Bundesebene Geistlicher Impuls

Von Freude und Freunden

Worte des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum heutigen Sonntag

Wir hören heute, kurz vor Christi Himmelfahrt ein Evangelium aus den Abschiedsreden Jesu.

Seine Worte haben - wie jedes letzte Vermächtnis - ein besonderes Gewicht; sie betreffen die Zukunft der Jünger, heute besonders den inneren Bereich der Jüngergemeinde.

Er beschreibt die innige Verbindung zwischen sich und seinen Jüngern. Da hören wir von der Freude!
Wer mit Christus in Liebe verbunden ist, dessen Herz ist voll Freude. Die Freude ist ein wesentliches Merkmal des wahren Jüngers Jesu. Mit Freude ist nicht irgendeine Vergnügtheit gemeint, sondern die Jünger freuten sich als sie den Herren sahen, das war Ostern. Es ist also die tiefe Freude darüber, dass wir in allem Leid und allen Widrigkeiten des Lebens nicht alleingelassen, sondern von Gott gehalten sind. Es ist die Freude im Herrn.

Und da hören wir von den Freunden!

Vom Alten Testament her kennen wir eher das Wort "Knecht". Der Mensch ist Gott untergeordnet. Die Distanz zwischen Gott und Mensch ließ einfach nicht zu, von Freundschaft zwischen ihnen zu reden. 

Nun hören die Jünger: "Ihr seid meine Freunde..." Kann man erklären, was es heißt, Jesu Freund zu sein? Schwerlich. Vertrautheit gehört dazu, Liebe bis zur Hingabe des Lebens; auch: zu tun, was Jesus aufträgt - auch als Freund bleibt Jesus der Herr; er hat seine Jünger, seine Freunde erwählt und nicht umgekehrt.

Jesus spricht also ein Abschiedswort. Worte wie Freude und Freunde kommen in diesem Abschiedswort vor. Doch wenn wir genau auf diese Worte schauen, stellen wir fest, dass er sie in Bedingungssätze kleidet "wenn ihr.." - fast wie ein Befehl. Klingt da nicht ein Zwang mit, ein "Du musst", "Du darfst nicht"? Etwas, das wir Menschen ja gar nicht gerne hören? Widerspricht das nicht dem "positiven Tenor" der Abschiedsreden?
Wir müssen verstehen: die Gebote, Weisungen Jesu sind Teil seiner Botschaft, die seine Göttlichkeit ausdrücken, die Frohe Botschaft sind.

Die Liebe und die Gebote Jesu gehören also zusammen. Beides macht die Frohbotschaft aus. Eine solche Liebe bringt Frucht, bleibende Frucht. Mit anderen Worten: Liebe und Hingabe des Lebens überdauern den Tod, führen zur Auferstehung und zum ewigen Leben. Die Liebe und die Gebote Jesu sind Wegweisungen und Richtschnur zum ewigen Leben, Zukunft und Heil für uns. Wer Jesus verstehen und nachfolgen will, muss immer wieder versuchen, auf dem Weg seiner Liebe und auf dem Weg seiner Gebote zu gehen. Es bleibt, ist ein guter Weg. 

Pfarrer Josef Holtkotte, Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland