Bundesebene Geistlicher Impuls

Pfingsten ist Gegenwart

Worte des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Pfingsten

"Pfingsten" - ist das nicht ein Fremdwort? Das Wort ist aus dem Griechischen in unsere Sprache eingewandert. Es bedeutet der "fünfzigste Tag" (nach Ostern).
Aber nicht nur der Name, sondern auch das Fest ist vielen Menschen fremd.

"Pfingsten - dazu fällt mir nichts ein, damit weiß ich nichts anzufangen." So hören wir manchen Zeitgenossen sagen. Uns Christen fällt zumindest ein, dass Pfingsten mit der Sendung des Heiligen Geistes zu tun hat. Der Bericht der Apostelgeschichte (2,1-11) ist glücklicherweise so anschaulich, dass wir ihn kaum vergessen können.

Wir hören diesen biblischen Bericht heute neu. Darin ist von einem "Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt", die Rede. Auch das Geschehen mit den "Zungen wie von Feuer" ist uns von Jugend auf vertraut. Dafür hat schon die christliche Kunst mit ihren Darstellungen gesorgt. Unter Sturmesbrausen und Feuerzungen werden alle, die da in Jerusalem "am gleichen Ort" versammelt sind, "mit dem Heiligen Geist erfüllt". Sie beginnen "in fremden Sprachen" zu reden und diese Sprachen zu verstehen (Apg 2,1 -4.8). -

Was aber soll das Ganze? Was bedeutet das alles für uns? 
Was ist der Sinn des Pfingstfestes? 
Was Gott gewirkt hat, ist Anlass des Pfingstfestes. Der eine Glaube überwindet das Gewirr der vielen Sprachen. Im Geiste Christi beginnt die Einigung der Menschheit Wirklichkeit zu werden (vgl. Apg 2,6-11). Gottes Geist erfüllt die Herzen der Menschen und erneuert das Antlitz der Erde. Durch die Gabe des Geistes Gottes wird uns das göttliche Leben des auferstandenen Herrn geschenkt. In Taufe und Firmung haben wir diesen Geist empfangen.

Im Gegensatz zu Weihnachten, dem wohl am meisten "menschlichen" Fest des Glaubens, das uns am tiefsten die Menschlichkeit Gottes spüren lässt, sagt Pfingsten vielen Menschen und auch vielen Christen herzlich wenig. Und doch macht uns das Pfingstfest Mut. Es schenkt Zuversicht, indem es uns sagt: Das gelebte Evangelium, das Leben in der Nachfolge Jesu, ist schon deshalb befreiend, weil es dabei nicht zuerst um das Tun des Menschen, sondern zunächst um das Handeln Gottes an uns Menschen geht. Es ist der Geist Jesu, der Menschen verändert, verwandelt, befreit und erlöst.

Wir brauchen nicht alles nur von unserem Verstand und unserer Leistung zu erwarten. Pfingsten ist nicht etwas Vergangenes, Pfingsten ist Gegenwart, Lebendigkeit. Pfingsten wird gelebt durch meinen Glauben - heute!

Pfarrer Josef Holtkotte, Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland

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