Geistlicher Impuls

Eine gute Melodie spielen

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum 3. Advent

Das Fernsehen beginnt seine Sendung oft mit einer Erkennungsmelodie: Tagesschau, Sportschau, Tatort.

Der Zuschauer erkennt schon an der Melodie und auch am wiederkehrenden Bild, mit wem und mit was er es in der Sendung zu tun hat.

Spielen wir Christen auch so eine Art Erkennungsmelodie? Damit andere erkennen, mit wem sie es zu tun haben? Man könnte antworten: das sind die Glocken. Sie lassen sich schon anführen; aber ich meine die Frage doch in einem anderen, tiefer liegenden Sinn. Ich meine, ob wir eine Lebensmelodie spielen, die auf Gott aufmerksam macht; ich meine eine Lebensart, die Menschen sagen lässt: „Du glaubst wohl an Christus!“

„Wer bist du?“, haben die Menschen Johannes den Täufer gefragt. Sein Tun, sein Leben, sein Reden, seine Art müssen die Menschen aufgerüttelt haben. Er ist einer der Großen unseres Glaubens, so haben es die Menschen empfunden. Johannes hat offenbar so sehr überzeugt, dass die Menschen sich vorstellen konnten, dass er sogar der Messias ist. Seine Erkennungsmelodie war Überzeugung, Glaube, Kraft, Hoffnung. Uns hat wohl noch niemand mit dem Messias verwechselt. Obwohl wir uns nach ihm benennen: Christen.

Menschen, die an seinem Leben Anteil nehmen wollen, möchten wir sein. Fragen wir uns doch einmal in diesem Advent: Können wir uns gegenseitig und auch anderen Menschen eine solche christliche Erkennungsmelodie anbieten? Oder ist das eher ein Chaos von falschen Tönen? Ich meine: Ist unsere Lebensmelodie einladend? Macht unsere Lebensart darauf aufmerksam, dass uns Jesus Christus wichtig ist, dass er eine zentrale Rolle in meinem Leben spielt? Oder spiele ich die ganze Woche über eine andere Melodie und setze mal zwischendurch nur einen christlichen Akkord darunter?

Was könnte denn so eine Lebensmelodie im Sinne Christi sein? Zum Beispiel christliche Freude und Zuversicht verbreiten; Hoffnung geben, wo Zweifel ist – dazu gehört in vielen Situationen Mut und das richtige Wort; Menschen, die Fehler machen, nicht abstempeln, das zeigt die Fähigkeit, anderen vergeben zu können; Menschen entdecken, die ihr Scheitern und ihre Angst hinter aufgesetzten Fassaden verstecken und sie nicht bloßstellen, sondern ihnen helfen; Vertrauensperson sein – zuhören können; beten für Menschen, die es selbst nicht mehr können oder wollen. Wenn der Advent keine jährlich wiederkehrende Routinesache mit ein paar Bräuchen bleiben soll, ist es wichtig, nach neuen Melodien zu suchen, mit denen Menschen neu Christus entdecken können. Es kommt darauf an, wie jeder von uns seine Lebensmelodie spielt und wie überzeugend und echt sie ist.

Eine Lebensmelodie, die Christus erkennen lässt und die fragen lässt: „Lebst du aus deinem Glauben?“ Unser gelebter Glaube hat Auswirkungen auf unsere Brüder und Schwestern, auf andere Menschen. Denn viele Menschen suchen nach Gott, auch ohne es zu wissen. Vielleicht kann ihnen unsere Melodie ein Erkennungszeichen sein – nicht abschreckendes Getöse, sondern einladender Klang.

Ich wünsche uns an diesem 3. Adventssonntag, dass wir immer wieder üben, eine gute Melodie zu spielen; dass wir in unseren Tönen aufmerksam sind für Gott und für unsere Mitmenschen. „Gaudete“, heißt dieser 3. Advent, „Freut euch“. Das ist die Melodie Gottes. Lassen wir uns einschwingen in Gottes Klang! 


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