Geistlicher Impuls

Unser eigentliches Zuhause

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Christi Himmelfahrt

Ein erfahrener Seelsorger meinte, kein Fest des Kirchenjahres sei so gründlich verunglückt wie Christi Himmelfahrt. Was hat man nicht alles aus diesem Tag gemacht: Vatertag, Wandertag ... Das alles hat doch mit dem Inhalt dieses Festes überhaupt nichts mehr zu tun, so sehr allen der freie Tag zu gönnen ist.

Es wäre aber zu billig, über solch modernes Heidentum zu spötteln. Dieses Fest stellt uns heutige Menschen in der Tat vor große Verständnisschwierigkeiten. Denn was soll man sich darunter vorstellen: Jesus wurde „emporgehoben“, er wurde „in den Himmel aufgenommen“? Wo ist „oben“? Was ist der „Himmel“?

Um was geht es? Natürlich nicht um eine Art Raumfahrt Jesu, auch nicht bloß um seine Rückkehr nach erfülltem schwierigen Auftrag. Im Evangelium hörten wir: „Wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.“ (Mk 16,19) In bildhafter, anschaulicher Weise wird gesagt, dass Jesus, der menschgewordene Sohn Gottes, für immer in das Geheimnis Gottes einging und zum Herrn über das Weltall, über die Menschen und ihre Geschichte erhöht worden ist.

Im Grunde geschah das schon, als er von den Toten auferstand. In der Auferstehung kehrte Jesus heim zum Vater. Aber er hat sich immer wieder den Seinen gezeigt. Sie haben ihn gesehen, sie haben mit ihm gesprochen und mit ihm gegessen. Sie haben sich überzeugt, dass er lebt. Nun sehen und hören sie ihn zum letzten Mal. „ ... eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken“ (Apg 1,9). Wiederum wird bildhaft gesagt, dass sie ihn nicht mehr sehen werden.

Aber er ist ihnen nicht fern. Er ist nicht einfach weg, das Schicksal aller Menschen ist ihm nicht gleichgültig. Die Geschichte der Menschen ist nicht dem Spiel des Zufalls überlassen.

Er, der Erniedrigte, der Geschändete, der wie ein Verbrecher Hingerichtete, lebt. Er lebt ein Leben, das alle menschlichen Vorstellungen übersteigt, das keine menschliche Sprache erfassen kann. Er lebt, und er will, dass alle, die zu ihm gehören, mit ihm leben. Sein Leben ist unser Leben. Denn für uns ist er gekommen. Für uns wird er wiederkommen, um zu vollenden, was er begonnen hat. So hat er es versprochen: „lch gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten ... (Ich) komme wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (Joh 14,2.3).

Dieses „dort“ ist der Himmel! Jesus hat sehr zurückhaltend vom Himmel gesprochen. Er hat menschliche Vorstellungen, Erfahrungen und Begriffe genommen, um uns das Unvorstellbare nahezubringen. Daher hat der Himmel in der Bibel viele Namen: Leben, Licht, Freude, Glück, Freisein von Schmerz und Leid und Tod. Jesus hat Gleichnisse erzählt, um zu illustrieren, was es heißt, für immer bei Gott zu sein. Aber alle diese Worte und Bilder vermitteln nur eine schwache Ahnung von dem, was der Himmel ist. Keine Phantasie kann erfassen, was er ist. Denn der Himmel – das ist Gott, so unbegreiflich, so unendlich, so unerschöpflich, so herrlich, so, wie nur Gott sein kann. Dieses Leben mit Gott ist unser eigentliches Zuhause. Dafür leben wir, das ist der Sinn unseres Daseins.

Noch sind wir nicht dort. Die Vollendung steht noch aus. Gott wird sie durch Jesus Christus herbeiführen.

Ja, in dieser Zeit leben wir – fragend, suchend und glaubend. Es liegt an uns, diese befreiende Botschaft des Evangeliums zu allen Menschen zu tragen!


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