Fee-Aurora (links) und Hannah (rechts) wollen mit ihrem Projekt „Zero Waste & No Plastic“ Kinder und Jugendliche dazu anhalten, weniger Müll im Alltag zu produzieren.

Tabea (3. von links) und das Jugendteam der Kolpingjugend im Diözesanverband Limburg haben einen Wettbewerb zum Kochen mit möglichst wenig Abfall ins Leben gerufen.

Die beiden Mädels von „Zero Waste & No Plastic“ geben Seminare in Schulen und Jugendgruppen.

Kolpingmagazin

Eine Kampfansage an den Müll

Jeder Deutsche produziert im Jahr rund 500 Kilogramm Müll. Damit schneiden wir deutlich schlechter ab als die meisten unserer europäischen Nachbarn. Leben wir in einer Wegwerfgesellschaft?

Tonne auf, Müll rein, Klappe zu. Kaum irgendwo anders ist Müllentsorgung so bequem wie in Deutschland. Doch das hat nicht nur Vorteile. So sehen wir im Alltag meistens nicht, was mit unserem Müll passiert, sobald er im Müllauto verschwindet. Das führt dazu, dass wir immer gedankenloser konsumieren. Ein Beispiel gefällig? Bei vielen Jugendlichen gehört es mittlerweile zum guten Ton, immer das neueste Smartphone zu besitzen. Das alte Handy wird dann häufig ausrangiert, obwohl es noch wunderbar funktioniert. Dabei vergessen wir, wie viel Arbeit und Ressourcen in Produkten stecken und dass unser Müll eine große Belastung für die Umwelt ist. Denn Abfallprodukte sind oftmals nicht besonders nachhaltig, und ihre Entsorgung schadet der Natur.

Wann ist etwas nachhaltig?

Doch was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich genau? „Für mich ist etwas nachhaltig, wenn es einen langfristigen Nutzen hat“, sagt Hannah Bornemann aus Bonn. Die 17-Jährige muss es wissen, denn zusammen mit ihrer Freundin Fee-Aurora Winkler hat sie unter dem Titel Zero Waste & No Plastic ein Projekt ins Leben gerufen, das Schüler frühzeitig dazu anhält, weniger Müll zu produzieren. Tatsächlich stammt das Wort Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft und bezeichnet die Idee, höchstens so viele Bäume zu fällen, wie neue angepflanzt werden können. Im übertragenen Sinne heißt das: Damit auch in Zukunft genügend Ressourcen vorhanden sind, müssen wir heute achtsam mit ihnen umgehen.

„Wir müssen den Planeten für unsere Nachfahren in Ordnung halten“, sagt auch Fee-Aurora aus Remagen. Die 17-Jährige sieht hier eine klare moralische Verpflichtung, bei der das Einsparen von Müll nur ein einzelner Aspekt ist. „Trotzdem ist das Thema Müll etwas, bei dem jeder Einzelne anpacken kann.“ Es störe sie, dass Umweltschutz zwar in aller Munde sei, man jedoch kaum etwas über konkrete Handlungsmöglichkeiten lerne. Genau das wollen die beiden Schülerinnen ändern. In ihrem Bildungs- und Aktionsprojekt schaffen sie deshalb zuerst eine verlässliche Wissensgrundlage für die Kinder und Jugendlichen. Daran anschließend gibt es dann aber auch Empfehlungen, wie man unnötigen Müll im alltäglichen Leben vermeiden kann.

Ansetzen wollen die beiden vor allem an der großen Lücke, die oftmals zwischen Bewusstsein und tatsächlichem Handeln besteht. „Jeder weiß, dass wir eigentlich dringend etwas tun müssten, aber kaum jemand ändert wirklich was in seinem Leben“, sagt Hannah. Und das liegt laut Fee-Aurora vor allem daran, dass man auf große Veränderungen meistens schlichtweg keine Lust habe. Dabei muss man sich gar nicht zwangsweise einschränken. Es gibt nämlich viele Dinge in unserem Alltag, die wir ohne große Mühe ändern können und dabei gleichzeitig für mehr Nachhaltigkeit sorgen.

Im Zentrum von Zero Waste & No Plastic steht dabei vor allem Plastikmüll, weil dieser biologisch besonders schwer abbaubar ist. Bis Plastik komplett zersetzt ist, werden die Partikel immer kleiner und können in die Meere und ins Grundwasser gelangen. Damit schadet Plastikmüll nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum sich die Menschen darüber nicht stärker aufregen“, sagt Hannah. Trotzdem möchte sie den Jugendlichen keinen erhobenen Zeigefinger vorhalten. „Schließlich kann die junge Generation von heute nichts dafür, dass da in der Vergangenheit viel falsch gemacht wurde“, gibt Fee-Aurora zu bedenken. Ausbaden müsse man das Problem aber trotzdem.

Belohnung für den Fleiß

Für die Aufklärungsarbeit in puncto Müll nehmen sich Hannah und Fee-Aurora Zeit, obwohl sie selbst mit großen Schritten auf das Abitur zugehen. Um Seminare in anderen Schulklassen halten zu können, müssen sich die beiden sogar oftmals vom eigenen Unterricht freistellen lassen. „Das nehmen wir aber gerne in Kauf, denn das Thema liegt uns sehr am Herzen“, versichert Hannah. Für das Engagement in Kooperation mit ihrem Mentor Frank Rösl vom Deutschen Krebsforschungszentrum haben die beiden mittlerweile sogar schon einen Preis gewonnen: Die Evangelische Akademie der Pfalz hat sie mit dem Jugendpreis für engagierte Querdenker ausgezeichnet.

Auch im Kolpingwerk ist Umweltschutz ein großes Thema. Denn als Christen spüren wir die Verpflichtung, durch unser persönliches Handeln einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten. So hat auch der Diözesanverband Hildesheim einen entsprechenden Schwerpunkt gelegt: „Wir möchten unsere Mitmenschen dazu anhalten, ihr Einkaufsverhalten zu überdenken“, erzählt Rolf-Michael Schulze aus dem Arbeitskreis Bewahrung der Schöpfung. Momentan laufe beispielsweise eine Kampagne, in der örtliche Kolpingsfamilien ihre Supermärkte auf den Umgang mit Plastik ansprechen. „Eine Plastiktüte an der Gemüsetheke wird von uns zehn Minuten lang benutzt, benötigt aber 500 Jahre, bis sie nach der Entsorgung komplett zersetzt ist.“ Das Verhältnis stimme doch hinten und vorne nicht.

Zu viel Plastik im Supermarkt

Die Idee für die Aktion kam auf, als ein Supermarkt in Hildesheim von heute auf morgen nur noch abgepackten Käse an der Käsetheke verkaufte. „Daraufhin habe ich einen Brief an die Marktleiterin geschrieben und auf die Umweltproblematik hingewiesen. Der Brief war kaum abgegeben, da klingelte auch schon mein Telefon“, erinnert sich Rolf-Michael. Der Supermarkt begründete die Entscheidung damit, dass die Studenten der nahegelegenen Uni nun mal ausschließlich abgepackte Ware kaufen würden. „Ich denke schon, dass die jungen Menschen ein grundsätzliches Bewusstsein für die Problematik haben. Der schnelllebige Alltag im Studium führt aber wohl dazu, dass abgepacktes Essen manchmal einfacher ist“, sagt Rolf-Michael. Neben einer allgemeinen Sensibilisierung für das Thema in den Kolpingsfamilien, sei dies aber auch mal ein Anlass, um direkt mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen.

An diesem Punkt hat auch die Kolpingjugend im Diözesanverband Limburg angesetzt und einen Wettbewerb zum Kochen mit möglichst wenig Abfall ins Leben gerufen. „Die Jugendlichen sollen ein Drei-Gänge-Menü zaubern und beim Einkauf bewusst darauf achten, wie viel Müll wir schon für ein einzelnes Essen produzieren“, erklärt Jugendbildungsreferentin Tabea Eberl. Basierend auf den Erfahrungswerten der Jugendlichen wurde dafür sogar eine eigene Einheit entwickelt: 1 MWK (Müllwert nach Kolping) = 1xGlas + 5xPapier + 5xMetall + 7xPlastik. Die Gewichtung in der Formel kommt zustande, weil sich die Verpackungsmaterialien in puncto Nachhaltigkeit voneinander unterscheiden. So ist Plastik natürlich viel weniger nachhaltig als Glas oder recyclebares Papier.

„Beim Einkaufen für den Wettbewerb sind die Jugendlichen auf viele neue Alternativen gestoßen. Sie haben zum Beispiel in verpackungsfreien Läden eingekauft oder an der Fleischtheke mitgebrachte Dosen benutzt“, erzählt Tabea. Dies sei wegen der strengen Hygienevorschriften in deutschen Supermärkten jedoch nicht immer so einfach gewesen. Während das Jugendteam beim Testdurchlauf noch 1392 MWK für das Essen verbrauchte, schaffte es eine der teilnehmenden Jugendgruppen, fast ganz ohne Müll zu kochen. „Natürlich ist das im alltäglichen Leben eher unrealistisch, aber zumindest konnten wir so zum Nachdenken anregen“, fasst Tabea den Wettbewerb zusammen. Es sei eben wichtig, das Ganze einmal komplett in der Praxis durchzuspielen.

Sich selbst herausfordern

Das sehen auch Hannah und Fee-Aurora so. Deshalb vereinbaren die beiden am Ende jedes Seminars von Zero Waste & No Plastic eine Art Selbstverpflichtung mit den Schülern. „Die einen verpflichten sich, nur noch mit Stoffbeuteln einkaufen zu gehen. Die anderen möchten in Zukunft auf Coffee to go-Becher verzichten“, erzählt Hannah. So könne man die Welt zumindest im Kleinen verbessern. Vielleicht gibt es ja auch in Deinem Leben etwas, das Du ganz einfach ändern kannst? Dann sag dem Müll den Kampf an!

Text: Franziska Völlinger
Fotos: Barbara Bechtloff, privat


Weniger Müll kann so einfach sein!

X-Mag gibt Dir zehn Tipps, wie Du im Alltag ohne großen Aufwand weniger Abfall produzierst. So kann wirklich jeder etwas für die Umwelt tun!

Tipp 1: Plane Deinen Einkauf! Wer mehrmals in der Woche und konkret nach Bedarf einkaufen geht, wirft weniger weg. Einkaufsliste und Speiseplan können dabei nützliche Hilfsmittel sein.

Tipp 2: Vermeide Plastik! Trage Deine Einkäufe im eigenen Stoffbeutel nach Hause und verpacke nicht jedes Gemüse einzeln in Plastiktüten. Kaufe generell lieber Produkte, die weniger stark verpackt sind.

Tipp 3: In vielen deutschen Städten gibt es sogenannte Unverpackt-Läden, in denen Du Lebensmittel in mitgebrachte Behältnisse abfüllen kannst. So kannst du genau die Mengen kaufen, die Du auch wirklich brauchst. Dadurch sparst Du nicht nur die Verpackung, sondern auch bares Geld!

Tipp 4: Achte vor allem bei Getränken darauf, Mehrwegflaschen zu kaufen. Eine Glas-Mehrwegflasche kann zum Beispiel bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden und hat somit eine Lebensdauer von fast sieben Jahren. Eine nachhaltige Angelegenheit.

Tipp 5: Vermeide Essensabfälle, indem Du Produkte richtig lagerst und auch aus übrig gebliebenen Lebensmitteln ein leckeres Restegericht zauberst. In der App „Zu gut für die Tonne“ findest Du beispielsweise Rezeptideen und nähere Infos zur Haltbarkeit von Lebensmitteln.

Tipp 6: Auch unterwegs lässt sich Müll leicht vermeiden! Lege Dir dafür einen wiederverwendbaren Kaffeebecher und eine schöne Wasserflasche zu. In vielen Läden bekommst Du sogar Rabatt, wenn Du einen eigenen Kaffeebecher dabei hast. Nachfragen lohnt sich!

Tipp 7: Werde Papiersparer! Trotz voranschreitender Digitalisierung steigt in Deutschland Jahren der Papierverbrauch. Überlege lieber zwei Mal, bevor Du etwas ausdruckst und benutze recyclebares Papier – auch auf der Toilette. 

Tipp 8: Richtige Mülltrennung ist wichtig – auch bei Sondermüll wie Batterien und Glas-Abfall! Schon eine einzige grüne Flasche kann 500 Kilogramm Weißglas verfärben!

Tipp 9: Sharing is caring! Um den neuen Schrank aufzubauen, müsstest Du extra einen Schraubenzieher kaufen? Frag doch mal bei Freunden nach, ob Du die Werkzeugkiste ausleihen kannst.

Tipp 10: Muss das wirklich schon in die Tonne? Gegenstände möglichst lange zu verwenden, reduziert Abfall. Dazu gehört neben der pfleglichen Behandlung auch reparieren oder gebraucht kaufen!