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Die Zukunft Afrikas

Gastkommentar von Gerd Müller (CSU) im neuen Kolpingmagazin

Gerd Müller (CSU) ist seit Dezember 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Im neuen Kolpingmagazin (Ausgabe 5-6/2017), das in der nächsten Woche erscheint, liefert er anlässlich des Afrikajahrs 2017 einen Kommentar zum „Marshallplan mit Afrika“:

„Afrika ist ein Kontinent der Chancen und Herausforderungen. Etwa die Hälfte der 20 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften liegt in Afrika. Zugleich leiden dort mehr als 230 Millionen Menschen an Hunger. Um gemeinsam Chancen zu nutzen und Herausforderungen zu bewältigen, brauchen wir eine völlig neue Zusammenarbeit. Wir brauchen eine Partnerschaft auf Augenhöhe, einen Marshallplan mit Afrika und nicht für Afrika.

Dabei geht es nicht um mehr Geld. Afrika braucht eine Stärkung der eigenen Entwicklungskräfte. Nicht einfach mehr Investitionen sind angesagt, sondern mehr Wertschöpfung vor Ort. Afrika ist nicht geholfen, wenn es Lieferant von Rohstoffen bleibt, die woanders weiter verarbeitet werden. Entwicklung kann nicht funktionieren, wenn zum Beispiel vom Verkaufspreis einer Tafel Schokolade nur fünf Cent bei den afrikanischen Kakaoproduzenten ankommen. Das bedeutet aber auch: Wir müssen uns ändern, unsere Konsumgewohnheiten hinterfragen und zum Beispiel vermehrt Produkte aus fairem Handel kaufen.

Wir brauchen einen Neuanfang in der Zusammenarbeit. Wir werden gezielt mit jenen Staaten intensiver zusammenarbeiten, die sich für eine gute Regierungsführung und die Bekämpfung der Korruption einsetzen. In der „Agenda 2063“ hat die Afrikanische Union sich übrigens selbst diese Ziele gesetzt.

Vor Ort wollen wir unsere Partner gezielt beim Aufbau eigener Industrien, der Ausbildung von Fachkräften und der Förderung von Unternehmen stärken. Dabei müssen wir vor allem auch an die Qualifizierung von Mädchen und Frauen denken. In Ghana ist es uns zum Beispiel schon gelungen, den Frauenanteil bei den Absolventen in der Elektrotechnik in den vergangenen fünf Jahren von zwei auf rund 30 Prozent zu erhöhen.

Mit den Eckpunkten für einen Marshallplan mit Afrika will ich einen ersten Anstoß geben für einen gemeinsamen, neuen Weg für eine Zusammenarbeit mit unserem Nachbarkontinent. Diesen Weg müssen wir uns gemeinsam mit unseren afrikanischen Partnern erarbeiten.

Das Afrikajahr 2017 bietet hierzu die besten Voraussetzungen. Die G20 setzen unter deutscher Präsidentschaft erstmals einen Schwerpunkt auf Afrika. Die Europäische Union und die Afrikanische Union vertiefen auf einem gemeinsamen Gipfel im Herbst die Zusammenarbeit weiter. Wir alle wissen: Die Zukunft Afrikas ist auch die Zukunft Europas.“

Foto: Michael Gottschalk/photothek.net (BMZ)