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Botschafterin des Heils

Geistlicher Impuls zum Weltfrauentag 2026 von Maria Adams, Geistliche Leiterin von Kolping Deutschland

Der Bericht des Evangelisten Johannes vom Wasserschöpfen am sagenhaften Jakobsbrunnen stellt just zum Weltfrauentag die Begegnung Jesu mit einer unbekannten samaritanischen Frau als ein kraftvolles und hoffnungsvolles Ereignis dar. Hier wird eine Frau porträtiert, die trotz gesellschaftlicher Ächtung und persönlicher Brüche von Jesus wahr und für voll genommen, und zur ersten Verkünderin des ersehnten Messias wird. Es geschieht Begegnung auf Augenhöhe, obwohl die kulturelle Kluft zwischen den beiden nicht höher sein könnte: Jesus (ein Mann, ein Jude) spricht mit einer Frau (Samaritanerin, "Sünderin") am Brunnen. Dies bricht drei gleich gesellschaftliche Tabus: Geschlecht, Herkunft (Samaria galt als unrein) und sozialen Status. 

Doch es ist Begegnung auf Augenhöhe: Jesus respektiert sie als kluge und eloquente Gesprächspartnerin, anstatt sie als Dienerin herabzuwürdigen. Er, der Durstige, bittet sie um Hilfe, die den Brunnen alleine in der Mittagshitze aufsucht, vielleicht, um ihres Rufs wegen Konfrontationen auszuweichen, und er wahrt ihre Würde. Spannend ist, wer dann wem etwas anzubieten hat: das sagenhaft gute Wasser dieses Brunnens täte dem erschöpften Jesus gut, doch er sieht, dass ihre Erschöpfung tieferer Natur ist. Die "Samaritanerin" steht für viele Frauen, die müde sind, von viel Verantwortung, hohen Erwartungen und einem Leben am Rande der (männlich geprägten) Gesellschaft. Jesus bietet ihr "lebendiges Wasser" an, das unabhängig von Anerkennung oder sozialem Status zu innerer Freiheit und Stärke führt. Und zur Verwandlung. 

Von der Namenlosen zur Apostelin: Sie wird eine selbstbewusste Zeugin, die ihre Geschichte in der Stadt erzählt und viele zum Glauben bewegt. Sie ist die erste Person im Johannesevangelium, der sich Jesus als Messias offenbart ("Ich bin es, der mit dir spricht"). Sie war Empfängerin der Heils-Botschaft und wird zur Botschafterin des Heils. Der Brunnen wird zum Ort der Heilung und Verkündigung, zum Quell vorösterlichen Glaubens, die Frau zum Vorbild an Resilienz und Mut, die eigene Wahrheit zu leben. Ein starkes biblisches Votum für die Würde, Stärke und theologische (von Gott redende) Relevanz der Frauen.

Ich gratuliere uns heute zu allen Frauen, die mit Mut und Kraft Verantwortung und Verkündigung in den christlichen Kirchen tragen! Sie sind lebendiges Wasser, von dem unser aller Glaube und unser Einsatz für eine bessere Welt lebt, auch bei KOLPING. Seid gesegnet!