Die Malermeister von morgen? Geschäftsführer Hermann Maracke (von links) führt Mojibata (24), Alibaba (25) und Omid (22) durch die Räumlichkeiten des Malerbetriebes und erklärt, worauf es in diesem Job ankommt.

Ein Teil der über 70 jungen Geflüchteten, die zur Auftaktveranstaltung gekommen sind, bei der sich die teilnehmenden Betriebe vorgestellt haben.

Kolpingmagazin

Perspektive: Zukunft!

Junge Geflüchtete lernen unterschiedliche Ausbildungsbetriebe kennen und planen ihre berufliche Zukunft. "Anpacken. Perspektive schaffen" nennt die Kolpingjugend Hamburg ihr Projekt und gibt damit zugleich das Ziel vor. Ein praktisches Beispiel gelebter Integration vor Ort.

Montagmorgen in Hamburg. In drei Tagen wird hier der G20-Gipfel stattfinden und die Stadt mit schweren Ausschreitungen von sich reden machen. Doch noch ist es ruhig – vor allem hier in einer Nebenstraße im Stadtteil Barmbek. Ruhiger als geplant geht es zunächst auch im Malermeisterbetrieb Germann zu: Zur Firmenbesichtigung sind weniger Teilnehmer erschienen, als eigentlich angemeldet waren.

Anna Jansen lässt sich davon nicht aus dem Konzept bringen: Sie ist Bildungsreferentin bei der Kolpingjugend Hamburg und hat das Projekt „Anpacken. Perspektive schaffen“ ins Leben gerufen. Zur Auftaktveranstaltung vor ein paar Wochen, bei der sich die teilnehmenden Betriebe vorstellten, sind mehr als 70 Leute gekommen. Junge Geflüchtete nutzten die Chance, einen ersten Eindruck zu erhalten, welche Berufsbilder sie interessieren und in den nächsten Wochen näher kennenlernen möchten.

Heute sind Omid, Mojtaba und Alibaba zum Malerbetrieb gekommen. Die drei jungen Männer stammen aus Afghanistan und leben seit zwei bzw. drei Jahren in Deutschland. Geschäftsführer Hermann Maracke führt sie durch die Räumlichkeiten des Betriebes, der elf Auszubildende beschäftigt – darunter seit vergangenem Jahr sechs junge Geflüchtete. Bei der Auswahl seiner Azubis komme es ihm neben Pünktlichkeit vor allem darauf an, dass die Bewerber durch geringe Fehlzeiten Zuverlässigkeit nachweisen können, so Maracke. Er habe gute Erfahrungen mit der Anstellung von Geflüchteten gemacht und sehe sie nicht als billige Arbeitskräfte. Als Herausforderung für den Berufsschulunterricht würden sich allerdings regelmäßig die Deutschkenntnisse der Azubis herausstellen: Bei der Bewerbung müssen sie mindestens Niveaustufe B1 nachweisen können und im Verlauf der Ausbildung B2 absolvieren. Aber prinzipiell motiviert Maracke dazu, sich zu bewerben: „Wenn künstlerische Fähigkeiten und der Lust am Job vorhanden sind, kommt der Rest auch!“ Für ihr Engagement mit Geflüchteten sind Hermann Maracke und seine Firma in diesem Jahr sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Nationalen Integrationspreis nominiert und geehrt worden.

„Wir unterstützen euch!“

Omid, Mojtaba und Alibaba hören dem Firmen-Geschäftsführer aufmerksam zu und stellen interessiert Fragen zum Berufsalltag. Alle drei könnten sich vorstellen, in der Malerbranche zu arbeiten, sie bringen auch schon einige Erfahrung durch entsprechende Jobs in ihrem Herkunftsland mit.

Für die Kolpingjugend Hamburg ist mit der Organisation der Betriebsbesichtigung das Engagement für die jungen Geflüchteten noch lange nicht abgeschlossen: „Wenn ihr Hilfe beim Schreiben der Bewerbungen braucht: Wir unterstützen euch! Kommt einfach vorbei …“ – Das war an diesem Mittag immer wieder von Anna Jansen und auch von Ragna und Kira Saß zu hören, die die Hamburger Aktion ebenfalls mit viel Herzblut und Einsatz begleiten.

Das Projekt will auch mehr sein, als bloß Jobvermittlung: Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung steht jeweils ein Programmpunkt gemeinsam mit den Kolpingjugendlichen vor Ort auf dem Plan. Ziel ist es, Hamburg und sich gegenseitig kennenzulernen. Heute geht es in ein Schokoladenmuseum mitten in der Stadt. „Wir wollen ermöglichen, dass ‚unsere‘ Jugendlichen ganz zwanglos mit den Geflüchteten in Kontakt und ins Gespräch kommen. Ob beim Bowlen, beim Eisessen oder wie heute beim Kreieren einer eigenen Lieblings-Schokoladensorte“, sagt Kira Saß.

Den Geschmack deutscher Schokolade wissen die drei Afghanen zu schätzen, wie sie einstimmig bestätigen – genauso wie das Engagement der Hamburger. Apropos Hamburg: Eine weitere ganz konkrete Hilfe für junge Auszubildende bietet das am 1. August eröffnete Kolping-Jugendwohnen im Stadtteil St. Georg, eines von bundesweit 40 Wohnheimen mit pädagogischer Betreuung in Trägerschaft von Kolping. Informationen zum Jugendwohnen gibt es im Internet auf www.kolping-jugendwohnen.de.


Text: Matthias Böhnke
Fotos: Matthias Greve, Alexander Tscheulin