachtsgeheimnisses im Mittelpunkt: öffne dich bewusst mit Herz und Sinnen für die Gegenwart Gottes in unserer Welt. Öffne dich für andere Menschen. Öffne dich für neue Sichtweisen. Öffne dich für ein neues Jahr. Eine Tür öffnet die nächste Tür … Türen öffnen könnte eine neue Form der Zeitrechnung werden, der Beginn eines neuen Weges, zu Gott, zu dir und mir. Wenn wir leise werden, warten können, aus Gewohnheiten rausgehen und Neues erproben, verschlossenen Gedanken und Gefühlen wieder Raum zu geben. Traue dich! Mach‘ dich auf!
Ein König stellte für einen wichtigen Posten den Hofstaat auf die Probe. Er führte die Anwesenden zu einem riesengroßen Türschloss, und erklärte: "Hier seht ihr das größte und schwerste Schloss, das es in meinem Reich je gab. Wer von euch ist in der Lage, es zu öffnen?" Ein Teil der Höflinge schüttelte nur verneinend den Kopf. Die Weisen schauten sich das Schloss näher an, gaben aber zu, sie könnten es nicht schaffen. Nur ein Kind ging nahe an dieses Schloss heran, untersuchte es, berührte es, bewegte es und zog schließlich mit einem Ruck daran. Das Schloss öffnete sich. Es war nur angelehnt gewesen, nicht zugeschnappt, und es bedurfte nichts weiter als Mut und Bereitschaft, dies zu begreifen und beherzt zu handeln.
Ich wünsche uns Freude beim Öffnen jeder Tür in diesen adventlichen Wochen und Begegnungen in Licht und Wärme! Gott wird sich finden lassen.
Treu Kolping!
Maria Adams, Geistliche Leitung KOLPING Deutschland
