Einwandfreie Zutaten und ein strenges Hygienekonzept: der Saftproduzent Bossavi C. Thierry achtet auf beides und ist damit erfolgreich. Er produziert Fruchtsäfte und verkauft sie an Lebensmittelgeschäfte, Bars und Restaurants. Das Startkapital hat er sich bei der Kolping-Genossenschaftsbank geliehen.

Am Schalter der Kolping-Genossenschaftsbank in Agbanto: Über 2.500 Kunden haben hier Sparbücher. Die Bank vergibt Kredite für einkommensschaffende Maßnahmen.

Sparbücher

Solange handelt mit Yamswurzeln. Bildungsreferent Barnabé berät sie bei Fragen zur Unternehmensführung.

Vignon Alice führt Marcellin Djanato (2.v.r.) über ihren Hof. Sie produziert Palmöl. Mit einem Kredit der Kolping-Bank konnte sie Maschinen kaufen und die Produktion ausweiten.

Ahinon Rosalie produziert und verkauft Tofu. Mit einem kleinen Kredit hat sie die ersten Zutaten bezahlt.

Mitglieder der Kolpingsfamilie Tankpa haben in Schüsseln investiert. Damit tragen sie Maisbreikugeln zum Markt.

Donou Prosper produziert Palmöl. Den Kauf der Maschinen hat er mit einem Kolping-Kredit finanziert, den er innerhalb von zwei Jahren zurückgezahlt hat.

Auch aus den Nachbarländern Togo und Nigeria rufen ihn Händler an und kaufen bei ihm ein.

Der Palmölproduzent Donou Prosper gibt bis zu 15 Menschen Arbeit.

Leistungsfähige Palmölmühlen ersetzen die mühsame Handarbeit.

Kolpingmagazin

Gut investiert!

Wer Kolping in Benin besucht, der lernt auch erfolgreiche Unternehmer kennen. Kredite der Kolping-Genossenschaftsbank und die passende Unternehmensberatung machen vieles möglich.

Straßenschuhe sind nicht erlaubt; Händewaschen und das Tragen von Kopfhauben sind Pflicht. Wer das nicht befolgt, den lässt Bossavi C. Thierry nicht ins Haus. Seine Anforderungen an die Hygiene sind streng. Von außen sieht das Gebäude im Süden Benins aus wie ein typisches Wohnhaus .Doch innen, im ersten Raum, ist der Boden voll mit ordentlich aufgereihten und nach Farben sortierten Flaschen. Vor einer Wand des Raumes stehen glänzend polierte Geräte aus Edelstahl. Bossavi C. Thierry hat hier seine Saftfabrik eingerichtet. Der gelernte Landwirt hat sich in seiner Ausbildung auch mit der Saftherstellung befasst. Hochwertige, gesunde und schmackhafte Fruchtsäfte will er herstellen. Der Markt ist da, man muss ihn sich nur erschließen. Das hat der Jungunternehmer erkannt, und er hat auch die Kolping-Genossenschaftsbank Benin (KMB) von seinen Plänen überzeugt. Sie hat die guten Chancen seiner Geschäftsidee gesehen und ihm im Jahr 2014 einen ersten Kredit als Startkapital gegeben. Das geliehene Geld konnte Thierry innerhalb der vorgegebenen Zweijahresfrist zurückzahlen. Demnächst wird er einen weiteren Kredit beantragen, um seinen Betrieb auszubauen.

Bossavi C. Thierry betont ausdrücklich, dass seine Firma nur naturreine Säfte ohne Zusätze herstellt, – kein Wasser, kein Zucker, keine Konservierungsstoffe. Der Saftproduzent beschäftigt mittlerweile sechs Angestellte. Sie reinigen die angelieferten Früchte und Zutaten, wie Ananas, Ingwer, Karotten, Baobab, draußen auf dem Waschplatz. Anschließend pressen sie die Früchte aus und filtern den so gewonnenen Saft, bevor sie ihn über einem Holzkohlefeuer auf 80 Grad erhitzen. Danach füllen sie den Saft im Haus in vorher sterilisierte Flaschen, die mit Kronkorken verschlossen werden. Nachdem sie die Flaschen von Hand etikettiert haben, werden jeweils sechs zusammen verkaufsfertig in Folie gepackt.

Die Gründungsgeschichte der Kolping-Genossenschaftsbank beginnt mit einer Initiative der Kolpingsfamilie Agbanto. Zehn Mitglieder haben damals jeden Monat jeweils einen kleinen Geldbetrag in eine gemeinsame Kasse bezahlt. Wenn genug Geld in der Kasse war, haben sie es einem Mitglied ihrer Spargruppe als Kredit gegeben – mit Rückzahlungspflicht zuzüglich Zinsen innerhalb eines festgesetzten Zeitraumes .Dieses einfache Sparsystem – Tontine genannt – haben andere Kolpingsfamilien übernommen. Daraus entstand auf Verbandsebene die Idee, eine Kolping-Bank zu gründen. Mit Erfolg: Im Mai 2016 hatte die Bank 2.540 Genossenschaftsmitglieder, davon 2.260 Kolpingmitglieder. In der Hauptgeschäftsstelle in Agbanto sind zurzeit sieben Mitarbeiter angestellt. Vor drei Jahren wurde eine erste Zweigstelle in der Hauptstadt Porto-Novo eröffnet. 2015 folgte der Bau einer weiteren Filiale in Abomey. Eine dritte Filiale wird demnächst in Dassa-Zoumé neben der Kathedrale eröffnet. Kunden zahlen 2.000 CFA-Franc für die Kontoeröffnung. Die Mindesteinlage beträgt 9.000 CFA-Franc. Zunächst können Bankkunden nur kleine Kredite aufnehmen, bis maximal 300.000 CFA-Franc (457 Euro). Oft werden von Neukunden nur Kleinstkredite von 10 bis 20.000 CFA-Franc (15 bis 30 Euro) angefordert. Nur Genossenschaftsmitglieder, die kleine Kredite verlässlich zurückgezahlt haben ,können später größere Kredite bis maximal zwei Mio. CFA-Franc (3.050 Euro) bekommen. Die Genossenschaft wird von einem Vorstand geführt; ein Kontrollgremium ist verantwortlich für die Überprüfung der von den Antragstellern eingereichten Projektbeschreibungen und für die Bewilligung der Kredite. Ein drittes Gremium kontrolliert, ob die Projekte ordnungsgemäß durchgeführt wurden.

Die Kreditvergabe ist eng verbunden mit der Bildungsarbeit des Kolpingwerkes Benin. Kredite gibt es nur für überzeugende, erfolgversprechende Anträge. Kolpingmitglieder, die in irgendeiner Form unternehmerisch tätig werden wollen, und das sind sehr viele, brauchen Beratung. Die bietet ihnen das Kolpingwerk Benin. Bildungsreferenten besuchen regelmäßig die Kolpinggruppen in ihrer Region. Sie führen vor Ort Schulungen durch, und sie laden auch zu mehrtägigen Schulungen in die Zentrale des Kolping-Nationalverbandes in Abganto ein. Dort werden unter anderem Kurse angeboten zur Unternehmensführung, zu Buchhaltung und zu Tierzucht, Acker- und Gemüsebau.

Solange (50) erzählt bei einem Besuch, wie sie mitHilfe des Kolpingwerkes zur Unternehmerin geworden ist. Sie hat an vielen Kursen teilgenommen, unter anderem zur Unternehmensführung. Solange ist 50 Jahre alt, verheiratet und hat sechs Kinder im Alter von 11 bis 28. Auf ihrem Esstisch liegt ein unscheinbares DIN-A5-Heft. Die Seiten hat sie mit Linien in Spalten und Zeilen unterteilt. Früher habe sie nur viel gearbeitet, ohne die Kosten im Blick zu haben. Die Einkünfte hätten nie gereicht. Jetzt schreibt sie alles auf, sie hat den Überblick und weiß so genau, bei welchen Positionen sie sparen sollte und was sie mindestens an Verkaufserlösen erzielen muss, um mit Gewinn zu arbeiten. Die Unternehmerin handelt mit Ackerbauprodukten, vor allem mit Yams und Mais. Sie schließt mit Bauern Verträge zu festen Preisen ab, d. h. bei der Aussaat bzw. Pflanzung weiß sie schon, wieviel sie pro Zentner des Ernteertrages bezahlen wird. Die Ernte lagert sie in trockenen Räumen auf ihrem Hof ein und beobachtet dann den Markt. Mit ihrem Mobiltelefon informiert sie sich täglich auf den Märkten ihrer Region. Sind die Preise gut, mietet sie einen oder zwei Kleinbusse mit Fahrer und fährt zum Markt. Für die Fahrt nach Cotonou benötigt sie mindestens einen halben Tag. Am nächsten Tag verkauft sie ihre Ware auf dem Markt und fährt am dritten Tag zurück. Für einen Transporter mit Fahrermuss sie 70.000 CFA-Franc (106 Euro) bezahlen. Doch wenn sie eine Leerfahrt erwischt, kostet sie das nur 25.000 CFA-Franc (38 Euro). Vielleicht kann sie sich irgendwann mit einem Kredit der Kolping-Bank einen gebrauchten Transporter kaufen, mit dem sie dann selbst zum Markt fährt. Dann könnte sie die Ausgaben weiter reduzieren.

Palmölproduzent Donou Prosper ist inzwischen so gut im Geschäft, dass er nicht mehr zum Markt fahren muss. Die Kunden kommen inzwischen zu ihm auf den Hof. Die Absprachen laufen über sein Mobiltelefon. Händler rufen bei ihm an; und wenn Menge, Qualität und Preis passen, dann reisen sie sogar aus den Nachbarländern Togo und Nigeria an, um bei ihm einzukaufen. Die Palmölproduktion in Benin unterscheidet sich grundlegend von der inzwischen kritisierten Massenproduktion. Weltweit werden riesige Waldflächen abgeholzt, um so Platz für Palmölplantagen zu schaffen, mit gravierenden Folgen für die Umwelt. In Benin sind die Ölpalmen dagegen Bestandteil einer Mischkultur. Die Exportmengen sind gering; das Öl wird auf den regionalen Märkten bzw. an grenznahe Händler in den Nachbarländern verkauft.

Donou Prosper hat kürzlich einen weiteren Kredit, 1,5 Mio. CFA-Frank (2.290 Euro), von der Kolping-Bank bekommen, um sein Unternehmen auszubauen. Aus deutscher Sicht sieht seine Firma sehr einfach aus: eine kleine generatorbetriebene Presse auf zwei Rädern, zwei Betonbecken zum Waschen der Palmölkerne, alte Öltonnen über offenem Feuer, Körbe, die als Siebe genutzt werden. Doch der Eindruck täuscht: Donou Prosper ist ein wichtiger Arbeitgeber in seinem Dorf. Bis zu 15 Menschen arbeiten für ihn und können so für ihre Familien sorgen.

Kolpingsfamilie vergibt Kleinstkredite

Neben den erfolgreichen Geschäftsleuten, die mit Krediten der Genossenschaftsbank Unternehmen aufgebaut haben und mehreren Menschen Arbeit geben, sind die Sparaktivitäten in den 142 Kolpingsfamilien Benins bemerkenswert. Das Sparen ist ein wichtiger Bestandteil ihres Programms. Und die Bildungsreferenten achten darauf, dass die Gruppen Geld zurücklegen. Das ist für die Menschen nicht einfach: Die meisten sind arm, und das wenige Geld ist schnell ausgegeben. Grundnahrungsmittel, Schulgeld, Medikamente. Meistens reicht das Geld nicht für alles. Trotzdem ermutigen die Referenten zum Sparen, und sie helfen den Menschen das Ersparte so zu investieren, dass sie mehr Geld verdienen können. Beispielhaft wird hier die Kolpingsfamilie Tankpa vorgestellt, bei der mehrere Varianten des Sparens parallel laufen. Die Gruppe spart nach den Regeln der Tontine: Alle Mitglieder zahlen pro Monat 1.000 CFA-Franc (1,50 Euro) in die Gemeinschaftskasse. Daraus werden Kredite an die Mitglieder bzw. an Untergruppen vergeben, mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent. Fünf Untergruppen gibt es zurzeit: Eine Frauengruppe verkauft gekochten Maisbrei, portionsweise verpackt in frischen Blättern. Eine zweite Frauengruppe stellt aus Soja Tofu in verschiedenen Geschmacksrichtungen her. Eine dritte Gruppe handelt mit Getreide und Palmöl, die vierte vermietet Plastikstühle und Tische für Feste, und die fünfte Gruppe stellt Bastmatten her und verkauft diese auf dem Markt. Da die Geschäfte inzwischen erfolgreich laufen, hat die Kolping-Bank Kredite für weitere Investitionen bewilligt. Zum Beispiel hat die Händlergruppe mit einem Kredit sehr günstig Getreide und Palmöl eingekauft und beides dann in einer Hochpreisphase verkauft. Zusätzlich ist jedes Mitglied der Kolpingsfamilie verpflichtet, monatlich 1.500 CFA-Franc auf ein eigenes Konto einzuzahlen. Das Geld zahlt die Kolpingsfamilie am Jahresende aus. Zusammen mit einem Kredit der Genossenschaftsbank sind so größere Anschaffungen möglich, z. B. für eine Nähmaschine oder für Blechschüsseln, mit denen Ware zum Markt getragen wird.

Aus der Gemeinschaftskasse der Kolpingsfamilie wird auch die Hilfe für bedürftige Gemeindemitglieder bezahlt; das soziale Engagement gehört auch in Benin zum Selbstverständnis der Kolpingsfamilien. Sie besuchen nach dem Sonntagsgottesdienst alte und kranke Menschen, und sie kaufen für bedürftige Menschen Grundnahrungsmittel und Medikamente. Da die Mitglieder, wie oben beschrieben, selbst nur wenig Geld haben, spenden sie oft Produkte, die sie selbst herstellen, z. B. Palmöl. Die Gruppe verkauft diese Produkte und zahlt das Geld in die Gemeinschaftskasse.

Sparen hat im Übrigen eine lange Tradition im Kolpingwerk. Schon Adolph Kolping hat sich in seinen Schriften oft zur Notwendigkeit des Sparens geäußert. Im Gesellenverein Köln gründete er 1853 die erste Vereinssparkasse. Später wurden auch in anderen Gesellenvereinen Sparkassen gegründet. Bei ihren regelmäßigen Treffen im Vereinshaus haben die Mitglieder des Gesellenvereins kleine Sparbeträge eingezahlt. Später richteten Gesellenvereine auch Bürgschafts- und Kreditgenossenschaften ein.

 

PROJEKT DES MONATS
Palmölgewinnung in Benin
Durch Kleinkredite, Schulungen und ein Kleinviehprogramm hilft Kolping International den Bauern in Benin, ihre landwirtschaftliche Produktion zu verbessern. Neue Maschinen sowie technische Weiterbildungen sollen nun den Frauen bei ihrer Gewinnung von Palmölhelfen. Seit Jahrzehnten wird im Süden Benins aus den Früchten der Ölpalme rotes Palmöl gewonnen. Traditionell geschieht das mit einfachen Mitteln: In einem Bottich stampfen die Bäuerinnen das Fleisch der walnussgroßen Früchte mit ihren bloßen Füßen. Diese Methode ist äußerst anstrengend – und zudem unhygienisch. Seit 2011 betreibt Kolping Benin in den Diözesen Porto-Novo, Lokossa und Cotonou daher ein Mikrofinanzprojekt, das eine hygienischere und leichtere Palmölproduktion ermöglicht. Dank Kleinkrediten konnten sich bereits 20 Kolpingsfamilien Ölpressen anschaffen, die sauber und ohne Mühen das Palmöl produzieren. Nun wollen fünf weitere Dörfer Ölpressen erwerben. Dringend nötig sind auch technische Schulungen. Denn eine Evaluierung hat ergeben,dass viele Kreditnehmer nicht in der Lage sind, ihre Geräte zu reparieren, wenn sie mal kaputt gehen. Für diese Weiterbildungen bitten wir Sie herzlich um Ihre Spende!
Dieses Projekt und vergleichbare können Sie unterstützen, Stichwort „PM-Palmöl Benin“: Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerkes e.V., DKM Darlehenskasse Münster, IBAN DE744006 0265 0001 3135 00, BIC: GENODEM1DKM
Informationen zum Projekt und zu Spendenmöglichkeiten finden Sie unter www.kolping.net
Fragen beantworten die SEK-Mitarbeiter gerne auch telefonisch unter (0221) 77 880-37.

 

Text und Fotos: Georg Wahl