Geistlicher Impuls Bundesebene

"Ihr werdet meinen Zeugen sein"

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Christi Himmelfahrt

Jesu Heimkehr zum Vater ist – auch wenn es zunächst ganz anders aussieht – für uns eine frohe Botschaft, eine wirklich gute Nachricht. Beim Evangelisten Johannes sagt Jesus in der Abschiedsstunde seinen Jüngern: "Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten. Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitete habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin." (Joh 14,2.3 ). Daraus höre ich: Jesus will jetzt schon bei seinem Vater alle Vorbereitungen treffen, dass auch wir einmal für immer bei Gott wohnen und glücklich sein können. Und auch für die Zwischenzeit, in der wir hier auf Erden noch von so manchen Ängsten und manchem Leid geplagt werden, gibt uns Jesus dieses wunderbare Versprechen: "Und siehe; Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Mt 28,20) 

Das ist doch eine wirklich frohe Botschaft für uns!

Jesu Heimkehr zum Vater ist für uns tatsächlich ein freudiges Ereignis. Das will uns Christi Himmelfahrt wieder von neuem bewusst machen. Auf der anderen Seite ist Christi Himmelfahrt aber auch eine ernste Sache. Das ist mir bei der Lesung deutlich geworden. "Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" werden die Jünger gefragt. (Apg 1,11) Für mich klingt das wie ein geheimer Vorwurf. Ja, ich höre aus diesen Worten einen Tadel und zugleich einen Auftrag: Seht nicht nur nach oben, zum Himmel, wohin Jesus euch vorausgegangen ist, um euch eine Wohnung zu bereiten! Hier auf Erden, da liegen jetzt eure Aufgaben, wenn ihr Jesus wirklich ernst nehmt!

Und wirklich: "Ihr werdet meine Zeugen sein (…) bis an die Grenzen der Erde." (Apg 1,8), sagt Jesus seinen Jüngern, bevor er endgültig von ihnen weggeht. Das ist ein deutlicher Auftrag, eine Verpflichtung. Denn das heißt doch: Wenn ich nicht mehr unter euch bin, müsst ihr mich vertreten. Ihr müsst weitersagen, was ihr gesehen und gehört habt, als ihr mit mir zusammen wart.

Zeuge sein – davor drücken sich viele. Die Polizei beklagt sich, dass z.B. bei Verkehrsunfällen so schwer Zeugen zu finden sind. Warum eigentlich? Wenn ich Zeuge bin, muss ich Rede und Antwort stehen, muss ich sagen, was ich gesehen und gehört habe. Und das kann schon mal Unannehmlichkeiten nach sich ziehen. Die Jünger haben nach Jesu Weggang wirklich ernst mit diesem Auftrag gemacht, Zeuge Jesu zu sein. "Wir können nicht schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben", sagten sie immer wieder, wenn sie zu Verhören vor Gerichte geschleppt wurden. Ihr Zeugnisgeben ging sogar bis zum Blutzeugnis. Das Wort Märtyrer heißt: Zeuge.

"Ihr werdet meine Zeugen sein" – (Apg 1,8) das sagt Jesus heute, am Fest Christi Himmelfahrt, auch uns. Das muss ja nicht gleich heißen: Märtyrer werden wie die Jünger Jesu. Was Zeuge sein für uns heute beinhaltet, kann ich nicht besser sagen als Paul Claudel, ein französischer Dichter. Er sagt:  

"Jesus Christus hatte nur 33 Jahre für sein Leben auf dieser Erde. Das hat ihm nicht gereicht. Er hat nicht lieben können wie eine Mutter; dazu braucht er Mütter. Er hat nicht für eine Familie sorgen können; dazu braucht er Väter. Er hat nicht den Kranken in unserer Zeit helfen können; dazu braucht er Ärzte und Krankenschwestern. Er hat nicht jetzt das Brot brechen können; dazu braucht er Priester.

Der Herr braucht dich, um das, was er anfing, in dieser Welt weiterzubauen. Der Herr braucht uns, um Wunder zu wirken; Wunder der Technik und der Wissenschaft; Wunder der dienenden Liebe und der Güte, Wunder des Friedens... Der Herr will durch unsere Herzen und durch unsere Hände die Welt menschlicher machen; er will durch unsere Vernunft und durch unsere Arbeit das Himmelreich kommen lassen; denn es geht ihm um diese Welt und um diese Menschen."

Es ist wahr: Unser endgültiges Glück werden wir erst im Himmel finden. Das darf uns aber nicht dazu verführen, unsere Aufgaben als Christen hier auf Erden zu vernachlässigen. Gerade heute, am Fest Christi Himmelfahrt, werden wir losgeschickt mit dem Auftrag Jesu: "Ihr werdet meine Zeugen sein." (Apg 1,8) Das bedeutet: Schaut nicht nur zum Himmel hinauf mit dem Gedanken: Ach, wie glücklich werden wir dort einmal sein. Sorgt vielmehr dafür, dass jetzt schon ein Stück Himmel auf die Erde kommt.

Wie das gehen soll? Indem wir versuchen, unser Leben danach auszurichten, was Jesus uns vorgelebt hat; indem wir seine Liebe zu den Menschen weitertragen; indem wir das leben, was wir vom Evangelium verstanden haben; indem wir Jesu Botschaft vom gerechten und guten Vater weitersagen; indem wir alle Menschen als Schwestern und Brüder ansehen.

Der Herr will durch unsere Herzen und durch unsere Hände die Welt menschlicher machen, sagt der Dichter Paul Claudel. So bekommt das Fest Christi Himmelfahrt die richtige Ausrichtung: Jesus ist bei seinem Vater, aber mit seiner Kraft unter uns Menschen. Leben wir diesen Glauben, der uns zum Tun in der Welt ermutigt und die Perspektive des Lebens zeigt: Jesus Christus. Wenn uns das Fest heute dazu anspornt, feiern wir es in rechter Weise.

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