Netzwerk für Geflüchtete

Eindrücke eines Einsatzes am Berufsbildungszentrum

Roadshow zum Thema Integration von Geflüchteten zu Besuch am BBZ in Merzig

In der Woche vom 28. August bis 1. September 2017 machte das orangefarbene Infomobil der Kolping Roadshow Integration am Berufsbildungszentrum im saarländischen Merzig Halt.

Wie sensibilisiert man für die Belange von geflüchteten Menschen in Deutschland und trägt zu ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz bei?

Mit dieser Leitfrage ist die Roadshow im Land unterwegs, um möglichst viele Menschen direkt vor Ort auf die Thematik aufmerksam zu machen. Dazu hielt das Infomobil auch am BBZ in Merzig für jede Altersgruppe konkrete Angebote bereit: Spiel- und Mitmachaktionen, Texttafeln, multimediale Elemente und Methoden zur Aneignung von Hintergrundwissen über Flucht, Migration und Integration. Es zeigte Beispiele aus der Arbeit mit Geflüchteten, erzählte von gelungener Integration und machte Lust auf mehr.

Das Infomobil wurde von drei Fachkräften begleitet, die für Fragen rund um die Thematik zur Verfügung standen und zusätzlich zahlreiche Schulklassen geschult haben, um für dieses Thema zu sensibilisieren; etwa 20 Klassen des BBZ Merzig, die den Hauptschulabschluss und den Mittleren Bildungsabschluss erwerben wollen, waren an der Aktion beteiligt. Zentrale Frage der Schulungen war die Frage nach der eigenen Identität: „Was brauche ich zum Glücklichsein?“ Auf diesem Weg wurden die Schülerinnen und Schüler an die Auseinandersetzung mit Bedürfnissen herangeführt.

Nachdem zuerst eine Mindmap der eigenen Bedürfnisse erstellt wurde, setzte man sich anschließend mit verschiedenen Bedürfnis-Theorien auseinander. Schon bei dem Versuch, den Begriff „Bedürfnis“ zu definieren wurde klar, dass es verschiedene Sichtweisen gibt. Sind die Bedürfnisse von Menschen primär von der Kultur geprägt, in der jemand aufgewachsen ist, oder sind Bedürfnisse etwa fundamentale Merkmale des Mensch-Seins? Letztendlich kamen die Schülerinnen und Schüler zu dem Schluss, dass beide Sichtweisen ihre Berechtigung haben und sich ergänzen.

Bei dem anschließenden Versuch der Hierarchisierung der eigenen Bedürfnisse konnten Grundbedürfnisse, wie Schlaf und Nahrung ausgemacht werden, über welche in den Klassen kein Zweifel bestand. Diese Bedürfnisse richten sich nicht nach dem jeweiligen Wertesystem, auch nicht nach dem natürlichen Umfeld, den sozialen Strukturen oder dem Stand der technischen Entwicklung. Bedürfnisse sind das, was zutage tritt, wenn wir das menschliche Verhalten unabhängig von der Kultur, dem Glauben, der Sprache, dem Alter oder dem Geschlecht betrachten. Darauf aufbauend konnten die Schülerinnen und Schüler Bedürfnisse klar von individuellen Wünschen abgrenzen: Das systematische und dauerhafte Nicht-Befriedigen eines Bedürfnisses führt zu fortschreitender Krankheit, das Nicht-Befriedigen eines Wunsches führt im schlimmsten Fall zu Frustration.

Somit kamen die Schülerinnen und Schüler zu dem Ergebnis, dass Bedürfnisse weder willentlich gesteuert noch unterdrückt werden können. Weil Bedürfnisse notwendigerweise befriedigt werden müssen, gehören sie zu den mächtigsten Quellen menschlicher Motivation. Vielen Schülerinnen und Schüler erschien die Entscheidung, aus Situationen zu fliehen, in denen jene Grundbedürfnisse nicht mehr erfüllt werden können, als logische Konsequenz. Verdeutlicht wurde dies noch einmal bei der anschließenden Betrachtung individueller Fluchtgeschichten, bei denen die Schülerinnen feststellten, dass die dort angesprochenen Bedürfnisse sich häufig nicht stark von ihren eigenen Bedürfnissen unterschieden, welche sie zu Beginn der Schulung in ihrer Mindmap erarbeitet hatten. Diese Schulungen wurden ergänzt durch den Einsatz des Infomobils auf dem Schulhof während der großen Pausen und nach der Schule.

Ein abschließendes Mittagessen mit den an der Durchführung der Projektwoche beteiligten Kolleginnen und Kollegen sowie der Schulleitung bot im gutbürgerlichen Ambiente des ortsansässigen Kolpinggasthauses die Möglichkeit der Reflexion und Auswertung der vergangenen Woche. Darüber hinaus wurden die Fachkräfte der Roadshow Integration von dem Schulleiter höchst selbst in die traditionsreiche Geschichte der lokalen Kolpingsfamilien sowie des für die Region so typischen Lebensgefühls des „Saarvoir vivre“ eingeführt.

Das Kolping Infomobil ist unter der Schirmherrschaft des Kolping Netzwerks für Geflüchtete unterwegs. Die Aktion wird unterstützt und gefördert vom Kolpingwerk Deutschland, dem Verband der Kolpinghäuser und dem Verband der Kolping-Bildungsunternehmen sowie ko-finanziert aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union.