Geistlicher Impuls

Gott mit uns und wir mit Gott

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Weihnachtsfest

Christus wird für uns geboren. Damit will Gott nicht beweisen, was er alles kann, sondern er will die Menschen aus der Zuschauerrolle herausholen, er will sie – er will uns – zu Glaubenden machen. 

Dafür wird der Unfassbare zum fassbaren Sohn, zum Menschen; Zeichen seiner Hingabe; das Zeichen, welches deutlich macht, was ihm die Menschen und diese Welt bedeuten. Gott tut nicht irgendetwas Großes, irgendetwas Wunderbares, sondern das Wunderbarste: Er gibt sich hinein in die Welt – unschuldig, verletzbar, als Kind.

Das Weihnachtsfest ist für mich so wertvoll, weil es mir wie in einem Blitz das Wesen Gottes zeigt. Die Götter aller Religionen sind unnahbar, distanziert – vom Leben der Menschen entfernt. Unser christlicher Gott ist anders: Er ist ganz nah bei den Menschen. In ihrem – in unserem Leben; im Leben mit all seinen Facetten: mit Höhen und Tiefen – mit Liebe und Leid – mit Hoffnung und Enttäuschung.

Und darum diese Fragen zu Weihnachten:
"Warum fällt es eigentlich Menschen so schwer, der Wahrheit dieses Gottes zu glauben? Warum tun sich Menschen so schwer, diesen Gott für ihr Leben zu entdecken? Warum ist für viele Menschen dieser Gott nicht der Sinn des Lebens?"

Ich meine, Gott "passt" zu den Menschen, er "passt" zu uns, weil er die Wechselhaftigkeit unseres Lebens ernst nimmt und versteht, weil er immer auf unserer Seite steht und mit uns geht. Wenn wir also Weihnachten feiern, dann feiern wir diesen Gott, dann feiern wir unseren Glauben und unsere Hoffnung. Dann machen wir uns von neuem klar, dass der Gott der Geschichte der Menschheit auch der Gott der Geschichte meines Lebens ist, dem ich vertrauen kann.

Ob Gott die Herzen von Menschen erreicht, ist nicht eine Frage von reich oder arm, von jung oder alt, sondern von meiner Liebe, von meiner Bereitschaft, mit meinem Leben auf ihn zu antworten.  

Weihnachten wird konkret in meiner Lebenssituation. Weihnachten ist ein persönliches Geschehen zwischen Gott und mir. Gott tut das alles für alle Menschen, für die ganze Welt, für seine Schöpfung, aber er tut es auch für mich: Für meinen Glauben, für meine Hoffnung, für meine Schwierigkeiten, für meine Not, für meine Unehrlichkeiten, für meine Sünden, für meine Hilflosigkeit, für meinen Schrei nach Zuwendung, für mein Leben. Aus dem Kind in der Krippe wird der Erlöser der Welt, der Gott, den ich verstehe, weil mein Leben mit ihm verbunden ist, weil mir die Lichter sagen, dass er das Licht der Welt ist, weil seine Botschaft nicht Nostalgie ist, sondern Wirklichkeit. 

Weihnachten bedeutet für mich dieses klare "Ja" Gottes zu mir und meine Reaktion darauf. Weihnachten bedeutet für mich, dass mein Leben im Blick ist, mit allem Licht und Schatten, und dass Gott mein Leben begleiten will. Weihnachten bedeutet für mich eine Stärkung des Glaubens, weil ich die unfassbare Liebe Gottes zu mir in diesem Kind, seinem Sohn, spüre.

Weihnachten bedeutet für mich, dass Gott mir die Frage stellt, ob ich glücklich bin, ob ich ihn annehme als Herrn der Welt, wirklich als meinen Gott, der mir über alles geht. Weihnachten bedeutet für mich Glanz, weil Gott mein Herz zum Leuchten bringt durch seine Liebe, die sich auch darin zeigt, was wir füreinander tun.

Mein Weihnachtswunsch – angelehnt an Hanns Dieter Hüsch – lautet: "Wir bitten Gott den Allmächtigen, er möge uns behilflich sein, dass wir Weihnachten nicht wie Karneval feiern, dass wir das Wunder von Bethlehem nicht mit einem Musical plus Domführung plus Reeperbahn plus Hafenrundfahrt und Rhein in Flammen verwechseln, sondern dass wir die Stille und das Heilige nicht nur an Weihnachten neu entdecken. Denn große Freude ist uns verkündigt worden, sie soll in uns leben, Erbarmen und Zuversicht wecken, uns begleiten. Christus ist unter uns, urjung und uralt, Freiheit und Erlösung, als Geschenk."

Ich wünsche uns allen:
Die leuchtenden Augen über den froh machenden Glauben, die Gewissheit der Nähe Gottes, die Zuversicht für uns und unsere Zukunft, weil Gott uns nicht allein lässt. Das alles bedeutet "Frohe Weihnachten". Ob wir glänzende Augen haben oder Augen mit Tränen, Gottes Sohn ist für jeden da, der diesen Schritt des Glaubens tut. Gott mit uns und wir mit Gott, das ist mein Wunsch.

Gesegnete Weihnachten.


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Bild: pixabay.com