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„I Will Follow Him“

Geistlicher Impuls zum Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis von Bundespräses Sebastian Schulz.

 

Ich gebe es offen zu: Ich bin ein Fan von Sister Act. Seit meiner Jugend begleitet mich dieser Film, und die Musik geht mir bis heute unter die Haut. Besonders ein Lied berührt mich immer wieder: „I Will Follow Him“.

Wer den Film kennt, erinnert sich vielleicht an die Szene: Whoopi Goldberg als Deloris, umgeben von einem Chor singender Nonnen, verwandelt einen alten Lovesong in eine leidenschaftliche Hymne an die göttliche Liebe. Rhythmisch, lebendig, mitreißend… Und plötzlich wirkt dieser weltliche Popsong wie ein modernes Glaubensbekenntnis.

„I will follow him, follow him wherever he may go…“ - „Ich werde ihm folgen, wohin er auch geht.“

Eigentlich stammt das Lied aus den 1960er Jahren und handelt von einer romantischen Liebe. Doch in dieser Filmszene bekommt es eine ganz neue Bedeutung. Es wird zum Ausdruck tiefer Hingabe, zum Ruf nach Nachfolge.

Und damit sind wir mitten im Evangelium dieses Sonntags: Jesus beginnt sein öffentliches Wirken, gerade in einer Zeit, in der Unsicherheit herrscht. Johannes der Täufer wurde verhaftet, ein bedrückendes Zeichen. Doch Jesus zieht sich nicht zurück. Er geht nach Galiläa, an die Ränder. Und dort beginnt er zu predigen: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe.“ Es bleibt nicht bei diesen Worten. Jesus handelt. Er ruft einfache Fischer, in seine Nachfolge. Simon Petrus und Andreas, später Jakobus und Johannes. Er spricht sie direkt an. Und sie lassen alles stehen und liegen. Ohne Absicherung, ohne Plan B. Sie vertrauen ihm einfach und folgen ihm nach.

Mich bewegt das jedes Mal aufs Neue. Und jedes Mal muss ich an den Refrain aus den Sister-Act-Song denken: „There isn’t an ocean too deep, a mountain so high it can keep me away…“ - Da ist keine Entfernung, kein Hindernis, das mich davon abhalten könnte, ihm zu folgen.

Diese Worte klingen kitschig, wenn man sie nur als Lovesong hört. Aber im Licht des Evangeliums bekommen sie eine Tiefe. Sie beschreiben das, was Nachfolge meint: Eine Entscheidung mit dem Herzen. Ein Vertrauen, das stärker ist als alle Angst. Eine Liebe, die den eigenen Horizont sprengt.

Ich merke immer wieder, wie weit ich selbst davon oft entfernt bin. Ich hänge an Sicherheiten, bin zögerlich, denke zu viel. Und dann begegnet mir eine Figur wie Adolph Kolping. Auch er hat sich vom Ruf Jesu treffen lassen. „Tu, sequere me“ - „Du, folge mir nach.“ Diese Worte aus dem Matthäusevangelium hat er sich als junger Theologiestudent in München in sein Tagebuch geschrieben. Und sie wurden zum Leitmotiv seines Lebens. Kolping sah die Nöte seiner Zeit. Junge Menschen, entwurzelt durch die Industrialisierung, ohne Halt, ohne Perspektive. Er hat nicht nur über Jesus gesprochen, sondern ist ihm auf seine Art und Weise nachgefolgt. Deshalb hat er Räume geschaffen, in denen junge Menschen Glauben, Gemeinschaft und Würde erfahren konnten. Und er hat damit Kirche auf das gesellschaftliche Parkett der sozialen Frage gebracht. Seine Primizpredigt stellte er unter eben dieses Jesuswort: „Tu, sequere me.“ Und bis heute ist es auf seinem Sarkophag in der Minoritenkirche in Köln eingraviert. Kolping hat auf den Ruf Jesu mit seinem Leben geantwortet.

Jesus-Nachfolge beginnt damals wie heute mit einer Entscheidung: I will follow him. Ich will ihm folgen. Mit Herz. Mit Mut. Im Vertrauen. So wie die Fischer am See. So wie Kolping. Und ja, ein bisschen so wie Deloris, auch wenn sie nur eine Filmfigur ist.