Mit einem feierlichen Segen hat der Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, das neue Kolping Jugendwohnen in der Heinrich-Heine-Straße in Berlin-Mitte eingeweiht. Im Mai 2026 sind die ersten jungen Menschen zwischen 18 und 26 Jahren eingezogen. Insgesamt bietet das Haus 104 möblierte Einzelzimmer sowie Gemeinschaftsküchen, Lern- und Aufenthaltsräume und verschiedene Freizeitflächen.
Das Kolping Jugendwohnen knüpft an eine lange Tradition an. Schon Adolph Kolping hatte Mitte des 19. Jahrhunderts erkannt, wie schwierig es für junge Handwerksgesellen war, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen und gleichzeitig eine passende Unterkunft zu finden. Mit den von ihm gegründeten Gesellenvereinen schuf er Orte, an denen junge Menschen Halt, Bildung und Gemeinschaft fanden.
Auch heute stehen junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf vor großen Herausforderungen. Gerade in einem Ballungsraum wie Berlin gibt es zwar zahlreiche Ausbildungsplätze, gleichzeitig ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Viele junge Menschen, die für ihre Ausbildung ihre Heimat verlassen, können sich die hohen Mieten in der Stadt mit ihrem Ausbildungsgehalt nicht leisten.
„Kolping hat früh verstanden, wie entscheidend eine Ausbildung für den weiteren Lebensweg ist“, erklärte Erzbischof Dr. Heiner Koch vor rund 100 Gästen, unter anderem aus der Politik und dem Verbandswesen. „Was das heute in einem Ballungsraum wie Berlin bedeutet, liegt auf der Hand: Es gibt viele Ausbildungsplätze, aber nur wenige freie Wohnungen, die man mit dem ersten selbstverdienten Geld bezahlen kann.“
Deutschlandweit zeigt sich dieses sogenannte Passungsproblem deutlich: Ausbildungsplätze und ausbildungsinteressierte junge Menschen finden häufig nicht zusammen, weil unter anderem der passende Wohnraum fehlt. Dabei hat eine abgeschlossene Ausbildung großen Einfluss auf die weiteren beruflichen Chancen. Wie wichtig eine Ausbildung für den weiteren Lebensweg ist, zeigen aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: Menschen ohne Ausbildung sind im Laufe ihres Lebens zu 21 Prozent von Arbeitslosigkeit betroffen, bei Menschen mit Ausbildung sind es nur drei Prozent.
Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für junge Menschen in Ausbildung ist deshalb groß. Genau hier setzt das Kolping Jugendwohnen an, wie das moderierte Gespräch mit der Kolping-Bundesvorsitzenden Klaudia Rudersdorf, dem Diözesanvorsitzenden Adalbert Jurasch, der Architektin Julia Dahlhaus sowie den Geschäftsführern von Kolping Guido Mensger und Jugendwohnen Hendrik Beer zum Ausdruck brachte. Klaudia Rudersdorf berichtete, was Kolping veranlasst hat, das Bauprojekt zu realisieren: Es gehe darum, jungen Menschen einen bezahlbaren und sicheren Ort zum Wohnen, Leben und Lernen zu bieten – verbunden mit sozialpädagogischer Begleitung und Gemeinschaft. „Unser Anspruch war es, Orte zu gestalten, die junge Menschen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützen. Denn Architektur kann mehr, als bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Sie kann auch gleichzeitig Begegnung ermöglichen und Gemeinschaft stiften. In diesem Sinne verstehen wir Architektur als gesellschaftliches Werkzeug – und dieses Haus als einen konkreten Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagte Julia Dahlhaus. Guido Mensger erläuterte, welche besonderen Aspekte des nachhaltigen Bauens der Neubau erfüllt.
Ein besonderer Dank gilt dem Team des Jugendwohnens um Einrichtungsleiterin Birgit Guerrazzi und den Bewohnenden, die von der Deko über Kuchen bis zum typischen Berliner Kartoffelsalat für einen tollen Rahmen gesorgt haben, in dem sich die zahlreich teilnehmenden Bewohner*innen genauso wohl gefühlt haben wie die anwesenden Mitglieder des Kolping-Bundesvorstandes und die vielen Gäste.
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