Yvonne Willicks will alles über den Kaffeeanbau lernen. In der Plantage spricht sie mit Carlos (vorne) und Kaffeeröster Klaus Langen (r.).

Kaffeeblüten

Reife Kaffeekirschen

Die Brüder Otoniel, Ronald, Carlos und Antonio (v.l.) bauen auf ihrer abgelegenen Finca in 1.500 Metern Höhe Kaffee an. Das Kolpingwerk Honduras berät sie beim Anbau und bei der Vermarktung.

Besuch bei der Kolping-Kooperative COCACCAL. Werner Sondermann, Yvonne Willicks und Klaus Langen (v.l.) schauen beim Rösten einer Kaffeeprobe zu.

Ausprobiert! Mit dem Stampfer löst Yvonne Willicks vor dem Rösten die Pergaminhaut vom Rohkaffee.

Die Beratung durch Kolping trägt erste Früchte: Die Kaffeeproduzenden der Kolping-Kooperative COCACCAL zeigen Klaus Langenstolz ihren hochwertigen Kaffee.

Gut investiert: Der Bau von Trocknungstischen und einem Folientunnel lohnt sich. Hier kann der Rohkaffee schnell trocknen. So wird die Bildung von qualitätsminderndem Phenol verhindert.

Kritische Prüfung – Der Kolping-Kaffee ist tatächlich sehr gut. Klaus Langen und...

... Yvonne Willicks überzeugen sich davon bei einer Verkostung.

Traditionell zubereitet: Für ihre Gäste aus Deutschland kochen diese Frauen Kaffee über dem Feuer.

Kolpingmagazin

Kaffee – da steckt schwere Arbeit drin

Wieviel Mühe und Sorgfalt steckt in einem guten Kaffee? Yvonne Willicks hat sich das von den Kaffeebauern im honduranischen Hochland erklären lassen. Und sie kommt zu dem Schluss: "Billig geht gar nicht! Die Menschen haben ein Recht auf faire Preise."

Wer die Kaffeebauern im honduranischen Hochland besuchen will, der muss einen langen und beschwerlichen Weg auf sich nehmen, so wie die Fernsehmoderatorin Yvonne Willicks. Hier im Süden von Honduras, im Departement El Paraíso, in der Nähe der Grenze zu Nicaragua, will sie alles über Kaffee lernen, besonders über den fair gehandelten Kolping-Kaffee, der in Deutschland unter dem Namen „Tatico Nuevo“ vermarktet wird. Von Deutschland aus hat Yvonne Willicks sich auf die Reise begeben. Sie ist gemeinsam unterwegs mit dem Kaffeeröster Klaus Langen, der in Deutschland den Kolping-Kaffee Tatico produziert und vermarktet, und mit Werner Sondermann, der im Diözesanverband Paderborn mitverantwortlich ist für die internationale Partnerschaftsarbeit. Begleitet werden sie vom Nationalsekretär des Kolpingwerkes Honduras, Rufino Rodríguez, und den honduranischen Kolping-Bildungsreferenten. Mit dabei sind indirekt auch die Fernsehzuschauer aus Deutschland, weil Yvonne Willicks hier immer von einem Kameramann begleitet wird. Alles wird aufgezeichnet für ihre Sendungen, die später in Deutschland ausgestrahlt werden.

Von der Stadt Danlí aus, wo sich das Nationalbüro von Kolping Honduras befindet, sind es drei Stunden Fahrt: Erst ein gutes Stück über die Schnellstraße Panamericana, dann über Serpentinen hoch in die Berge und zum Schluss noch eine gute halbe Stunde über einen steilen, ausgewaschenen Weg weiter hoch im Kriechgang mit Allradantrieb und Differenzialsperre. Dann geht es auch mit dem Auto nicht mehr weiter. Von einem kleinen Hof geht es nun zu Fuß über einen äußerst steilen Pfad – weniger als ein Weg – der durch den Regen aufgeweicht und rutschig ist. Für die Besucher aus Deutschland ist das eine echte Herausforderung. Endlich erreichen sie nach anderthalb Stunden die Finca, auf der die Kaffeebauern in der Erntezeit leben und arbeiten. Wer schon mal in den Alpen hoch oben auf einer abgelegenen Alm war, der kann ungefähr erahnen, in was für einer einsamen Gegend die Kaffeeproduzenten hier Kaffee kultivieren. Über den schmalen Pfad tragen die Kaffeebauern in der Erntezeit den Kaffee hinunter ins Tal, jeweils einen Sack Kaffeebohnen auf dem Rücken, jeder ein Quintales (46 Kilo) schwer. Den Weg gehen die Kaffee-Produzenten täglich drei bis vier Mal hinunter und hinauf.

Oben wird die Delegation aus Deutschland empfangen von den vier Kaffeebauern Carlos, Otoniel, Antonio und Ronald und ihren Familien. Die Vier haben noch einen weiteren Bruder und fünf Schwestern. Alle zusammen haben 2004 die Kolpinggruppe „Nuevo Amanecer con las Familias“ gegründet. „Amanecer" heißt übersetzt „Morgendämmerung“. Das passt insofern gut, weil sich mit Kolping ganz langsam ein neues, besseres Leben für die Bauern eröffnete. So wie sie sagen „vergleichbar mit einem Sonnenaufgang, der die Dunkelheit vertreibt“.

Carlos, Otoniel, Antonio und Ronald sind vor zehn Jahren in den Kaffeeanbau eingestiegen. Carlos, mit 39 Jahren der älteste Bruder und Vorsitzender der Kolpingsfamilie, erzählt, wie sie sich anfangs das Geld vom Munde abgespart haben, um die acht Hektar Land zu kaufen und urbar zu machen. Zahlreiche Bäume mussten weichen, Kaffeesträucher gepflanzt werden. Kolping hat die Sträucher damals mitfinanziert.

Die Kaffeefinca der Kolpinggruppe liegt auf 1.500 Metern. „Ideale Bedingungen, um einen sehr guten Hochlandkaffee zu produzieren“, sagt Kaffeeröster Klaus Langen. Der Begriff „Hochlandkaffee“ wird in Deutschland gerne in der Werbung verwendet, und Klaus Langen erklärt, was es damit auf sich hat: An Kaffeesträuchern in tiefer gelegenen Anbaugebieten reifen die Kaffeekirschen nach der Blüte in ca. drei Monaten aus. In Hochlandlagen dauert diese Reifung bis zu sechs Monate. Die Kaffeekirschen haben hier mehr Zeit, aromagebende Inhaltsstoffe zu bilden und in den Bohnen einzulagern, dafür sind aber die hochgelegenen Plantagen oft nur schwer zu erreichen.

Klaus Langen kennt die vier Brüder und ihre Familien seit fünf Jahren, und er freut sich, zu sehen, zu welch guten Ergebnissen die Beratung durch ihn, aber vor allem durch Kolping Honduras bereits geführt hat.
Yvonne Willicks will für die Fernsehzuschauer in Deutschland alles wissen. Sie spricht im Steilhang in der Kaffeeplantage mit Carlos und seinen Brüdern, sie pflückt selber Kaffee, sie interviewt Bildungsreferent Wilmer, sie spricht mit Kaffeeröster Klaus Langen. Und über die Kamera von Kameramann Timo Tafelski sind die Fernsehzuschauer immer ganz nah dabei.

Vor fünf Jahren hat das Kolpingwerk Honduras begonnen, die Kaffeebauern in den Kolpingsfamilien zu beraten. Klaus Langen, selbst Kolpingmitglied im sauerländischen Medebach, erinnert sich an die Anfänge: Die Familien waren immer sehr arm, obwohl sie viel gearbeitet haben. Die Qualität des Kaffees war sehr schlecht, weil niemand die Bauern schulte, und die Zwischenhändler, die so genannten „Kojoten“, hatten nie ein Interesse daran, dass die Bauern mehr Wissen erlangen. Denn ungebildeten Bauern konnten und können sie heute noch den Kaffee zu „unverschämt niedrigen Preisen“ abkaufen. Gebildete Bauern, die hochwertigen Kaffee produzieren und dann auch noch selbstbewusst höhere Preise verlangen? Daran haben die Kojoten überhaupt kein Interesse! Schließlich haben sie die Macht, sie sind das Bindeglied zwischen den Produzenten in den Bergen und den Großhändlern im Tal. Ohne die Kojoten können ungebildete Bauern ihren Rohkaffee nicht verkaufen.

„Anfangs waren die Bauern skeptisch, als wir sie ermutigen wollten, die Produktion umzustellen, damit die Qualität des Kaffees besser wird“, sagt Klaus Langen. Veränderungen sind aufwendig, und sie kosten Geld. „Warum sollen wir anders arbeiten, als unsere Väter und Großväter?“, fragten die Bauern. Doch Nationalsekretär Rufino, so ruhig und zurückhaltend er auch auftritt, hat einen sehr langen Atem und viel Geduld. Kolping steht für Bildung, das hat er verinnerlicht, und dafür steht er. Weltweit ist im Kolpingwerk Bildung immer der Schlüssel für ein besseres Leben. Auch im Team von Rufino arbeiten inzwischen mehrere Bildungsreferenten. Der Agronom Wilmer Nuñez ist ausschließlich für die Betreuung und Schulung der bei Kolping organisierten Kaffeebauern verantwortlich. Er betreut elf Gruppen, von denen er jede alle 14 Tage besucht. Seinen Schreibtisch im Kolpingbüro sieht er nur samstags, wenn er das Arbeitsprogramm für die kommende Woche vorbereitet.

Die Bauern haben die Kaffeebohnen bisher traditionell als Pergamino humido, also als feuchten Pergamino verkauft. Als „Pergamino“ werden die Kaffeebohnen bezeichnet, die noch vom Pergamin, einer ganz dünnen Haut, überzogen sind. Da der Transport aus den Bergen hinunter zu den „Beneficios“, den Weiterverarbeitern, oft mehr als 24 Stunden dauert, wird der Kaffee zu spät getrocknet. Inzwischen haben sich bereits Phenole gebildet, die den Geschmack des Kaffees deutlich beeinträchtigen. Die Qualität wird schlecht, und damit sinkt der Erlös für die Bauern. Deshalb empfiehlt Wilmer allen Produzenten, den Kaffee direkt, noch in den Bergen auf ihren Fincas, zu trocknen. Mittlerweile habe viele Kolpingmitglieder in Trocknungstische, sogenannte „Secadoras“ investiert. Das sind einfache Holzgestelle mit einer Gitterfläche, auf denen die Kaffeebohnen in der Sonne trocknen. Bei Carlos, Otoniel, Antonio und Ronald, stehen diese Tische in einem Folientunnel, der die Trocknung erheblich beschleunigt und den Kaffee vor Regen schützt. Die aus deutscher Sicht einfache, aber für die Produzenten teure Anschaffung rechnet sich, denn dadurch wird die Phenolbildung verhindert, und der Kaffee behält seine gute Qualität.

Bildungsreferent Wilmer berät die Bauern auch bei allen anderen Fragen der Kaffeeproduktion: Bodenbereitung, Saatgutqualität, Düngung, Technik, Finanzierung,Vermarktung; Wilmer, bzw. Kolping Honduras müssen auf alle Fragen Antworten finden.

Am nächsten Tag, beim Besuch der Kolping-Kooperative COCACCAL, in der sich acht Kolpingsfamilien zusammengeschlossen haben, erwartet die Delegation aus Deutschland eine Überraschung: In der Halle der Kooperative lagern 129 Säcke Rohkaffee. Das ist der Teil der Ernte, den Klaus Langen von dieser Kooperative gekauft hat. Von allen bei Kolping Honduras organisierten Kaffeeproduzenten wird er von der aktuellen Ernte 300 Sack kaufen. Das hat er ihnen zugesagt: zu einem fairen Preis, der bei der guten Qualität und dem hohen Arbeitsaufwand der Bauern und ihrer Familien angemessen ist. Den Kaffee hat Langen vorfinanziert, d.h. die Bauern haben vorab schon Geld bekommen, damit sie investieren konnten. „Dafür haben sie jetzt alles gegeben und einen herausragenden Kaffee produziert, auf den sie stolz sein können“, sagt er. Abends im Hotel erzählt er eine kleine Anekdote vom Tag, über die er sich sehr gefreut hat: In der Halle bei COCACCAL hatte er einen jungen Mann gesehen, der mit seiner Frau nochmal in die Halle zurückgegangen war und die Plane von den Kaffeesäcken hochgehoben hat. Er hat stolz auf drei Säcke gezeigt und zu seiner Frau gesagt: „Schau! Hier liegt unser Kaffee!“ Drei Säcke, 138 Kilo Rohkaffee, beste Qualität, die Früchte sorgfältiger Arbeit und zwei stolze Menschen: Klaus Langen ist gerührt als er sieht, wie es die beiden glücklich macht, dass ihre Arbeit über den fairen Handel angemessen gewürdigt wird. „Kaffee ist bei uns viel zu billig“, sagt Klaus Langen.„So werden die Bauern und ihre Familien in den Herkunftsländern ausgebeutet. Denn sie werden für ihre Arbeit nicht angemessen bezahlt. Deshalb kann man als Verbraucher mit gutem Gewissen nur zu fair gehandeltem Kaffee greifen.“

Nach dreieinhalb Tagen in Honduras fasst Yvonne Willicks ihre Eindrücke zusammen: „Die Kaffeeprojekte von Kolping sind total wichtig und weiter förderungswürdig“, sagt sie, „weil das für die Familien hier vor Ort die einzige Chance ist, ihr Leben zu verbessern, ihren Kindern eine gute Schulbildung zu bezahlen und sich selbst weiterzubilden“. Es sei offensichtlich, wie wichtig Bildung und gute Beratung seien. „Und Kolping geht hier in die entlegensten Regionen und kümmert sich um die Menschen; das macht hier sonst niemand!“ Sie vermeide es prinzipiell, radikal für etwas zu werben, sagt sie. „Aber nachdem ich gesehen habe wie schwer es ist, guten Kaffee zu produzieren und wie wichtig die Beratung ist, kann ich nur sagen: Wir müssen fair gehandelten Kaffee kaufen; es gibt überhaupt keine Alternative!“ Als Kolpingschwester findet sie, dass Kolpinger nach Möglichkeit auch Kolpingkaffee kaufen sollten. „Wer das aber nicht möchte, der findet genügend andere fair gehandelte Kaffees im Supermarkt.“ Im Fernsehen wird sie demnächst ausführlich von ihren Erlebnissen berichten und alles, was sie über fair gehandelten Kaffee erfahren hat, erzählen und zeigen.

Und die beiden Kolpinger Klaus Langen und Werner Sondermann überlegen jetzt, wie sie, bzw. Kolping die Kaffeeproduzenten in Zukunft noch besser unterstützen kann. Die bei Kolping organisierten Bauern wissen jetzt, wie sie einen guten Kaffee produzieren können, sie werden selbstbewusster, und sie wollen jetzt auch angemessen für ihren Kaffee bezahlt werden. Für Tatico kann Klaus Langen in diesem Jahr nur 300 Sack Rohkaffee abnehmen, mehr Kapazität hat er als kleiner Röster nicht. Doch Kolping Honduras, Klaus Langen und Werner Sondermann denken schon weiter: „Vielleicht können wir ja auch andere Röster in Deutschland für den guten Kolping-Kaffee aus Honduras begeistern. Dann könnten die Bauern mehr zu vernünftigen Preisen verkaufen.“ Gefordert sind aber auch die Verbraucher, sie müssen verstehen, dass gute Arbeit auch ihren Preis hat. 5,98 Euro für ein Pfund Kaffee ist zu billig. Die Menschen in Honduras, die viel Mühe, Arbeit und Sorgfalt in den Kaffee stecken, können davon jedenfalls nicht leben.

 

Text und Fotos: Georg Wahl