Netzwerk für Geflüchtete

„Den Erfolg der Jugendhilfe nachhaltig sichern“

Jugendhilfe-Fachtagung im Kolping-Berufsbildungswerk Brakel im Zeichen der Integration unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

„Durch die abrupte Beendigung der Jugendhilfe-Maßnahmen nach Vollendung des 18. Lebensjahres wird der Erfolg der bisherigen Integrationsbemühungen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bedroht“, betonte Johanna Karpenstein vom Bundesverband umF e.V. (unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge) die Problematik in der Betreuungsarbeit mit jungen Flüchtlingen. Im Rahmen der Jugendhilfe-Fachtagung am 26.04.2016 im Kolping-Berufsbildungswerk Brakel wurden Perspektiven und Chancen der jungen Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit aufgezeigt und diskutiert.

Mit dem Projekt „Auf eigenen Füßen stehen“ stellte sich Johanna Karpenstein den ca. 70 Gästen von Jugendämtern, Jugendhilfeeinrichtungen und Berufsbildungswerken vor. Solange die Flüchtlinge minderjährig sind, werden sie im Rahmen der Jugendhilfe betreut und unterstützt. Zur Durchführung der Maßnahmen stehen unter anderen Jugendhilfeeinrichtungen zur Verfügung, die die jungen Menschen in der Regel stationär aufnehmen. Ein anerkannter Träger der Jugendhilfe ist auch das Kolping-Berufsbildungswerk in Brakel. Die Einrichtung bietet seit 2015 die Erstbetreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen an. Ziel der Begleitung ist, dass sich die jungen Flüchtlinge auf dem Weg in die Volljährigkeit in unserer Gesellschaft zurechtfinden. Ebenso sollen sie Perspektiven für ihre private und berufliche Lebensgestaltung entwickeln. „Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine nahtlose Unterstützung der jungen Menschen erforderlich. Diese darf durch eine abrupt beendete Jugendhilfe-Maßnahme nicht unterbrochen werden.“, deutet auch Gesamtleiterin Reinlinde Steinhofer auf die bestehende Problematik hin. Nach Vollendung des 18. Lebensjahres haben die jungen Menschen oftmals keinen Anspruch mehr auf die Regelunterstützung im Rahmen der Jugendhilfe. Oft werden die jungen Flüchtlinge teilweise in Gemeinschaftsunterkünften in ganz Deutschland untergebracht. „Die jungen Volljährigen werden entwurzelt, verlieren Vertrauenspersonen und Ansprechpartner. Damit ist der Übergang in die Selbstständigkeit wesentlich erschwert“, gibt Karpenstein zu bedenken. „Das stellt den Erfolg der Jugendhilfe in Frage“.

Konsequenzen seien mehr Ausbildungsabbrüche und ein schwieriges, soziales Umfeld. Ein Zugang zur Schule, Ausbildung und Beruf sei kaum gegeben. „Das erste Jahr der Ausbildung ist das Wichtigste. Dieses muss pädagogisch begleitet werden, um einen Abbruch zu verhindern“, appelliert Karpenstein an die Verantwortlichen der Jugendämter. Vertraute Ansprechpartner seien die Voraussetzung für Selbstständigkeit.  Zum Ende Ihres Vortrags bietet Karpenstein verschiedene Lösungsansätze an, wobei sie betont, dass die Problematik vielschichtig und nicht leicht anzugehen sei. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendämtern, Kommunen oder auch Lehrerinnen und Lehrer sollten geschult werden, um für die besondere Situation von geflüchteten  Minderjährigen sensibilisiert zu sein. Hilfestrukturen und Vertrauensbeziehungen müssen vor Erreichen des Erwachsenenalters frühzeitig gefördert werden, um einen Übergang in die Selbstständigkeit zu ermöglichen. Jugendliche sollten rechtzeitig über Rechte und Pflichten aufgeklärt und Vernetzungen und Kooperationen mit Arbeitsagenturen, Ärzten, Dolmetschern und Jugendhilfeeinrichtungen in die Wege geleitet werden. Auch sollten grundsätzlich die Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort im Auge behalten werden. Ein geeignetes Konzept seien beispielsweise Wohngruppen, die fortschreitend verselbstständigt werden.

Das Modellprojekt „Auf eigenen Füßen stehen“ des Bundesverbandes umF e.V. macht Ansätze deutlich, welche Möglichkeiten es gibt. Dazu gehört sowohl das ambulant betreute Wohnen auch für Volljährige, als auch viel ehrenamtliches Engagement, das die jungen unbegleiteten Flüchtlinge begleitet. Die Übernahme eines ehrenamtlichen Vormundes ist möglich, aber auch Sprachunterricht, sportliche Aktivitäten und kulturelle Begegnungen.

Insgesamt war es ein großes Anliegen, Lösungen zu erkennen, die die Nachhaltigkeit der Jugendhilfe sichern können.

Verantwortlich:

Verena Biermann, Kolping-Berufsbildungswerk Brakel gem. GmbH, Tegelweg 33, 33034 Brakel, Tel. 05272/301-205, E-Mail: verena.biermann[at]kolping-bbw-brakel.de