Mitten im Sommer wird unser Blick geweitet. Der Urlaub bricht für viele Menschen die Enge des Alltags auf und lässt so ein Stück Himmel spürbar werden. Wir schauen auf die Welt und sehen: es ist Erntezeit - die Gaben der Schöpfung werden eingesammelt, damit das Leben der Menschen gestärkt wird. In der Feier des Gottesdienstes schaut wir mit der Kirche bewusst in den Himmel, wo Maria, die Mutter Jesu, als Ersterlöste ganz bei Gott ist, während wir selbst noch mit zwei Füßen fest auf der Erde stehen.
Kräuter werden an diesem Tag gesegnet. Sie tun unserem Leib gut, beleben und beruhigen ihn, und sie bringen Erleichterung und Heilung bei Verletzungen. Die Segnung der Kräuter und Blumen am Fest Mariä Himmelfahrt erinnert an das, was die Legende vom Heimgang Mariens erzählt: dass aus dem Grab in dem Augenblick, in dem Maria in den Himmel aufgenommen wurde, ein wunderbarer Duft wie von Kräutern und Blumen entwichen sein soll. Eine andere Legende erzählt, dass die Jünger Jesu im Grab Mariens nicht mehr den Leichnam, sondern nur mehr Blüten und Kräuter vorfanden.
Der Mensch wird ganz erlöst, mit Leib und Seele, nichts wird ausgespart. Unser Menschsein ist nicht auf diese Erde beschränkt. In der Auferstehung Jesu und in der Aufnahme Mariens in den Himmel bekennen wir: uns allen blüht das Leben. „Der Himmel geht über allen auf“ – singen wir seit Jahrzehnten gerne.
Die feierliche Sprache der Liturgie sagt: „Maria ist dem pilgernden Volk ein untrügliches Zeichen der Hoffnung…“
Adolph Kolping sagt: „Für Christen ist nicht bloß der Himmel eine gemeinsame Heimat, sondern auch die Erde, wo sie nämlich zusammen sind.“ Wenn wir an Mariä Himmelfahrt auf die gemeinsame Heimat schauen, die Gott im Himmel für uns bereithält, fällt unser Blick gleichzeitig auf die Erde, die allen Menschen eine gemeinsame Heimat ist, und der Himmel wird geerdet.
„Denn auch die Schöpfung soll von der Knechtschaft und der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“ (Röm 8,22)
Der Blick in den Himmel lässt die Erde in einem neuen Licht strahlen und macht uns unsere Verantwortung für unsere Erde und für das Leben der Menschen in ihr neu deutlich. Deshalb ist die Verantwortung für die Schöpfung zusammen mit der Verantwortung für die Menschen, die mit uns die beiden Heimaten teilen, ein echtes „Kolping-Thema“.
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