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Glaubst Du das?

Geistlicher Impuls zum Fünften Fastensonntag von Bundespräses Sebastian Schulz.

Es gibt Momente, die lassen selbst erfahrene Ärztinnen und Ärzte sprachlos zurück. Wenn ein Herz Minuten nach einer gescheiterten Reanimation plötzlich wieder zu schlagen beginnt… Ohne weiteren Eingriff, ohne erkennbare Ursache. Einfach so. Das Leben kehrt da zurück, wo man es nicht mehr erwartet hätte.

Die Medizin hat einen Namen für dieses seltene Phänomen: Lazarus-Effekt. Gemeint ist damit das überraschende Wiederaufleben von Herzaktivität nach einem scheinbar endgültigen Herzstillstand. Es geschieht so selten, dass es kaum erforscht ist. Und es kommt so unerwartet, dass es nie zur Routine werden kann. 

Wer einen Menschen verloren hat, trotz aller Versuche, ihn ins Leben zurückzuholen, hört solche Begriffe mit Vorsicht. Denn das wieder schlagende Herz ist die Ausnahme. Das Grab ist die Regel…

Ich glaube, gerade deshalb ist das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus nicht nur eine Geschichte über ein Wunder, sondern eine Geschichte über das, was nicht das letzte Wort behalten soll.

Lazarus ist tot. Vier Tage liegt er bereits im Grab, als Jesus eintrifft. Aus menschlicher Sicht ist er zu spät. Martha, die Schwester des Verstorbenen, hält ihm das vor. Sie hatte gehofft, gebetet und vergeblich gewartet. Ihre Sätze sind vorwurfsvoll: „Herr, wärst du hier gewesen …“

Und Jesus? Er stellt sich der Trauer und dem Schmerz.

Und dann sagt er einen Satz, der alles verändert: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Das heißt doch: Jesus verlängert nicht einfach nur ein Leben. In ihm selbst ist das Leben, das stärker ist als der Tod. Und dann fragt er: „Glaubst du das?“ Nicht: Verstehst du das? Nicht: Kannst du das nachvollziehen? Sondern: Vertraust du dem, was ich für dich sein will?

Diese Frage wird vor dem Grab gestellt. Sie trifft da, wo der Glaube entweder lebendig wird, oder vor einer Grenze stehen bleibt.

„Glaubst du das?“ fragt Jesus auch dich. Es ist keine Katechismusfrage, sondern vielmehr eine Einladung zu existenziellem Vertrauen. 

Es geht darum, mit der Kraft des Vertrauens aus dem eigenen Grab zu treten. Aus dem, was dein Leben klein hält. Es ist die Impulsfrage, dem Leben mehr zu trauen als dem Todbringenden um dich herum.

Also noch mal: „Glaubst du das?“