Geistlicher Impuls Bundesebene

Er hat den Tod endgültig besiegt

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Ostersonntag

Mit dem Tod sind wir vertraut. Er gehört zu unserer Welt. Täglich sterben Menschen.
Der Tod ist die große Not unseres Lebens. Gegen ihn ist kein Kraut gewachsen. Wir sind ihm ausgeliefert. Wie werden wir damit fertig? Kann das Osterevangelium für uns eine Hilfe sein, wenn es verkündet, dass Jesus nicht im Grab ist? „Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden.“ Wie die Frauen im Evangelium kennen auch wir den Weg zu Gräbern. Wie oft sind wir schon den Weg zum Friedhof gegangen. Im Grunde genommen ist unser ganzes Leben ein Weg zum Grab.

Doch die Frauen am Grab wurden auf einen neuen Weg gewiesen: weg vom Grab – auf nach Galiläa! Dorthin, wo Jesus gelebt und gewirkt hat, sollen die Frauen die Jünger schicken, dort werden sie dem Auferstandenen begegnen.

Das ist die österliche Botschaft: „Der Herr ist wahrhaft auferstanden!“ – das bedeutet nicht, was man sonst in der Bibel darunter versteht, wenn einer vom Tod zum Leben erweckt wird – in dieses Leben, wie zum Beispiel Lazarus (vgl. Joh 11, 1-46).
„Er ist auferstanden“ – das ist etwas ganz Neues und Einmaliges, das hat es noch nie gegeben. Das übersteigt unser Begreifen.
„Er ist auferstanden“ – das bedeutet: Der Tod ist in seine Schranken gewiesen worden. Nicht der Tod, das Leben ist ewig! Da, wo der Mensch nichts mehr ausrichten kann, wo er buchstäblich am Ende ist, hat Gott ganz neu angefangen. Er hat sich zum toten Jesus bekannt, ihm Recht gegeben und ihn aufgenommen in sein ewiges Leben. Das ganz Neue der Auferstehung hat der Evangelist Matthäus bereits beim Tod Jesu erfahren, wenn er schreibt: „Der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt.“ (Mt 27, 51,52)

Das alles ist so neu, dass es die Menschen in panische Angst versetzt. Doch die österliche Botschaft lautet:„Fürchtet euch nicht.“ Die Angst ist unbegründet, weil durch die Auferstehung ein neues Leben möglich ist, in dem der Tod nicht mehr das letzte Wort hat. Darum ist für uns mit dem Tod nicht alles verloren und hoffnungslos. Wir haben keinen Grund mehr, angesichts des Todes zu resignieren.

Die Frauen am Grab sind durch die österliche Botschaft „Er ist auferstanden“ wie verwandelt. „Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“  Das ist österlicher Aufbruch.
In diesem Aufbruch wächst die Gewissheit: Die Macht des Todes ist gebrochen. Wir sind nicht mehr vom Tod umzingelt. Die Liebe Gottes hat gesiegt, sie ist stärker als der Tod. Das, was Gott liebt, lässt er leben.

Das neue Leben Jesu als des Auferstandenen lässt auch uns hoffen, dass der Tod für uns nicht das letzte, das endgültige Aus, der Schlusspunkt ist, sondern die Tür zu Gott. Jesus ist uns vorausgegangen, um für uns beim Vater eine Wohnung zu bereiten, so dass auch wir ein ewiges Zuhause haben.

Ostern – das ist also keine Theorie über den gestorbenen Jesus, der erstaunlicherweise in dieses Leben zurückkehrte. Ostern – das ist lebendige Begegnung: Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Es geht ganz konkret und handgreiflich zu: Er hat den Tod endgültig besiegt!

Jesus eröffnet die Szene, indem er von seinen Brüdern spricht: "Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen." (Mt 28,10)

Mit der Huldigung allein ist es nicht getan. Darum schickt Jesus die Frauen fort. Er sendet sie zu seinen Brüdern. Sie hatten sich zwar in den vergangenen Tagen seines Leidens und Sterbens als Jünger nicht bewährt. Sie hatten versagt und waren schuldig geworden. Sie hatten ihn verraten, verlassen und verleugnet. Zu ihnen sendet Jesus die Frauen. Er nennt jene, die versagt haben, Brüder. Er vergibt ihnen. Sie sind voll und ganz rehabilitiert. Durch die Verkündigung der Frauen, dass der Gekreuzigte lebt, ist für sie ein neuer Anfang, ein neues Leben, österlicher Aufbruch möglich.

"Sie sollen nach Galiläa gehen.“ In Galiläa hatte Jesus mit seiner Verkündigung begonnen. "Die Zeit ist erfüllt; Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). In Galiläa hat Jesus die ersten Wunder gewirkt als Zeichen seiner Herrlichkeit. In Galiläa haben also die Menschen, vor allem seine Jünger, etwas erfassen können von dem, was in seiner Auferstehung endgültig und unüberbietbar bestätigt worden ist.
Galiläa ist also nicht zuerst ein geographischer Ort, vielmehr ist Galiläa überall dort, wo Menschen sich die Botschaft und das Wirken Jesu zu eigen machen, indem sie ganz im Sinne Jesu leben: das Böse mit Gutem vergelten, klar und eindeutig reden, einander vergeben und Frieden stiften, einander annehmen und lieben.
Überall, wo das ehrlich und redlich versucht wird, ist der Auferstandene gegenwärtig. "Dort werden sie ihn sehen.“

Somit heißt österlicher Aufbruch für uns heute wie für die Jünger damals, eine ganz neue Richtung einzuschlagen, einen Weg zu gehen, den wir von uns aus nicht finden können. Vom Evangelium werden wir auf diesen Weg gestellt und können in der Kraft des Geistes andere auf diesem Weg nach Galiläa mitnehmen, damit für immer mehr Menschen in unserer Welt Ostern wird. Der Herr ist wahrhaft auferstanden!

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