Stefanie Wondra ist stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Schönwald. Sie begrüßt alle Anwesenden beim Open-Air-Kino-Event am Rathausplatz in Schönwald.

Stefanie Wondra

Unter freiem Himmel "Zoomania" schauen in Schönwald.

Anpacken, gemeinsam etwas schaffen: Ein Leben ohne Ehrenamt kann Stefanie sich nicht vorstellen.

Spiel und Spaß für die Kleinsten beim Jubiläumsfest.

Sandra Schröder engagiert sich in ihrer Freizeit in der Familienarbeit der Kolpingsfamilie Gersthofen.

Beim Kolping-Spielplatzjubiläum der Kolpingsfamilie Gersthofen war alles schön orangefarben geschmückt.

Kolpingmagazin

Das Glück liegt im Ehrenamt

Etwas mit anderen für andere schaffen: Ohne das Ehrenamt sähe die Welt trauriger aus. Dass dabei auch pures Glück für die ehrenamtlich Tätigen mit entsteht, können die drei Kolpingmitglieder Stefanie Wondra, Sandra Schröder und Kurt Köhlnberger bezeugen.

"Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergebens warten."
Pearl S. Buck, Nordamerikanische Erzählerin, Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin

Wer an grantige, griesgrämige, geldgierige Geizhälse denkt, landet schnell bei Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte. Dieser grummelige Typ, dem erst drei Geister vor Augen führen müssen, was im Leben wirklich wichtig ist. Oder man denkt an den skrupellosen Kapitalisten Dagobert Duck, die mit Abstand unsympathischste aller Komik-Enten. Aber nicht nur in der Fiktion, sondern auch in der Realität erscheinen reiche Menschen nicht zwangsläufig als die Glücklichsten, die Grundabsicherung zum Leben einmal vorausgesetzt. Was aber ist wirklich wichtig im Leben? Was macht Glück aus?

„Es muss nicht unbedingt ein Batzen Geld sein, es gibt viel wichtigere Dinge“, sagt auch Stefanie Wondra. Stefanie ist 29 Jahre alt, Kolpingmitglied und stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Schönwald im Diözesanverband Regensburg. „Lange zu leben, gesund zu sein, Familie zu haben, finanziell abgesichert zu sein – das bedeutet Glück – und das kleine Glück, das sich überall wiederfindet: Im Lachen der Kinder, in der Freude anderer, wenn man für sie da ist“, führt Sandra Schröder aus. Sandra Schröder ist 40 Jahre alt und Mitglied im Vorstand der Kolpingsfamilie Gersthofen im Diözesanverband Augsburg. Sie leitet dort die Familienkreise und ist selbst Mutter dreier Kinder. Der ehrenamtliche Familienreferent Kurt Köhlnberger aus der Kolpingsfamilie Osterhofen im Diözesanverband Passau bestätigt es ebenfalls: „Im Ehrenamt habe ich mein Glück gefunden.“ Wie kommt das?

Wachstum undBeziehungen

Dieses kleine Glück, das jenseits von Zufallsglück oder „Glück haben“ liegt, wird in der Glücksforschung als „subjektives Wohlbefinden“ bezeichnet. Es geht dabei um Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, um mehr positive als negative Gefühle, was sich auch auf die Gesundheit auswirkt. Negative Gefühle können natürlich nie ganz verschwinden, aber man kann selbst beeinflussen –mit der inneren Einstellung – dass die positiven überwiegen. „Glück entlastet das Immunsystem, das heißt: Wir sind gesünder und leben länger“, so Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel von der Technischen Hochschule Nürnberg. Dafür käme es auch darauf an, welche Ziele man sich setze. Für das Wohlbefinden besonders werthaltige Ziele seien diejenigen, die sich mit persönlichem Wachstum, sozialen Beziehungen und Beiträgen für die Gesellschaft befassten. Ruhm, das große Geld, Beliebtheit münden oft in unrealistische Vorstellungen und tragen kaum zum subjektiven Wohlbefinden bei. Ruckriegel stellt fest: „Neben der Erwerbsarbeit ist das Ehrenamt wichtig, denn man kann damit Zeit sinnvoll nutzen – und zwar eigenbestimmt.“

Ein sommersonniger Freitagabend: In der Innenstadt von Schönwald brummt es zunehmend. Das Open-Air-Kino der Kolpingsfamilie Schönwald startet gleich. „Das ist eine Tradition, die unser Vorsitzender begründet hat und die wir fortführen“, sagt Stefanie Wondra. Zwei Mal im Jahr wird auf dem Rathausplatz ein Film gezeigt. Stefanie hat das Event, das wegen Unwetters um zwei Wochen verschoben werden musste, mit organisiert. Nun trägt sie Bierbänke, organisiert den Imbiss, spricht mit dem einen, dann mit dem anderen Gast und wirkt dabei völlig tiefenentspannt. Stefanie hatte klassisch mit ihrem Ehrenamt begonnen: Sie nahm am alljährlichen Zeltlager teil, leitete Gruppen und übernahm schließlich die Jugendleitung. Bis der Vorsitzende sie als Stellvertreterin ins Spiel brachte. Stefanie kümmert sich inzwischen um die Familien, leitet zwei Krabbelgruppen und organisiert Familiengottesdienste. „Und dann halt so nebenbei das, was noch anfällt, wenn unser Vorsitzender es nicht schafft.“ Dass ihr diese Tätigkeiten neben ihrer Arbeit als Lehrerin und als zweifache Mutter gelingt und nur in den seltensten Fällen zuviel wird, macht Stefanie an folgender Tatsache fest: „Unsere ganze Familie ist bei Kolping aktiv,d er Freundeskreis auch. Wir haben uns dadurch kennengelernt, waren von klein auf dabei und hatten immer wieder schöne gemeinsame Erlebnisse – egal, ob das jetzt Arbeitseinsätze sind oder ein Gottesdienst. Es ist einfach das Gemeinschaftsgefühl. Man macht etwas gemeinsam, man schafft etwas gemeinsam. Wenn ich jetzt so ein Einzelkämpfer wäre, an dem alles hängen bliebe, würde ich es, glaube ich, auch nicht machen.“

Glücklich aber wird der Mensch, wenn er zufrieden mit der Stellung, die ihm Gott gegeben, gerade mit Ehren und Treuen den Platz ausfüllt, den die Vorsehung ihm zugewiesen, wenn er sich eifrig bestrebt, tüchtig das zu sein und zu werden, was er sein und werden soll.
Adolph Kolping (KS 3, S.66)

Zeit investieren lohnt sich

Als Mutter von drei Kindern engagiert sich auch Sandra Schröder aus der Kolpingsfamilie Gersthofen im Familienbereich. Gerade vor kurzem fand ein großes Jubiläumsfest in Gersthofen statt: Der Kolping-Spielplatz, den einst Kolpinger errichtet hatten, der inzwischen modernisiert wurde, feierte 40 Jahre Existenz. Im Rahmen des Festes bekam die Kolpingsfamilie einen Bücherschrank überreicht, der dort am Spielplatz aufgestellt und natürlich mit Kinderbüchern versehen wurde. „Ich bin in der Kolpingsfamilie groß geworden“, beschreibt Sandra. „Tagesausflüge, Familienferien, sonstige Aktionen – es war immer schön. Dieses Miteinander kann es nur im Ehrenamt geben. Da wollte ich mich dann irgendwann auch selbst einbringen, soweit das möglich ist. Wenn ich an etwas Spaß habe, es sehr gerne mache, dann investiere ich da gerne meine Zeit, und dann macht mich das glücklich“, sagt Sandra.

Kurt Köhlnberger formuliertes ähnlich: „Das, was ich gerne machen möchte, für das habe ich Zeit! Jeder hat Ideen, jeder hat Talente, die kann man einbringen und gemeinsam Aktionen starten.“ Der 56-jährige Kurt weiß, wovon er redet, denn er hat in seiner Kolpingsfamilie inzwischen sieben Familienkreise gegründet. Und dabei wollte er das erst gar nicht. „Was sollte ich denn noch alles machen?“ Als Familienvater, Eigenheimbauer, stellvertretender Vorsitzender, Lektor, Pfarrgemeinderatsvorsitzender, Wochenendleiter im Diözesanverband nachvollziehbare Zweifel. Und dennoch machte er mit bei den Familienkreisen und profitierte selbst davon: „Es war für unsere eigene Familie sehr wohltuend. Freundschaften zwischen den Kindern und zwischen den Erwachsenen sind entstanden, und der Austausch war stets interessant.“

Ohne ein kräftiges, lebendiges Christentum ist es mit dem Menschen nichts und wird es auch nichts. Ohne ein tüchtiges Christentum kein kräftiger Halt im Leben, keine wahre Zufriedenheit, keine rechte Tugend, keine dauernde Rechtschaffenheit, ohne lebendiges Christentum kein Glück. Das Christentum ist die eigentlich gesunde Kraft im Leben; wo es mangelt, ist das Leben krank. 
Adolph Kolping (KS 3, S.67)

Freiwilliges Engagement trägt zum Wohl der Gesellschaft ebenso bei wie zu einer größeren Lebenszufriedenheit und positiven Stimmung, konstatiert auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation and Development – OECD). In den meisten Fällen engagieren sich Freiwillige im sozialen Bereich, in der Gesundheitsversorgung, Bildung, für Umwelt- oder Entwicklungsthemen – mit Ausrichtung auf bedürftige oder benachteiligte Menschen. In erster Linie tut das Engagement also den Empfängern gut. Darüberhinaus wirkt das Engagement aber auch auf die Engagierten selbst ein: Sie haben teil an der Gesellschaft und entwickeln, lernen bzw. leben Werte, wie Solidarität, Achtsamkeit und Respekt. Die OECD-Studie zeigt auf: Menschen, die sich schon in ihrer Jugendzeit ehrenamtlich engagieren, tun dies oft auch im Erwachsenenalter. Sie neigen zu weniger riskantem Verhalten und entwickeln größeres Selbstvertrauen, mehr Verantwortungsbewusstsein, viele neue Fähigkeiten und Neugierde. Wenn man anderen hilft – gerade gemeinsam mit anderen – erhält man auch ein stärkeres soziales Netz, das einen in Stresssituationen auffängt und sogar das Krankheitsrisiko verringert.

Besonders im Alter profitieren Ehrenamtliche gesundheitlich vom Ehrenamt, gerade wenn sie nicht mehr in der Arbeitswelt eingebunden sind oder vielleicht sogar schon den (Ehe-)Partner verloren haben. Genau diese Motivationen bringen, laut OECD-Studie, auch die meisten dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren: etwas Nützliches zu tun, andere Leute zu treffen, um gebraucht zu werden und um fit zu bleiben.

Grenzen und Glücksgefühle

„Es gibt auch Situationen, in denen man überlegt, hinzuschmeißen“, erinnert sich Sandra. „Einmal habe ich das auch getan. Nachdem ich mich absolut nicht mehr wohlfühlte, in einer Situation, in der es nur noch um persönliche Interessen ging, habe ich die Reißleine gezogen. Ein Ehrenamt, das einem selbst nicht gut tut, kann einen nicht glücklich und zufrieden machen.“

„Manchmal hätte ich mir schon ein bisschen mehr Unterstützung gewünscht“, sagt Stefanie. „Das ist zwar selten der Fall, aber da kam schon einmal der Gedanke: ‚Wieder ich, wieder muss ich alles vorbereiten, dabei gibt es genug Leute, die helfen könnten.‘“ Aber wenn es dann hart auf hart käme, würden dann doch wieder alle zusammen halten. Dieser Zusammenhalt, Teamspirit, das Familiengefühl bei Kolping – das verbindet sie alle in ihrem Ehrenamt miteinander. Wenn alle mitarbeiten und auch mal Verantwortung übernehmen,wirkt sich das auf die Einzelnen aus. „Das macht einen stolz und glücklich“, so Sandra.

„Der ‚Familienkreis‘ ist für mich ein Herzensanliegen geworden“, so beschreibt es Kurt Köhlnberger. „Und wenn ich dann sehe, wie unsere Kinder selbständig und selbstbewusst im Leben stehen, dann denke ich, haben wir vieles richtig gemacht. Der Familienkreis trägt dazu bei, dass das Familienglück weiter wachsen kann.“

Das Glück fange beim Einzelnen selbst an. Und entscheidend sei, was jeder Einzelne dafür tue, so der Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel. Oder knapper, im Grunde „ehrenamtlich" ausgerichtet mit den Worten Don Boscos formuliert: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“

Das Glück der Menschen das liegt nicht in Geld und Gut, sondern es liegt in einem Herzen, das eine wahrhafte Liebe und Zufriedenheit hat.
Adolph Kolping (KS 3, S.267)

 

Text: Alexandra Hillenbrand
Fotos: Fabian Helmich

 

Das Ehrenamt
Im Kolpingwerk gibt es viele ehrenamtlich Engagierte. Davon gibt es so viele, dass im Kolpingmagazin weitere Beiträge unter dem Titel "Glück im Ehrenamt" erscheinen sollen. Wer selbst dazu etwas beitragen möchte, kann sich melden bei Alexandra Hillenbrand. alexandra.hillenbrand[at]kolping.de