Unter der Woche unternimmt Deniz viel, aber am Wochenende fährt sie oft zur Familie.

Teddy...

... und Buch sorgen für gemütliche Momente.

Erik

Wo Erik drauf steht, ist auch Erik drin - zumindest für die drei Ausbildungsjahre

Alle Zimmer im Jugendwohnen sind möbliert, trotzdem können die Bewohner sie sich mit Deko individualisieren.

Lukas

Mit solchen Kisten kennt sich Lukas als künftiger Fachinformatiker aus.

Lukas findet Pinguine cool, deswegen will er sich an Karneval auch als Pinguin verkleiden.

Kolpingmagazin

Alle(s) unter einem Dach

Wohnheime für Studenten kennt jeder. Aber gibt es die auch für Azubis? Aber so was von! Beim Kolping Jugendwohnen bekommt man nicht nur eigene vier Wände, sondern auch gleichaltrige Nachbarn und Ansprechpartner für Momente, in denen es doch mal hakt. X-Mag stellt drei Bewohner aus Köln vor.

 

Ein Herz für Köln
Deniz, 19, von Paderborn nach Köln-Ehrenfeld
Was soll man über Ehrenfeld anderes sagen als dass es DAS In-Viertel von Köln ist? Doch nicht das ist der Grund, warum Deniz letzten Sommer beschlossen hat, hierherzuziehen. „Ich habe eine Zusage für eine Ausbildung am Amtsgericht bekommen und habe mich entschlossen, dafür von Paderborn nach Köln zu ziehen“, sagt sie. „Bei der Suche nach einem Zimmer habe ich entdeckt, dass es so etwas wie Studentenwohnheime auch für Azubis gibt.“ Während sie erzählt, sitzt sie in der Gemeinschaftsküche des Kolping Jugendwohnens in Köln-Ehrenfeld und nippt am Tee. Der tut nach einem Arbeitstag gut. Oft sitzen die Bewohner hier zusammen. Manchmal kommt einer der pädagogischen Mitarbeiter dazu. Denn die sind immer für die Bewohner da – einfach so zum Reden, aber auch, wenn es Probleme bei der Arbeit gibt oder ein Bewohner krank wird. „Die sind so süß“, sagt Deniz, „bringen einem dann auch Tee aufs Zimmer.“ Denn das ist Teil des Jugendwohnens: Niemand soll sich alleine fühlen. Manchmal, sagt Deniz, klopft man spontan bei einem Nachbarn und schnippelt dann fünf Minuten später zusammen Kartoffeln, macht einen Salat und verbringt einen schönen Abend zusammen. „Seitdem ich in Köln wohne, unternehme ich unter der Woche viel mehr. Hier ist einfach mehr los.“ Und will sie mal ihre Ruhe haben, bleibt sie in ihrem kleinen Reich – einem Zimmer mit Küchenzeile und Bad. Für die 19-Jährige, die aus einer Familie mit sechs Geschwistern kommt, ist das definitiv ein Vorteil. Andererseits hieß das beim Umzug auch, viele liebe Menschen zurückzulassen. „Meine Mama hat geweint,als ich ausgezogen bin. Ich aber auch“, gibt Deniz zu. Von ihren Freunden hat sie einen Teddy und ein Herz geschenkt bekommen, auf dem „Köln“ steht. Und ein bisschen hat Deniz ihr Herz auch schon an die Stadt verloren. „Jedes Mal, wenn ich über den Rhein fahre, mache ich ein Foto. Meine Freunde lachen mich deswegen schon aus.“ Und noch etwas ist passiert: „Letztens, als ich vom Jugendwohnen erzählt habe, ist mir einfach das Wort Zuhause rausgerutscht. Und irgendwie ist es das inzwischen auch.“

 

Auf dem Weg zum Traumjob
Erik, 17, von Thüringen nach Köln-Mitte
Es war schon immer sein Traum. Und für ihn war Erik auch bereit wegzuziehen. In Köln macht er eine Ausbildung zum Lokführer. "Obwohl ich gerne Zuhause geblieben wäre, wollte ich meinen Traumjob dafür nicht aufgeben“, sagt er. „Die nächsten drei Jahre werde ich daher in Köln leben, und danach bin ich ja flexibel.“ Dann kann er eigentlich überall da wohnen, wo es einen Bahnhof gibt. Und weil Erik später in seinem Job auch Schichtdienst machen muss, hat er das frühe Aufstehen gleich von Anfang an geübt. So klingelte sein Wecker am 1.9. um 3.30 Uhr – es war der Tag seines Ausbildungsbeginns und Umzugs zugleich.
Aus seinem – wie er sagt – Dorf mit zwölf Häusern in Thüringen ging es mit dem Zug nach Köln. Die Eltern kamen mit seinen Sachen hinterher: von Klamotten über Bettwäsche und Fernseher bis zu persönlichem Kleinkram schafften sie alles in das Zimmer am Rhein. Hier warteten auf Erik schon ein Bett mit Schreibtisch und Schrank. Hinzu kommt ein Schrank in der Gemeinschaftsküche. Riesig ist der Platz vielleicht nicht, aber für Erik reicht es. Nur an die Matratze musste er sich gewöhnen, die fand er ein bisschen zu hart. Seit den ersten Wochen im Arbeitsleben hat er aber keine Probleme mehr mit dem Einschlafen.
„Die Arbeit macht mir total Spaß. Es ist genau das, was ich machen will, aber anstrengend ist es schon.“ Jeden Tag um 5.30 Uhr aufstehen, nach der Arbeit für die Berufsschule lernen, kochen, aufräumen – denn auch die Gemeinschaftsküche sollte man schon ordentlich halten. „Da muss man auch an die anderen denken“, sagt der 17-Jährige. „Und manchmal etwas abwaschen, auch wenn es einem nicht gehört.“ 70 Leute wohnen hier im Kolping Jugendwohnen Köln-Mitte. Trotzdem, meint Erik, geht es hier eher ruhig zu. „Alle haben unterschiedliche Arbeitszeiten,wenn man sich abends auch noch mit den Kollegen trifft, kommt man erst spät wieder ins Wohnheim zurück.“
Meistens hat Erik bei den Gemeinschaftsabenden mit den anderen Bewohnern zu tun. Die selbstgemachten Waffeln letztens fand er schon ziemlich lecker. Er selbst würde wohl aber lieber Schnitzel machen – sein absolutes Lieblingsgericht. Das kann er ja beim nächsten Etagentreffen vorschlagen. Hier treffen sich die Bewohner regelmäßig und schmieden auch gemeinsame Pläne, weil es beim gemeinsamen Wohnen auch immer darum geht, dass jeder etwas zur Gemeinschaft beiträgt. Und die Idee, nach Feierabend in knusprige Schnitzel zu beißen, klingt doch so, als könnte man sich damit viele Freunde machen.

 

On und an – vom Netzwerk bis zur Waschmaschine
Lukas, 17, von Uelzen nach Köln-Mitte
Schlafen gehen, wann du willst. Und erst recht ausschlafen, bis wann du willst. Alleine wohnen bedeutet für Lukas, keine Eltern zu haben, die Vorgaben machen. Seit Mitte 2016 wohnt der 17-Jährige in Köln. Hergezogen ist er aus Uelzen, einer kleinen Stadt in Niedersachsen, um eine Ausbildung als Fachinformatiker anzufangen. "Studieren wollte ich nicht. Und die Ausbildung gibt es so nur hier in Köln." Außerdem, sagt der 17-Jährige, hatte er auch Lust auf eine große Stadt. So ist er nun auch im Kolping Jugendwohnen Köln-Mitte gelandet. Hier kommt ihm sein Fachwissen auch gleich zugute. In seinem Zimmer hat er sich erst mal ein kleines Netzwerk gebastelt, um mit Smartphone, PC und Laptop gleichzeitig online zu sein. Wahrscheinlich wüsste Lukas auch, wie man das gesamte Kolping-Netz hacken könnte; dabei helfen, die Waschmaschine zu bedienen, würde ihm das aber leider auch nicht."Als ich das erste Mal die Wäsche anschmeißen wollte, musste ich schon ein paar Mal zwischen Münzautomat und Waschmaschine hin- und herlaufen", erzählt er. Denn Zuhause war immer Mama fürs Waschen zuständig. "Ja, es ist schon bequem, wenn die Sachen immer sauber und gefaltet auf dem Bett liegen", gibt er zu. Und was würde Mama zu seiner Waschtechnik sagen? "Alles zusammen rein und bei 40 Grad waschen. Dabei ist noch nie etwas schief gegangen", sagt er und grinst überzeugt.Trotzdem muss man für solche Dinge wie Wäsche waschen, Einkaufen und Putzen auch Zeit einplanen, weiß Lukas. Damit im Jugendwohnen niemand in Bergen von ungewaschenem Geschirr oder Klamotten versinkt, kündigt sich hin und wieder die Zimmerkontrolle an. Ist das nicht ein bisschen unangenehm? "Nee, das finde ich nicht", sagt Lukas. "Ich sehe das eher als doppelte Motivation, mal wieder aufzuräumen. Und es ist ja auch nicht, dass die dastehen und schimpfen." Die – das sind die pädagogischen Mitarbeiterinnen Anja und Claudia. Sie schauen nicht nur in den Zimmern vorbei, sondern laden auch zu Etagentreffen ein, bei denen sich die Bewohner kennenlernen und austauschen können. Nachts ist außerdem jemand vom Nachtdienst da. Für Lukas bedeutet das, dass er sich bis abends 22 Uhr bei der Person melden muss, am Wochenende bis um 24 Uhr. Schließlich dürfen Jugendliche unter 18 nicht die ganze Nacht wegbleiben. Die "Anwesenheitspflicht" fand Lukas anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Inzwischen sei das aber keine große Sache mehr. "Da schaut man ganz entspannt abends vorbei und gut ist."Auch am 11.11. – dem Tag, an dem in Köln offiziell die Karnevalszeit beginnt und die ganze Stadt feiert – schaffte er es pünktlich wieder zurück ins Jugendwohnen. Doch bevor er sich beim Nachtdienst meldete, tauschte er doch noch schnell sein Ghostbusterkostüm gegen normale Klamotten. Dann durfte er ins Bett fallen, um so richtig auszuschlafen.

 

Wohnen bei Kolping, wie geht das?
Insgesamt gibt es in 34 Städten 45 Kolping Jugendwohnheime. Damit ist Kolping deutschlandweit der größte Anbieter im Bereich Jugendwohnen. Hier können sich junge Leute zwischen 16 und 26 Jahren unabhängig ihrer Nationalität und Religion in Einzel- und Doppelzimmer einmieten. Zum Konzept gehören Ansprechpartner und Pädagogen. Sie stehen den Bewohnern mit Rat und Tat zur Seite und organisieren Mitmachprojekte wie Kochabende und Ausflüge. Infos unter www.kolping-jugendwohnen.de und www.auswaerts-zuhause.de. 

Wohnen bei Kolping, woher kommt das?
Dass junge Leute bei Kolping ein Zuhause finden, geht auf einen Urgedanken Adolph Kolpings, des Gründers des Kolpingwerkes, zurück. Vor rund 150 Jahren errichtete er so genannte Gesellenhäuser. Der Grund: Die meisten jungen Handwerker hatten zu der Zeit keine festen Jobs und damit kein festes Zuhause. In Kolpings Wohnheimen aber fanden sie eine Bleibe, Unterstützung und Gemeinschaft – und das ist bis heute so geblieben.

 

Text: Agata Wojcieszak
Fotos: Barbara Bechtloff, Ludolf Dahmen