Bundesebene

Organraub und Verfolgung in China

Aus China werden massive Menschenrechtsverletzungen gemeldet. Anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember gab es dazu eine Pressekonferenz im Kölner Stadthotel am Römerturm. Dabei wurde an Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Gabriel appelliert.

Kolpinghäuser sind beliebte Veranstaltungsorte. Im Vorfeld des Internationalen Tages der Menschenrechte gab es eine spektakuläre Pressekonferenz im Kolpinghaus International mit dem Hotel am Römerturm in Köln. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte mit Sitz in Frankfurt hatte dazu Journalisten eingeladen und Menschenrechtsverstöße in China thematisiert.

Die Vorwürfe wiegen schwer: In dem für die Außenwelt weitgehend abgeschirmten Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern lassen viele Erkenntnisse, Indizien und Beweise dafür finden, dass tausendfacher Organraub an Gefangenen verübt wird. Darüber informierte Prof. Dr. Huige Li, Pharmakologe an der Universitätsmedizin Mainz. Er berief sich auf die Forschungen der beiden Kanadier David Matas und David Kilgour, die im Internet veröffentlicht werden. Diese gehen davon aus, dass allein im Zeitraum der Jahre 2000 bis 2005 etwa 41.000 Gefangenen, die als religiöse Anhänger der Falun-Gong-Bewegung inhaftiert waren, Organe wie Leber und Niere geraubt wurde. Die Opfer wurden bei der Organentnahme getötet. 

Bis heute gibt es überzeugende Anzeichen für diese Praxis. So werben chinesische Fachkliniken, die offenbar Medizintourismus betreiben, im Internet mit der kurzfristigen Verfügbarkeit von benötigten Organen. Passende Spendenorgane, worauf üblicherweise Organsuchende ein bis vier Jahre lang warten müssen, können dort in ein bis zwei Wochen, teils noch schneller, besorgt werden. Aus den im Internet verfügbaren Preislisten geht hervor, dass die Kosten – je nach Organ – zwischen 30.000 und 129.000 US-Dollar liegen.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) nutzte die Pressekonferenz im Kolpinghaus zu einem eindringlichen Appell an Bundeskanlerin Angela Merkel und Außenminister Sigmar Gabriel. Vorstandssprecher Martin Lessenthin fürchtet um Gesundheit und Leben des Menschenrechtsverteidigers Jiang Tianyong. Dieser ist am 21. November wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Zurzeit besteht keinerlei Kontakt zu ihm. Nach Überzeugung von Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, ist der eigentliche Grund für seine Gefangenschaft, dass er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel über Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik gesprochen hatte. Für einen weiteren Anwalt, Gao Zhisheng, der bereits monatelang gefoltert wurde und seit dem 13. August in der Haft „verschwunden“ ist, hat die IGFM bereits eine Unterschriftenaktion initiiert.

Bei der Pressekonferenz beklagte der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius, den Umgang der chinesischen Regierung mit Minderheiten. Seit der Kulturrevolution (1966 bis 1976) sei die Lage in den autonomen Regionen Tibet, Xinjiang und der inneren Mongolei nicht so katastrophal gewesen wie heute.

Li Lan, eine verfolgte Christin, die nach Deutschland geflohen ist, berichtete über die Repressionen des Staates insbesondere gegen Hauskirchen.

Peter E. Müller, Vorsitzender der Lao Gai Research Foundation, berichtete über die massenhafte Zwangsarbeit in China. Die bezaubernden Lichterketten auf den Weihnachtsmärkten seien meist in Zwangsarbeitslagern hergestellt worden. Müller: „Die Volksrepublik China ist eine Großmacht ohne Menschenrechte und entwickelt sich zu einer Bedrohung für die ganze Menschheit.“

 

Nähere Informationen über den Appell an die Bundeskanzlerin und den Außenminister und zum Verschwinden des Bürgerrechtsanwalts in China.

Nähere Informationen bei der IGFM zum Organraub.

Fernsehberichte zum Thema von Frontal 21 bei YouTube sowie von 3Sat bei YouTube.