Geistlicher Impuls

Zeit ist ein Geschenk

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Jahreswechsel

Wieder ist ein Jahr zu Ende. Alle Welt macht Jahresbilanz. Presse, Funk und Fernsehen lassen in diesen Tagen das verflossene Jahr vorbeiziehen aus politischer oder wirtschaftlicher Sicht, auf sportlicher oder kultureller Ebene.

Zeit ist ein Geschenk – wir können damit umgehen, aber wir können sie nicht zurückdrehen. Bewerten sollten wir sie, um erstens dankbar zu sein und zweitens daraus zu lernen.

Wie viele Dinge haben uns doch im vergangenen Jahr bewegt. Was hat uns alles Sorge und Kummer gemacht – was hat uns aber auch alles Freude geschenkt. Probleme und Sorgen halten sich aber nicht an das Jahresende. Wir nehmen sie mit in das neue Jahr hinein. Ob wir sie lösen können steht oft nicht in unserer Macht.

Jeder von uns hat andere Empfindungen bei einem Jahreswechsel. Als Christen sind wir davon überzeugt, dass am 1. Januar nicht irgendein Jahr beginnt, sondern ein Jahr des Herrn. Ein Jahr, das er begleitet, ein Jahr in dem er uns nahe ist und nahe bleibt. Weil wir als Christen glauben, dass Gott der Herr der Welt ist, reicht es, wenn wir für das Neue Jahr nur einen Vorsatz fassen, nämlich den, dass wir uns immer wieder Zeit nehmen für unseren Gott.

Oft denke ich: wenn wir unser eigenes Leben, das, was uns wichtig ist aus einer bestimmten Perspektive betrachten, gibt es eine ganz andere Ordnung. Ich möchte Mut machen, die Perspektive des Glaubens stärker in das eigene Leben zu integrieren, den Glauben wie ein Fundament zu erleben, wie ein Prisma, wie eine Verbindung, wie einen Wegweiser, wie einen Zielpunkt. Wenn ich dann von einer solchen Perspektive aus mein Leben angehe, kann der Glaube für alle Lebensbereiche fruchtbar sein.

Tief in unserem Wort "Kalender" versteckt sich das lateinische "calare", was nichts anderes als "rufen" heißt. Letztlich ist es bis heute so geblieben, jedes Kalenderblatt ruft uns Ereignisse und Unternehmungen zu, die uns an diesem Tag erwarten; jedes Kalenderblatt wird so zu einem Anruf an uns, bewusster mit der Zeit umzugehen, tiefer über die Zeit selbst nachzudenken. Wann immer wir ein Kalenderblatt in unseren Händen halten oder auf einen Kalender schauen, drängt sich die Frage auf: „Was wird werden?“

Leben heißt Veränderung, und immer haben wir den Auftrag, das Gute zu bewahren und Fehlentwicklungen abzuwehren. Dies bedeutet zu glauben und aus dem Glauben zu leben.

Vielleicht erfahren wir, dass unser Leben mehr Halt bekommt, weil wir uns das ganze Jahr hindurch an unserem Gott festhalten können. Manches kann klarer und durchsichtiger werden, weil Gottes Blick immer echt und ehrlich ist.

Unser Leben bekommt Struktur, wenn wir Gott etwas zutrauen, wenn er nicht nur zum Verzieren da ist, sondern auch zum Ausmalen, zum Ausgestalten. Es ist der Herr der Welt und der Herr der Geschichte, der auch über dem neuen Jahr steht.

Es ist der Gott, der immer bei uns sein will, der uns begleiten und behüten will. Wenn wir unser Leben mit ihm füllen, kann uns viel Kraft daraus erwachsen. Wir können dann handeln, weil er uns den Mut dazu gibt! Wir brauchen nicht zu verzagen, weil er bei uns ist. Wichtig aber bleibt, dass wir uns Zeit nehmen für unseren Gott. Sonst handeln wir nur aus uns selbst – sonst sind wir die Macher und er bleibt außen vor – abgestellt für romantische Stunden oder Notzeiten. Sonst hören wir nicht mehr auf Gott, sondern auf Stimmen, die uns vereinnahmen, aber glaubenstötend sind.

Machen wir ihn zum Herrn auch für 2018, so wie es in einem Gebet heißt:

„Womit füllen wir unser Leben,
dieses Jahr, das vor uns liegt?
Mit Dingen,
die uns dies und das kosten
und die doch nutzlos sind,
oder mit dem,
was notwendig, einzig notwendig ist:
mit dem Licht, was von dir kommt,
mit deinem Wort und deiner Weisung
und mit deiner Liebe, Herr.“

Lassen wir Gott immer wieder hinein in unser Leben und nehmen wir das kommende Jahr an aus seiner Hand. Er ist ein Gott für die Menschen, ein Gott, dem wir vertrauen dürfen, ein Gott, der die Menschen so liebt, dass er selbst Mensch geworden ist.

So wünsche ich uns Gottes reichen Segen für 2018. Ich wünsche uns Hoffnung und Vertrauen in Situationen, die schwierig sind und ich wünsche uns den Mut und die Kraft, zu unseren Überzeugungen zu stehen und uns dafür einzusetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir manches bewegen können, dass wir einen klaren Blick behalten und gute Entscheidungen treffen, wenn wir uns immer wieder Zeit nehmen für unseren Gott.


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