Bundesebene Erklärungen

Reformation förderte Demokratieentwicklung

Die Reformation gehört zur Vorgeschichte für die demokratische Entwicklung unserer Zivilgesellschaft in Deutschland und für das demokratische Europa.

Darauf hat die Bundesversammlung des Kolpingwerkes Deutschland anlässlich des 500jährigen Reformationsgedenkens im Jahre 2017 hingewiesen. Wesentliche Errungenschaften unseres heutigen demokratischen Staatswesens wurden bereits durch sie grundgelegt. „Es brauchte Zeit, bis der Schatz der Freiheit, der tief im christlichen Menschenbild wurzelt, in der Folge der Reformation gehoben werden konnte. Der Gedanke der Freiheit eines Christenmenschen steht zugleich für die Freiheit Andersdenkender und Andersglaubender und ebenso für die Freiheit der Religionsausübung“, betonte die Bundesversammlung.

Eine der Kernbotschaften der Reformation sei die Anerkennung des Wertes einer Person, die allein in ihrer Anerkennung durch Gott begründet sei, unabhängig von gesellschaftlichem Status und individuellen Fähigkeiten oder anderer Leistungen.

„Diejenigen, die fordern, der demokratische Staat müsse sich vollständig von Religion und Kirchen befreien, verkennen die positive Kraft, die in diesem Erbe liegt. Denn unser Rechtsstaat lebt in seinen Normen und Werten auch durch religiöse Wertvorstellungen. Er lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht geben und garantieren kann“, hebt die Erklärung des Kolpingwerkes hervor. Der demokratische Staat distanziere sich nicht von Religion und Kirchen, sondern verstehe sie in größerer Ausdrücklichkeit als ein Gegenüber, als wichtige zivilgesellschaftliche Akteure. Religion und Kirchen hätten ebenfalls die Aufgabe, in einem Spannungsfeld von Nähe und kritischer Distanz zum Staat diesen einerseits mitzugestalten und andererseits ihm einen Spiegel vorzuhalten. Sie seien wichtige Diskussionspartner, die besondere Aspekte in den öffentlichen Diskurs einbringen könnten - zum Beispiel zu ethischen und existentiellen Fragen, wie der Unverfügbarkeit und dem Schutz des Lebens.

Insofern profitiere der Rechtsstaat von Religion und Kirchen, insbesondere bei ethischen Fragestellungen könne er Meinungen wahrnehmen, die nicht der Logik und den Sachzwängen von Politik und Wirtschaft gehorchen. „Ein gänzlich laizistischer Staat, der alle Religionsausübung privatisiert und jede öffentliche Darstellung verbietet, drängt Religion nicht nur in die Hinterhöfe der Gesellschaft und macht die Religion so unsichtbar, sondern er bringt sich auch um Debatten, die ihn vor der Banalität des rein Ökonomischen behüten können. Die Zeit der Reformation hat Strukturen aufgebrochen, deren Früchte zu hüten und deren Konsequenzen zu sichern, ein stetiger Auftrag bleiben“, heißt es in der Erklärung des Kolpingwerkes Deutschland.