Bundesebene Geistlicher Impuls

Wenn möglich, bitte wenden

Worte des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum heutigen Sonntag

Wenn möglich, bitte wenden.
Die Navigationssyteme in unseren Autos leiten ihre Besitzer mit freundlichen Worten hin zu ihrem Ziel. Und wenn man sich verfährt, wenn die Straße vielleicht gesperrt ist und man nicht weiter kann, dann ertönt eine freundliche Stimme: "Wenn möglich, bitte wenden."

Nichts anderes sagen auch die Wochen, in denen Christen sich auf Ostern vorbereiten: "Wenn möglich, bitte wenden." Bitte umkehren von Wegen, die zu falschen Zielen führen, die Sackgassen oder Irrwege sind; und hinwenden zu Wegen, die wirklich Sinn machen, die gelingende Lebenswege sind.

Menschen brauchen immer wieder einmal eine solche Neuorientierung. Einfach in den Tag hinein zu leben und immer so weiterzumachen wie bisher, reicht für einen guten, gelingenden Weg nicht aus. Christen wissen dies, sprechen deshalb von Bekehrung und meinen damit eine Neuausrichtung des Lebens, neue Ansätze für das eigene Leben, für das Zusammenleben und für die Anbindung an Gott.

Wie kann dies geschehen?

Vielleicht in drei Schritten.

Ein erster Schritt ist eine ehrliche und genaue Analyse: Wo stehe ich jetzt? Was macht mein Leben aus? Was ist mir wichtig, unverzichtbar? Welche Werte pflege ich? Wo sind meine Stärken und umgekehrt meine Schwächen? Wo brauche ich Umkehr und Neubeginn?

Dieses Bilanzziehen des eigenen Lebens ist nichts anderes als das, was in der kirchlichen Tradition mit Gewissenserforschung bezeichnet wird. Dabei geht es nicht um kleinliche Listen, sondern um ein aufrichtiges Bedenken des eigenen Standorts. Nur so kann eine Kurskorrektur erfolgen.

Ein zweiter Schritt ist der Blick auf das Ziel: Wohin will ich eigentlich auf meinem Lebensweg? Was strebe ich an? Was sind meine Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte? Was ist Nebensache und was Hauptsache? Was trägt mich nicht nur für den heutigen Tag und den Augenblick, sondern auf Dauer? Was gibt mir Kraft für die Höhen und Tiefen im Leben?

Christen orientieren sich bei diesem Punkt angekommen an der Botschaft ihres Glaubens, besonders am Evangelium Jesu.

Hier finden sie keine Patentrezepte, die für alles eine Lösung haben, wohl aber Kraftquellen und Wegweiser, die dazu helfen können, die alten Wege zu verlassen und Neuland zu gewinnen. Die Evangelien zeigen uns weitere Horizonte auf, als wir bisher zu sehen im Stande waren.

Der dritte Schritt ist der Schwerste: Nun geht es darum, sich neu in Bewegung zu setzen und kleine, aber konsequente Schritte auf dieses neugewonnene Ziel hin zu wagen. Jeder weiß, wie schwierig Verhaltensänderungen und Lebenskorrekturen sind. Manchmal muss man sich gerade dazu zwingen. Deshalb ist die Bitte um Kraft, das Gebet, aber auch die Gemeinschaft mit anderen, mit Gleichgesinnten, wichtig.

Nicht umsonst sind die Wochen vor Ostern auch eine Zeit, in der Gemeinschaft, die Gemeinschaft mit anderen Glaubenden, im Gottesdienst und in anderen Begegnungen wichtig ist.
Bekehrung, Besinnung, Umkehr, mit all dem beschreitet der Glaubende einen Weg, der ihn neu und tiefer mit Gott in Verbindung bringt, der der Gemeinschaft mit Gott neue Impulse gibt, der zum Frieden zwischen Gott und den Menschen beiträgt.

"Wenn möglich, bitte wenden." Ob wir es tun?

Pfarrer Josef Holtkotte, Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland