Geistlicher Impuls

Zukunft aus der Gegenwart heraus gestalten

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Gedenktag des Seligen Adolph Kolping

„Wer Mut zeigt, macht Mut“, sagt Adolph Kolping. Mit dieser Aussage stellt er sich gegen eine verbreitete Resignation seiner Zeit und auch unserer Zeit. Die Situation des (gelebten) Glaubens in unserer Zeit bezeichnen manche mit „religiöser Taubstummheit“. Damit soll ausgedrückt werden, dass Menschen taub sind für die Botschaft des Glaubens und stumm bleiben, wenn sie diese Botschaft weitergeben sollen. Versickern auf solche Weise viele Tauf- und Brautgespräche, Erstkommunion- und Firmvorbereitungen ergebnislos im Sand? Hat es noch Sinn, wenn gläubige Menschen mit Liebe und viel Geduld gegen die religiös tauben Ohren reden?

Als vermeintliche Lösung bietet sich dann ein Rückzug an. Der Rückzug auf die eigene religiöse Praxis, in einen Winkel des Familienlebens. Der Rückzug auf den harten Kern der Gemeinde in dem man sich unter Gleichgesinnten einander bestätigt und wohl fühlt.

Nun, was sagt das Evangelium dazu? Jesus wandert durch das Land, kein Weg ist zu weit. Im (jüdischen) Kernland und in den (heidnischen) Randgebieten ist er unterwegs. Von unzähligen Begegnungen mit Menschen wird berichtet. Uns kann dadurch aufgehen: Die Frohe Botschaft kann immer und überall verkündet werden. Wir sind eingeladen, auf die Menschen unserer Zeit zuzugehen. Wir sind aufgefordert, unsere Ohren und Herzen für den Glauben zu öffnen und vom Glauben zu erzählen, auch beim Eindruck von religiöser Taubstummheit. Das ist ein Einsatz gegen die Resignation, gegen die allgemeine Larmoyanz, gegen das Schlechtreden der gegenwärtigen Zeit. Das ist auch ein Engagement ganz nach dem Geschmack von Adolph Kolping. Denn im Kolpingwerk erlebe ich Männer und Frauen, die nicht taub und stumm für den Glauben sind, sondern die ihren Glauben bekennen. Kolping war nie lau oder stumm in seiner Zeit. Diejenigen, die ihm folgen, sollen das auch nicht sein. Sie sollen lebendige Gemeinschaften bilden, in denen auch heute der Glaube gelebt und weitergetragen wird.

Was können Aufgaben einer Kolpingsfamilie sein?

Dazu einige Anmerkungen, Motivationen, Gedanken.

Kolpingsfamilien sind bereit, Zukunft aus der Gegenwart heraus zu gestalten. Das bedeutet, sich für die unterschiedlichen Lebenswege von Menschen zu interessieren und diese zu schätzen, auch solidarisch zu sein, einen wirklichen geistlichen Standpunkt zu gewinnen; nicht zu befehlen, sondern zu beseelen; von Bekenntnissätzen zu persönlichen Erfahrungen zu kommen, von Weisungen zu Verantwortungen zu gelangen; ökumenische Akzente zu setzen und den Dialog der Religionen zu unterstützen; die missionarischen Dimensionen nicht aufzugeben und sich der Zusage Gottes zu erinnern. Das ist Wertevermittlung, Schaffung von Gemeinschaft, Respekt vor der Würde eines jeden Menschen. Das ist gelebter Glaube gegen eine propagierte religiöse Taubstummheit.

Dabei bleiben die Grundfragen der Menschen eine ständige Herausforderung: Wie gelingt mein Leben? Wie gelingen meine Beziehungen? Welche Zukunft, welche Hoffnung gibt es? Was hat das alles für einen Sinn; wo liegt der tiefere Zusammenhang; gibt es einen Gott, der dieses Ganze zusammenhält?

Bei aller Ungewissheit, Komplexität und Beschleunigung werden diese Fragen die Menschen weiter bewegen und sie werden in ihrer tiefsten Sehnsucht nach einem erfüllten Leben nach Antworten suchen.

Sich darauf als Kolpingsfamilie einzulassen, ist etwas völlig anderes als der Tendenz der religiösen Taubstummheit um uns herum das Wort zu reden und sich zurückzuziehen. Es lohnt sich für die Menschen auf dem Weg zu sein. Adolph Kolping hat angefangen und er hat nicht aufgegeben. Diesen Mut leben wir und teilen wir mitten in unserer Zeit. 


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